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Hacksaw Ridge – Die Entscheidung: Der Kriegsheld, der keiner sein wollte

25 Jan

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Hacksaw Ridge

Kinostart: 26. Januar 2017

Von Andreas Eckenfels

Kriegsdrama // Zehn Jahre nach „Apocalypto“ (2006) kehrt Mel Gibson für eine unglaubliche Geschichte erstmals wieder auf den Regiestuhl zurück. Unglaublich deshalb, weil man das Leben und die Taten von Desmond Doss (1919–2006) für frei erfunden halten müsste, wenn sich diese nicht während des Zweiten Weltkriegs in der Schlacht um Okinawa tatsächlich ereignet hätten. Doss war 1945 der erste von bisher drei Kriegsdienstverweigerern in der US-Militärgeschichte, der mit der Tapferkeitsmedaille Medal of Honor ausgezeichnet wurde – und das, ohne eine einzige Kugel abgefeuert zu haben.

Ein überzeugter Pazifist zieht in den Krieg

Als Angehöriger der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten tritt Desmond Doss (Andrew Garfield) unbeirrbar für seine Überzeugungen ein. Nach einem traumatischen Kindheitserlebnis nimmt er sich das sechste Gebot „Du sollst nicht töten“ besonders zu Herzen. Er will keinem Menschen Gewalt antun und noch nicht einmal eine Waffe in die Hand nehmen. Dennoch: Um seinem Land im Zweiten Weltkrieg zu dienen, meldet er sich freiwillig bei der US-Armee.

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Desmond und Dorothy wollen heiraten

Schon während seiner militärischen Grundausbildung zieht Doss mit seiner Prinzipientreue den Zorn seiner Vorgesetzten Sergeant Howell (Vince Vaughn), Captain Glover (Sam Worthington) und Kameraden auf sich. Der gläubige Soldat wird misshandelt, vor der Hochzeit mit seiner Verlobten Dorothy (Teresa Palmer) inhaftiert und schließlich als Kriegsdienstverweigerer vor ein Militärgericht gestellt. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz gelingt es ihm, als nicht kämpfender Sanitäter anerkannt zu werden und mit dem 307. Infanterieregiements nach Übersee zu fahren.

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Seine Kameraden scheren sich nicht um Desmonds Glaubensprinzipien

Bei der Schlacht um Okinawa, die als blutigster Einsatz des Pazifikkriegs in die Geschichte eingeht, begeht der gläubige Soldat seine selbstlosen Taten: Nachdem der Rückzug von der 122 Meter hohen Maeda-Felswand – wegen ihrer Konturen auch unter dem Namen Hacksaw Ridge bekannt – befohlen wurde, bleibt Doss standhaft. Unter Dauerbeschuss der Japaner rettet er im Alleingang etwa 75 verwundeten Kameraden das Leben, die auf dem Schlachtfeld zurückgelassen wurden.

Kriegshölle hautnah

Wenn man Gibsons vorige Regiearbeiten kennt, weiß man, dass er in Schlachtenszenen keine Kompromisse eingeht. Auch bei „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ setzt er auf absoluten Realismus. Schon zu Beginn sehen wir erste Ausschnitte der Kriegshölle, die uns auf das brutale Gemetzel vorbereiten, was da noch kommen mag. Die Kugeln pfeifen den Soldaten nur so um die Ohren, Explosionen zerfetzen ihnen die Körper, brennende Menschen fliegen in Zeitlupe durch die Luft. Das ist schmerzhaft mitanzusehen und noch intensiver als die Kriegs-Action in Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ (1998), da sich natürlich auch die Spezialeffekte – die ganz ohne Computeranimationen auskommen – seit damals weiterentwickelt haben. Für die Feuergefechte und Explosionen wurde eine neuartige Technik mit dem Namen „Bomb Box“ genutzt, die nach der Sprengung Trümmerteile und Schutt mit hohem Tempo herausschleudert ohne jemanden verletzten zu können. Dabei werden auch Lichtblitze ausgelöst, die den Eindruck von starken Explosionen vermitteln.

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Sergeant Howell führt seine Männer in die Schlacht an der Hacksaw Ridge

Doch mitten in diesem Chaos, dem Blut und Gedärm gibt es einen Lichtblick, einen Fixpunkt, der nicht töten, sondern helfen will: der Pazifist Desmond Doss, der seine Kameraden unter größter Gefahr und ohne Unterlass aus den Schützengräben zieht. Dass er diesen unbändigen Glauben bis zur Selbstaufopferung gelebt hat, ist wahrlich die unglaubliche Geschichte eines außergewöhnlichen Menschen; Stoff für ein packendes Kinoabenteuer, welches Gibson mit seiner warmherzigen Figurenzeichnung als einen zutiefst menschlichen Antikriegsfilm zum Leben erweckt hat. Nur gegen Ende, als Doss erschöpft auf einer Bahre in die Luft gehoben wird, also scheinbar in den Himmel auffährt, überhöht er den Helden zu stark, was wohl auch Gibsons eigenem Glauben geschuldet ist.

Filmisches Denkmal

Doch gleich danach wird man wieder zu den Tatsachen zurückgeholt. In Archivinterviews kommen der echte Desmond Doss und seine Wegbegleiter zu Wort und bestätigen, dass sich diese Taten wirklich ereignet haben. Gibson nahm sogar einige weitere wahre Begebenheiten von Doss nicht in seinen Film mit auf, weil ihm diese laut eigenem Bekunden niemand abgenommen hätte.

Doss war ein Kriegsheld, der gar keiner sein wollte. Er blieb sein ganzes Leben lang bescheiden. Erst in seinen letzten Lebensjahren konnte er dazu überredet werden, die Filmrechte an seiner Geschichte zu verkaufen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten würde. Daraus entstand zunächst die Dokumentation „The Conscientious Objector“ (2004) von Terry Benedict und nun Gibsons Dramatisierung der Ereignisse in „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“, die diesem Mann ein filmisches Denkmal setzen.

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Desmond versorgt die verwundeten Soldaten

Bei der Oscar-Verleihung 2017 ist Gibsons Werk als Außenseiterkandidat in sechs Kategorien nominiert, darunter als bester Film, für die beste Regie und den besten Hauptdarsteller. Andrew Garfield wird ab dem 2. März in Martin Scorseses Religionsdrama „Silence“ erneut einen Glaubenskrieg mit sich ausfechten müssen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von oder mit Mel Gibson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Im Alleingang rettet der Sanitäter im Kugelhagel Dutzenden Kameraden das Leben

Länge: 131 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Hacksaw Ridge
AUS/USA 2016
Regie: Mel Gibson
Drehbuch: Robert Schenkkan, Andrew Knight
Besetzung: Andrew Garfield, Vince Vaughn, Sam Worthington, Teresa Palmer, Hugo Weaving, Rachel Griffiths, Richard Roxburgh, Milo Gibson, Dennis Kreusler, Firass Dirani, Michael Sheasby, Luke Pegler, Ben Mingay, Luke Bracey, Nico Cortez, Goran D. Kleut, Harry Greenwood, Damien Thomlinson, Ben O’Toole, Jim Robison, Samuel R. Wright, Mikael Koski, Robert Morgan, Ryan Corr
Verleih: Universum Film

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Universum Film

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