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Passengers – „Titanic“ im All

04 Jan

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Passengers

Kinostart: 5. Januar 2017 in 3D und 2D

Von Andreas Eckenfels

Science-Fiction // Es ist immer wieder erstaunlich, was Trailer und Werbematerial für falsche Erwartungshaltungen schüren können. Im Falle von „Passengers“ spricht der Verleih von einem „hochspannenden Action-Abenteuer“, der Trailer lässt dies ebenfalls vermuten. Mit dabei sind Jennifer Lawrence („Die Tribute von Panem“) und Chris Pratt („Jurassic World“) – die zwei derzeit angesagtesten Superstars Hollywoods. Auf dem Plakat prangt zudem der mysteriöse Spruch: „Es gibt einen Grund, warum sie aufgewacht sind.“ Da kann doch eigentlich nicht viel schiefgehen, oder?

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Warum sind Jim und Aurora viel zu früh aus dem Tiefschlaf geweckt worden?

Aus Spoilergründen verzichte ich natürlich darauf zu verraten, warum Aurora (Lawrence) und Jim (Pratt) die einzigen der 5000 Pasagiere des Luxus-Raumschiffs „Avalon“ sind, die außerplanmäßig aus ihrem Tiefschlaf erwacht sind. Eigentlich sollte ihre Reise zu einem neuen Planeten 120 Jahre dauern, doch die beiden Unglücksraben sind zu früh geweckt worden. Der Flug dauert noch 90 Jahre – sie werden die Ankunft also nicht mehr erleben. Eine spannende Ausgangssituation für einen nervenzehrenden Überlebenskampf. Eigentlich. Denn die Ursache bekommen die Zuschauer schon nach etwa der Hälfte der Spielzeit präsentiert.

Romantik statt SF-Action

Daraufhin entwickelt sich „Passengers“ von einer durchaus gelungenen, wenn auch wie in Filmen wie „Moon“ (2009) oder „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (2015) häufig gesehenen Charakterstudie über Einsamkeit, Isolation und Verlorenheit inklusive eines durchaus interessanten moralischen Dilemmas zu einer Hollywood-üblichen Romanze, die nur eben im Weltraum stattfindet. Darauf sollte man vorbereitet sein, wenn man ein mysteriöses SF-Action-Abenteuer erwartet hat.

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Die beiden untersuchen die „Avalon“

In anderen Kritiken wurde der Vergleich schon bemüht: „Passengers“ ist kein „Gravity“ (2013) und auch kein „Interstellar“ (2014), sondern eher „Titanic“ (1997) im All. Dazu trägt bei, dass den Passagieren der „Avalon“ – sofern sie nicht schlafen – keine Wünsche offen bleiben, wenn sie einer höheren sozialen Schicht angehören. So muss sich Arbeiter Jim mit einem einfachen Frühstück zufriedengeben, während die belesene Autorin Aurora die komplette Auswahl hat.

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Selbst der Bordcomputer kann keine Fehlfunktion feststellen

Die Geschichte könnte aber auch genauso gut an einer amerikanischen Highschool spielen. Denn wie in zahlreichen anderen typischen Teenie-Romanzen à la „Eine wie keine“ (1999) wird gerade in dem Moment ein Geheimnis enthüllt, als Jim und Aurora ein tiefes Vertrauensverhältnis aufgebaut haben. Die Liebe zerbricht daran – wird es dennoch für beide ein Happy End geben?

Stars und Produktionsdesign enttäuschen nicht

Warum das Drehbuch von Jon Spaihts („Prometheus – Dunkle Zeichen“) seit 2007 auf der sogenannten Black List gestanden hat, bleibt deswegen unverständlich. In dieser Zeit sollten Stars wie Keanu Reeves, Reese Witherspoon oder Rachel McAdams die Hauptrollen übernehmen. Daraus wurde aus unterschiedlichen Gründen nichts. Eine andere Struktur hätte der Geschichte besser zu Gesicht gestanden, aber daran wollte der norwegische Regisseur Morten Tyldum („The Imitation Game“) offenbar nichts ändern.

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Androiden-Barkeeper Arthur sorgt für Unterhaltung und Alkohol

Jennifer Lawrence und Chris Pratt mühen sich redlich und machen das Beste aus dem verkorksten Skript. Mit viel Humor und Charme sorgen die Stars dafür, dass man ihnen gern beim Flirten zuschaut. Dazu gesellt sich Michael Sheen, der als Androiden-Barkeeper Arthur der einzige andere Gesprächspartner an Bord der „Avalon“ ist und für die Fragen und Probleme der beiden stets die passende programmierte Antwort bereithält. Außerdem helfen das hervorragende Produktionsdesign – Arthurs Bar etwa ist eine Hommage an jene aus dem Overlook Hotel aus „The Shining” (1980) – und einige visuell gelungene Szenen, etwa die, in der Aurora mangels Schwerkraft in einer Wasserblase gefangen ist, dabei, dass „Passengers“ keine totale Enttäuschung geworden ist – wenn man sich damit abgefunden hat, dass es sich um eine mitunter kitschige Romanze und kein „hochspannendes Action-Abenteuer“ handelt.

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Jim und Aurora genießen das Unterhaltungsprogramm des Raumschiffs – und kommen sich langsam näher

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jennifer Lawrence und/oder Chris Pratt sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 117 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Passengers
USA 2016
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Jon Spaihts
Besetzung: Chris Pratt, Jennifer Lawrence, Michael Sheen, Laurence Fishburne, Andy Garcia, Vince Forster
Verleih: Sony Pictures Germany

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Sony Pictures Germany

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