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Operation Avalanche – Kubrick und die Mondlandung als Found-Footage-Agentenhriller

04 Feb

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Operation Avalanche

Von Volker Schönenberger

Thriller // 1965 rekrutierte die CIA 25 Top-Studenten aus Harvard, Princeton und Yale. Diese „bright recruits“ hatten keinen militärischen Hintergrund noch eine geheimdienstliche Ausbildung, teilten aber eine Eigenschaft … Ehrgeiz. Aha. So war das also. Gut zu wissen. Unter diesen „scharfsinnigen Rekruten“ befinden sich jedenfalls auch Matt Johnson (Matt Johnson) und Owen Williams (Owen Williams), die alsbald als Dokumentarfilmer getarnt die NASA infiltrieren, um einen dort vermuteten sowjetischen Spion aufzuspüren.

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Kann man die Mondlandung auf der Erde nachspielen?

Per Zufall entdecken die Nachwuchs-Geheimagenten kurz darauf eine bittere Wahrheit, die die US-Weltraumbehörde unter Verschluss hält: Die geplante bemannte Mondlandung lässt sich nicht realisieren, zumindest nicht mit einer Rückkehr der Astronauten. Filmfan Matt Johnson verfällt daraufhin auf eine verrückte Idee: Wie wäre es, wenn man sich bei seinem Idol Stanley Kubrick ein paar Filmtricks abschaut und die Mondlandung daraufhin auf der Erde inszeniert? Die Astronauten könnten die vorab gefilmten Bilder auf die Apollo-Mission mitnehmen und zur Erde funken, der Schwindel würde somit nur einen Teil der Mission betreffen – wenn auch den entscheidenden Teil.

Alternative Fakten

Kubrick? Mondlandung? Da war doch was … Richtig: Nach einer gängigen Verschwörungstheorie hat der geniale Filmemacher die erste Landung von Menschen auf dem Mond am 20. Juli 1969 höchstselbst im Auftrag der NASA auf der Erde inszeniert und so die gesamte Menschheit hinters Licht geführt. Ich habe keine Ahnung, ob es eine nennenswerte Zahl von Menschen gibt, die diese Theorie tatsächlich glauben, in unseren postfaktischen Zeiten voller alternativer Fakten mögen es aber einige sein. Vielleicht solche, die auch der These der Chemtrails nachhängen.

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Ein kleiner Schritt für einen Menschen …

Sei es, wie es ist, bereits 2002 entstand in Frankreich eine überaus sehenswerte und launige Mockumentary mit dem Titel „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“. „Operation Avalanche“ geht einen anderen Weg, kommt nicht als Fake-Doku daher, sondern als Found-Footage-Thriller, der aber aufgrund des verwendeten Bildmaterials sehr authentisch wirkt. Grobes Korn, Unschärfe, echte Archivaufnahmen – man ist geneigt zu glauben, es tatsächlich mit einem in den 60er-Jahren gedrehten Doku-Drama zu tun zu haben. Gedreht wurde zum Teil auf NASA-Gelände, wenn auch sicher nicht in streng geheimen Bereichen, aber die Filmemacher ließen die US-Weltraumbehörde dem Vernehmen nach im Glauben, einen Studentenfilm über das Raumfahrtprogramm der 60er-Jahre drehen zu wollen.

Verschwörung im Kalten Krieg

Zwar rückt die Absurdität der gezeigten Ereignisse den Film ein wenig in die komödiantische Ecke, die Handlung verläuft aber ernsthaft und mit stetig steigender Spannungskurve bis hin zu Lebensgefahr für die Protagonisten, die sich im Zentrum verschwörerischer Machenschaften mitten im Kalten Krieg wiederfinden.

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… ein großer Sprung für die Menschheit, Verzeihung: Filmwelt

Regisseur Matt Johnson schrieb gemeinsam mit Josh Boles das Drehbuch, beide spielen auch mit. Die Verschwörungstheorie um die von Kubrick inszenierte Mondlandung wird nicht 1:1 wiedergegeben, zumal sie ohnehin kein klar umrissenes Konstrukt darstellt, die Filmemacher nutzen das Gerüst für ihre ureigene Version des Geschehens. Das artet teilweise ins Aberwitzige aus, aber die Welt ist nun mal aberwitzig. Das Drehbuch mag nicht viel mehr als eine Rahmenkonstruktion gewesen sein, dem Vernehmen nach wurde die Handlung konsequent improvisiert. Das Team – auch Ko-Hauptdarsteller Owen Williams gehört dazu – hat 2013 mit „The Dirties“ bereits Found-Footage-Erfahrung gesammelt und setzt diese Erfahrung für „Operation Avalanche“ gut ein. Wer an Verschwörungstheorien als Gedankenspiel seine Freude hat, wird sich sehr amüsieren. Wer sie zum Anlass nimmt, hinter jedem Stein und jeder Ecke das Böse zu vermuten, sollte vielleicht lieber einen Arzt aufsuchen, statt Realität und Film zu vermischen.

Veröffentlichung: 13. Januar 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Operation Avalanche
USA 2016
Regie: Matt Johnson
Drehbuch: Josh Boles, Matt Johnson
Besetzung: Matt Johnson, Owen Williams, Josh Boles, Jared App, Andrew Appelle, Krista Madison, Madeleine Sims-Fewer, Joe Thomas, Tom Bolton, Sharon Belle, Chris Gonsalves, Samantha Michelle
Zusatzmaterial: Interview mit Matt Johnson, deutscher und englischer Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Ascot Elite Home Entertainment

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