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Carnage Park – Willkommen in der Hölle: Zitatreiche Menschenjagd

01 Jan

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Carnage Park

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // Die Jagd ist wieder einmal eröffnet: In „Wolf Creek“, „Wolf Creek 2“ und „Desierto – Tödliche Hetzjagd“ nahmen zwei Psychopathen Unschuldige ins Visier. Jetzt lässt der gerade mal 26 Jahre alte Drehbuchautor und Regisseur Mickey Keating („Pod – Es ist hier …“) einen weiteren wahnsinnigen Scharfschützen das Feuer auf wehrlose Opfer eröffnen. Für „Carnage Park – Willkommen in der Hölle“ entfacht der junge Filmemacher den Schrecken in der großen Weite der kalifornischen Wüste, wo sich laut Eröffnungstexttafel 1978 „eines der dunkelsten Kapitel des amerikanischen Verbrechens“ abgespielt haben soll.

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Vivian will einen Kredit aufnehmen …

Die Kleinganoven „Scorpion“ Joe (James Landry Hébert) und Lenny (Michael Villar) sind mit ihrem Auto auf der Flucht: Gerade haben sie eine Bank ausgeraubt, aber Lenny wurde angeschossen und liegt blutend auf der Rückbank. Bankkundin Vivian (Ashley Bell) haben sie als Geisel genommen. Da die Cops ihnen dicht auf den Fersen sind, merkt „Scorpion“ Joe nicht, wie tief sie schon in die Wüste vorgedrungen sind. Plötzlich fliegen ihnen die Kugeln nur so um die Ohren. Abgefeuert wurden sie von dem psychopatischen Vietnamveteranen Wyatt Moss (Pat Healey), der sein staubiges Privatgrundstück mit allen Mitteln vor ungebetenem Besuch verteidigen will …

Große Vorbilder

Regisseur Keating nennt zwei große Vorbilder, die ihn zu „Carnage Park – Willkommen in der Hölle“ inspiriert haben: Den Aspekt der Menschenjagd lieh er sich natürlich beim Klassiker „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ (1932); für die 70er-Jahre-Neo-Western-Atmosphäre ist seine Vorliebe für Sam Peckinpah verantwortlich. Doch auch andere Einflüsse sind in den dreckigen, sonnendurchfluteten Sepia-Bildern klar zu erkennen. Bei der verzerrten Soundkulisse könnte jederzeit Leatherface aus „Texas Chainsaw Massacre“ mit seiner Kettensäge um die Ecke kommen. Und wenn ein Bankräuber schreiend im Auto vor sich hinblutet, die Vorbereitungen auf den Überfall in Rückblicken gezeigt werden und einem Opfer das Ohr abgeschnitten wird, sind diese Szenen offenkundig als Hommage an Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs – Wilde Hunde“ (1992) zu verstehen.

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… doch dann wird sie von Bankräuber „Scorpion“ Joe als Geisel mitgenommen

Und der „Pulp Fiction“-Regisseur hätte sicherlich seine Freude an „Carnage Park – Willkommen in der Hölle“. Man erfreut sich an den zahlreichen Zitaten, der dreckigen Grindhouse-Stimmung, einigen netten Stilmitteln und blutigen Effekten, darunter einem zerschossenen Kopf.

Fehlende Ideen im Finale

Doch nach einer starken ersten Hälfte ist der Retro-Bonus größtenteils aufgebraucht. Keating verpasst seinen Figuren nur ein Mindestmaß an Hintergrundgeschichte. Neben Pat Healey („Cheap Thrills“) als Psychopath hat Alan Ruck („Ferris macht blau“) als zwiegespaltener Sheriff Moss, der mehr als ein Auge bei den Taten seines Bruders zudrückt, noch die interessanteste Rolle. Er ist aber leider nur kurz dabei.

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Plötzlich fallen Schüsse

Im Finale lässt Keating Ashley Bell für Minuten fast in kompletter Dunkelheit durch einen Minenschacht wandeln. Zwar ist dank der horrorerfahrenen „Der letzte Exorzismus“-Darstellerin die Spannung noch spürbar, aber die Ideen sind dem Regisseur offensichtlich ausgegangen. So bringt Keating seine natürlich nicht auf einem echten Verbrechen beruhende Geschichte zu einem harmlosen Ende.

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Sheriff Moss weiß, was sein psychopatischer Bruder treibt

Aber auch wenn in „Carnage Park – Willkommen in der Hölle“ noch nicht alles perfekt ist: Den jungen Filmemacher sollte man im Auge behalten; sein Handwerk hat er bei der derzeit führenden Mainstream-Horror-Schmiede Blumhouse Productions („Conjuring 2“, „Visions“) gelernt. Wenn sich Keating mehr von seinen filmischen Idolen löst und seine eigene Sprache entwickelt, kann aus ihm durchaus ein gefeierter Genre-Regisseur werden. Das Talent dazu hat er auf jeden Fall.

Ein Jäger nimmt als Scharfschütze seine Opfer ins Visier – habt Ihr einen Lieblingsfilm mit diesem Plot?

