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The Great Wall – Opulenter Blödsinn

11 Jan

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The Great Wall

Kinostart: 12. Januar 2017

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // Lange ist es her, dass dem Kinozuschauer mal wieder ein richtig feiner Fantasy-Action-Blockbuster geboten wurde. Man hatte immer wieder Versuche wie „Warcraft – The Beginning“ und „The Last Witch Hunter“, aber trotz eines gewissen Unterhaltungsfaktors waren auch das nicht die ganz großen Würfe. 2017 schicken sich nun weitere Filme an, den Hunger an fantasievoller Kost zu stillen. Bevor Guy Ritchie seine Variante der Artus-Saga vorführt, steht mit „The Great Wall“ erst einmal eine chinesisch-amerikanische Ko-Produktion in den Startlöchern.

Mauer gegen Monster

Der Söldner William Garin (Matt Damon) ist mit einer Truppe in den fernen Osten aufgebrochen, da man von einer neuen Waffe gehört hat, die dort entwickelt wurde: Ein dunkles Pulver soll ganze Armeen ausschalten können. Die Reise ist beschwerlich und am Ende steht er nur noch mit seinem Gefährten Pero (Pedro Pascal) da. Auf der Flucht vor Banditen gelangen die beiden durch Zufall an eine riesige Mauer und werden von den dort stationierten Chinesen gefangen genommen. Doch schon bald müssen William und Pero ihr Kampfgeschick zeigen, ist die Mauer doch dazu da, um eine Horde Monster aufzuhalten, die alle 60 Jahre China heimsucht. Und der letzte Angriff liegt genau 60 Jahre zurück …

Vom Regisseur von „Hero“

Regisseur Zhang Yimou ist bereits seit 1987 aktiv, wobei er den Durchbruch im Westen erst 2002 schaffte. Der Wuxia-Film „Hero“ war ein poetisches Kampfballett und rückte 2 Jahre nach Ang Lees „Tiger & Dragon“ Asien als Filmlandschaft wieder mehr in den Fokus. Auch sein 2004 folgender Film „House of Flying Daggers“ wurde durchaus positiv aufgenommen, obwohl er nicht mehr den großen Effekt wie „Hero“ hatte. Danach ist es in unseren Breitengraden um den Regisseur ruhig geworden, mit Ausnahme von „The Flowers of War“ (2011) mit Christian Bale kam wenig dieses visionären Regisseurs nach Europa.

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William kämpft für die Chinesen

Bei diesem durchaus interessanten Gesamtwerk bildet „The Great Wall“ einen merkwürdigen Bruch. Wir haben es hier mit einem gigantischen Blockbuster zu tun – laut, bunt, spektakulär. Wenn Monster, die in dem Film Taotie genannt werden, die chinesische Mauer angreifen und als Abwehrmaßnahme übergroße Scheren zum Einsatz kommen, sollte jeder Logik-Freund gemerkt haben, dass er im falschen Film sitzt. Es geht in „The Great Wall“ nur um das Spektakel, alles muss toll aussehen. Da wundert es einen auch nicht, wenn Matt Damon in bester Legolas-Manier einen Taotie nach dem anderen mit absurd präzisen Schüssen in die Augen tötet, während er wild Pirouetten dreht – natürlich alles in Zeitlupe.

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Rauchzeichen bedeuten nie etwas Gutes

Dabei tut Yimou gut daran, seinen Film in den Action-Szenen nicht allzu ernst zu nehmen. Ständig gibt es neue bizarre Ideen, um die Monsterscharen abzuwehren, die dann auch noch mit viel Brimborium in die Luft gehen und dabei ihr grünes Blut über die gesamte Leinwand verteilen. Das ist sogar wörtlich gemeint – die dritte Dimension wird immer wieder für Pop-out-Effekte genutzt. Diese Sequenzen sind durchaus unterhaltsam und man freut sich auf jede neue Schlacht. Denn das was dazwischen passiert, ist weniger interessant.

Wer interessiert sich schon für die Figuren?

