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Hell or High Water – Der Westen ist verarmt

10 Jan

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Hell or High Water

Kinostart: 12. Januar 2016

Von Simon Kyprianou

Western // Die Brüder Tanner und Toby Howard (Ben Foster, Chris Pine) rauben texanische Banken aus, um die Hypothek für die Farm ihrer verstorbenen Mutter abzahlen zu können. Dort ist Öl gefunden worden, was für Tobys Kinder eine gesicherte Existenz und einen Ausweg aus der Armut bedeuten würde. Der Texas Ranger Marcus Hamilton (Jeff Bridges) heftet sich an die Fersen der Brüder.

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Die beiden Brüder überfallen Banken

David Mackenzie ist ein unberechenbarer Regisseur: In seiner Filmografie finden sich Dramen wie „Young Adam – Dunkle Leidenschaft“ (2003) und „Hallam Foe – This Is My Story“ (2007), die verstörend zärtlich erzählte Dystopie „Perfect Sense“ (2011) und das harte Knastdrama „Mauern der Gewalt“ (2013); nun hat der schottische Filmemacher mit „Hell or High Water“ einen Neo-Western inszeniert, der sich auch nicht ganz einfach fassen lässt.

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Texas Ranger Hamilton (l.) und sein Partner bearbeiten den Fall …

Dabei codiert Mackenzie die bekannten Bilder des amerikanischen Westerns – die totale Einstellung des weiten Landes – geschickt um. War es früher ein Symbol für Freiheit, Schönheit und die Möglichkeit, neue Orte zu erschließen, haben diese Idylle und die mit ihr verknüpften Vorstellungen in „Hell or High Water“ ihr Verfallsdatum überschritten: For-Sale- und Closedown-Schilder, wohin das Auge blickt, der amerikanische Westen ist verfallen und verarmt, die Arbeitslosigkeit ist hoch, nur die Banken profitieren vom Verfall. An einer Stelle wird die gewaltsame Übernahme des Landes der Indianer von den Amerikanern mit der Übernehme des Landes der nun verarmten Amerikaner von den Banken verglichen. So sind die beiden Bankräuber-Brüder auch nicht an persönlicher Bereicherung interessiert, sie wollen lediglich verhindern, dass ihr Land den Banken in die Hände fällt – wie Toby Howard an einer Stelle sagt: damit ihre Kinder aus dem Teufelskreis der Armut ausbrechen können, in dem die Familie seit Generationen gefangen ist.

Jeff Bridges mit trockener Attitüde

Diese Geschichte um das verzweifelte Brüderpaar, das gar nicht darauf spekuliert, sauber aus der Sache rauszukommen, erzählt Mackenzie unerwartet humorvoll, von der brummigen, trockenen Attitüde des von Jeff Bridges verkörperten Texas Rangers bis hin zu einem herrlich komischen Kommentar auf das lockere US-Waffenrecht.

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… und stoßen dabei auf allerlei Schwierigkeiten

In Mackenzies Western gibt es nur Verlierer: Auf der Seite der Polizisten ist eben jener Ranger, der mehr oder weniger scherzhaft hofft, vor seiner bevorstehenden Pension noch erschossen zu werden, auf der anderen Seite die Brüder, die genau wissen, dass es für sie nicht gut ausgehen kann. „Ich kenn‘ keinen, der jemals mit irgendwas davongekommen ist“, räumt Tanner gegenüber seinem kleinen Bruder ein. Diese Verlierer-Geschichte, die sich zum Ende hin zu einem von Verzweiflung und Ausweglosigkeit heraufbeschworenen Finale verdichtet, erzählt Mackenzie mit souveräner Dramaturgie, angenehm langsam, auch mal holprig auf Augenhöhe mit seinen Figuren eben, für die im Leben nichts in geregelten Bahnen läuft.

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Die Brüder wollen ihre Schulden bei der Bank tilgen

Chris Pine, der bisher hauptsächlich durch seine Rolle als Captain Kirk im von J. J. Abrams erneuerten „Star Trek“-Franchise bekannt ist, erweist sich hier überraschenderweise als ganz hervorragender Charakterdarsteller, verschwitzt und verdreckt, als verwaschenes Gesicht mit traurigen Augen trägt er sich durch diesen Film. Ebenfalls herausragend sind Bridges und Ben Foster. Besondere Beachtung verdient sicherlich auch der schöne Soundtrack, den Nick Cave in Zusammenarbeit mit Warren Ellis komponiert hat.

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Showdown im weiten Land

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jeff Bridges und/oder Chris Pine sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 102 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Hell or High Water
USA 2016
Regie: David Mackenzie
Drehbuch: Taylor Sheridan
Besetzung: Ben Foster, Chris Pine, Jeff Bridges, Gil Birmingham, Dale Dickey
Verleih: Paramount Pictures Germany GmbH

Copyright 2017 by Simon Kyprianou

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Paramount Pictures Germany GmbH

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