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Vivian auf der Flucht

Veröffentlichung: 2. Januar 2017 als Blu-ray 3D (inkl. 2D-Fassung), Blu-ray und DVD

Länge: 81 Min. (Blu-ray), 78 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Carnage Park
USA 2016
Regie: Mickey Keating
Drehbuch: Mickey Keating
Besetzung: Ashley Bell, Pat Healy, James Landry Hébert, Michael Villar, Larry Fessenden, Bob Bancroft, Graham Skipper, Darby Stanchfield, Alan Ruck, Andy Greene
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2017 Tiberius Film

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20 Antworten zu “Carnage Park – Willkommen in der Hölle: Zitatreiche Menschenjagd

  1. Tobias

    2017/01/22 at 17:13

    Duell – Enemy at the Gates ein Super Film !!!

     
  2. Andreas Wesp

    2017/01/22 at 12:31

    Da fällt mir spontan Tower Block ein. Genial gemachter. Zwar war kein Banküberfall vorweg, aber die Essenz des Filmes passt.

    Duell war auch ein guter Film auf wahrer Begebenheit. Aber eben Kriegsfilm.

     
  3. Patrick Braune

    2017/01/22 at 11:51

    Definitiv Duell – Enemy at the Gates! Oder der etwas neuere Desierto – Tödliche Hetzjagd mit Jeffrey Dean Morgan 😀

     
  4. Jan

    2017/01/21 at 00:18

    Duell – Enemy at the Gates

     
  5. Dominik Starck

    2017/01/18 at 19:02

    Da muss man auf „Shooter“ kommen. „The Wall“ könnte der nächste Knaller dieses Subgenres werden.

     
  6. Frankiboy

    2017/01/17 at 19:27

    Zwei Minuten Warnung mit Charlton Heston und Beau Bridges. Turm des Schreckens mit einem sehr jungen Kurt Russel.Beide aus den 70gern.
    Duell – Enemy at the Gates mit Jude Law und Ed Harris.
    Der Schakal ( Remake ) Bruce Willis und Richard Gere…obwohl da ja das Gewehr ferngesteuert war.
    Die Sniper Reihe mit Tom Tom Berenger.
    Sniper – Der Heckenschütze von Washington.Ein klasse Film nach wahren Begebenheiten der
    Heckenschützen von Washington.

     
  7. Darth Oedel

    2017/01/16 at 11:32

    „Sniper – Der Scharfschütze“ wäre auch meine erste Wahl.

     
  8. Peter Westerhoff

    2017/01/15 at 18:25

    Sniper-Der Scharfschütze von 1993

     
  9. Dirk Busch.

    2017/01/15 at 16:24

    Hmmmmm.Mir fällt jetzt kein Scharfschützenfilm ein.:-)

     
  10. Schachtschabel

    2017/01/15 at 15:30

    Hoffe mache alles richtig .. Antworten habe ich nicht, würde trotzdem gerne teilnehmen 😊

     
    • V. Beautifulmountain

      2017/01/15 at 15:35

      Alles richtig gemacht. Es gibt keinen Zwang zur Nennung eines Films als Teilnahmevoraussetzung.

       
  11. Filmschrott

    2017/01/15 at 14:26

    „Target“ mit Stephen Baldwin. Ist zwar komplett dämlich, aber eben auch unterhaltsam.

     
  12. Mike Hennig

    2017/01/15 at 11:59

    Nicht auflegen fiele mir da ein. Richtig genial fand ich auch Wolf Creek 2, auch wenn es hier kein Scharfschütze ist, der die Touristen im australischen Outback terrorisiert.

     
    • V. Beautifulmountain

      2017/01/15 at 12:09

      Aber der gute Mick Taylor kann mit dem Gewehr ja ebenfalls recht zielgenau umgehen, insofern ist Wolf Creek 2 schon auch in dem Bereich angesiedelt.

       
  13. Luisa Neudert

    2017/01/15 at 11:43

    „The Reach“ mit Michael Douglas und Jeremy Irvine gefällt mir richtig gut und macht nach mehreren Sichtungen immer noch Spaß.

     
  14. Andres

    2017/01/14 at 15:46

    Mir fiele da „Nicht auflegen“ ein – ein netter Thriller!

     
  15. Ingo Maaßen

    2017/01/14 at 14:43

    Surviving the Game von 1994, wo Ice-T zum Opfer einer Treibjagd wurde. Ein verstörender und genialer Film zugleich!!!

     
  16. Dirk B

    2017/01/13 at 22:55

    Als Jäger der Unschuldige jagt wäre Jeepers Creepers und auch Hills have Eyes bei mir im Vordergrund, auch wenn es keinen Scharfschützen gibt.
    Mit Schusswaffen Lucky#Slevin, Leon der Profi und auch Last Man Standing.

     
  17. martinb62

    2017/01/13 at 21:56

    Desierto – Tödliche Hetzjagd finde ich gut!

     
  18. Marlen B.

    2017/01/13 at 09:42

    Nicht auflegen fand ich spannend.

     

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