Bis auf eine Szene, in der William seine Bogenkünste beweisen muss, nimmt sich der Film in den Dialogen sehr ernst. Da werden Gespräche über Ehre und Vertrauen geführt, über unterschiedliche Weltansichten und die Gier der Menschen. So entsteht ein Bruch zwischen den launigen und abgehobenen Kämpfen und den ernst gemeinten Dialogen, was dem Film einfach nicht guttut. Bedauerlich: Es gibt immer wieder kleine Zeichen, dass man es hätte anders machen können. Gerade in der Interaktion zwischen William und Pero gibt es witzige Momente, die den insgesamt drei Drehbuchautoren – oder einem von ihnen – anscheinend aber nicht zum Rest gepasst haben. Also müssen wieder Konflikte her, die an den Haaren herbeigezogen wirken. Da können dann auch die Schauspieler wenig ausrichten. Gerade ein Willem Dafoe, der in keiner Action-Sequenz zu sehen ist, bleibt erstaunlich blass als weiterer gestrandeter Europäer. Der Rest der Figuren wird über Gespräche charakterisiert, ohne dass dies eine größere Bewandtnis für den Film hat.

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Lin Mei wurde zum Kampf erzogen

„The Great Wall“ ist natürlich kein Charakterdrama, sondern ein Bombast-Film. Also wird an anderen Enden geklotzt. Nicht nur ist die Action cool choreographiert, der gesamte Film hat einen sehr schicken Stil. Sei es die pure Masse an Statisten, die über die Mauer laufen, seien es die abgefahrenen Waffen oder sei es das Design der Rüstungen, alles sieht sehr hübsch aus. Das gilt sogar für die Computereffekte. Auch wenn die Taotie manchmal nicht ganz dem aktuellen Standard der Technik entsprechen, hat man doch nie das Gefühl, gerade einen schlechten Effekt zu haben, wie er sich gerne in asiatische Filme einschleicht – man vergleiche dazu „Detective Dee und der Fluch des Seeungeheuers“. Zwar hätten die Monster ruhig etwas unterschiedlicher ausfallen können, aber wenn sie denn mal anders aussehen, ist das wunderbar anzuschauen.

Bloß keine Fragen stellen

Man darf nur wirklich nicht eine Sekunde über den Film nachdenken. Es gibt so viele Anschlussfehler im Schnitt, dass es einen nicht mehr wundert, wenn Figuren von einem Bild zum nächsten plötzlich um einige Zentimeter verrückt wurden. Auch deckt der Teil der Mauer, der von den Taotie angegriffen wird, nur einen kleinen Teil der gesamten chinesischen Mauer ab – was auf den restlichen Metern passiert, weiß niemand. Der größte Lapsus findet sich jedoch am Anfang, wenn William und Pero ganz überrascht davon sind, auf was für ein Bauwerk sie da gestoßen sind; anscheinend haben sie die übergroßen Türme vorher einfach übersehen.

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Attacke!

„The Great Wall“ macht es einem sehr leicht, den Film zu verteufeln. Man braucht schon ein gewisses Faible für das Asia-Kino und selbst dann gibt es noch genügend Angriffspunkte für Kritiker. Allerdings kann man hier auch eine durchaus gelungene Symbiose von asiatischen und amerikanischen Blockbustern sehen, in der Stil und Gigantismus vorherrschen – da bleibt leider nicht viel Platz für mehr.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Willem Dafoe und/oder Matt Damon sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Great Wall
CHN/USA 2016
Regie: Zhang Yimou
Drehbuch: Carlo Bernard, Doug Miro, Tony Gilroy
Besetzung: Matt Damon, Pedro Pascal, Willem Dafoe, Tian Jing, Andy Lau, Eddie Peng, Lu Han, Kenny Lin
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Universal Pictures Germany GmbH

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3 Kommentare

Verfasst von - 2017/01/11 in Film, Kino, Rezensionen

 

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3 Antworten zu “The Great Wall – Opulenter Blödsinn

  1. Kay Sokolowsky

    2017/01/11 at 14:02

    Danke für diese faire, informative Kritik – so wünsch ich mir das bei Filmen, die gar nicht mehr wollen als Blockbuster sein! (Und ich weiß jetzt, was ich mir nicht im Kino, sondern irgendwann mal von meinem Sofa aus angucken werde. Wieder Geld gespart!)

     
    • Matthias Holm (@MatzeHolm)

      2017/01/11 at 17:58

      Vielen Dank für die netten Worte. Natürlich gibt es auch im Blockbuster-Bereich Unterschiede, wobei es schon bessere als diesen hier gibt – allerdings auch viele deutlich schlechtere. Der macht im Kino mit fettem Ton und guten 3D schon Spaß, allerdings kostet das auch eine Menge Geld dann meistens, also ist das Sofa hoffentlich auch ein guter Platz für den Film 🙂

       
      • Kay Sokolowsky

        2017/01/11 at 23:02

        Als gelernter Sofapupser kann ich nur sagen …: Der BESTE Platz!

         

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