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Rächer der Enterbten – Mythos Jesse James

05 Feb

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The True Story of Jesse James

Von Volker Schönenberger

Western // Die Handlung setzt sogleich actionreich ein: Ein Banküberfall der James-Bande in Northfield, Minnesota eskaliert mit Todesopfern auf beiden Seiten. Jesse (Robert Wagner) and Frank James (Jeffrey Hunter) gelingt mit ihrem Spießgesellen Tucker (Clegg Hoyt) die Flucht, doch Detektive der Remington-Agentur sind ihnen auf den Fersen. Derweil liegt ihre Mutter Zerelda Cole James (Agnes Moorehead) auf dem Sterbebett, Jesses Ehefrau Zee (Hope Lange) leistet ihr Gesellschaft. Die beiden Frauen lassen das Leben ihrer Liebsten Revue passieren.

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Der junge Jesse James wird von einem feindseligen Nachbarn gepeinigt

In Rückblenden entfaltet sich somit der Werdegang des berüchtigten Jesse James und seines Bruders, die mit ihren Cousins Cole (Alan Hale Jr.) und Jim Younger (Biff Elliot) Banken und Eisenbahnen ausrauben. Jesses Weg der Gewalt wird dabei auf traumatische Erlebnisse gegen Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs zurückgeführt. An sich sei er ein liebevoller Geselle gewesen. Dem kann man folgen oder nicht.

Vom Regisseur von „…denn sie wissen nicht, was sie tun“

Regisseur Nicholas Ray („…denn sie wissen nicht, was sie tun“) musste vor seiner geplanten Übersiedlung nach Europa noch einen Film für 20th Century Fox abliefern. Er drehte ein Quasi-Remake von Henry Kings „Jesse James, Mann ohne Gesetz“ (1939), in dem Tyrone Power und Henry Fonda die James-Brüder verkörperten. Sogar Material aus dem alten Film kam in der Neufassung zum Einsatz: Sprünge zu Pferde über eine Klippe (bei denen ein Pferd starb) und durch ein Fenster. Es heißt, Ray habe Elvis Presley als Jesse James vorgeschwebt, doch das Studio setzte Robert Wagner („Hart aber herzlich“) durch, um dessen Starpower nach „Prinz Eisenherz“ und „Die gebrochene Lanze“ (beide 1954) zu nutzen.

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Er verliebt sich in die Farmerstochter Zee

So actionreich wie zu Beginn geht es nicht durchweg zu, auch wenn der Banküberfall später noch einmal gezeigt wird. Läuft er eingangs aus der Perspektive der Bürger von Northfield ab, sehen wir ihn später aus der Sicht der James-Bande – ein cleverer Kniff. Trotz des Titels „The True Story of Jesse James“ ging es Regisseur Ray nicht um historische Genauigkeit, sondern um den Mythos Jesse James. Rays Interpretation der Figur wird gern als archetypisch für den Regisseur bezeichnet, vergleichbar etwa mit dem von James Dean verkörperten Jim Stark in „…denn sie wissen nicht, was sie tun“. Ob Dean, wäre er nicht 1955 ums Leben gekommen, die Rolle übernommen hätte, muss Spekulation bleiben.

Dreimal Jesse James bei „Die Nacht der lebenden Texte“

Nach „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ (2007) und „Der große Minnesota Überfall“ (1972) ist „Rächer der Enterbten“ die dritte Umsetzung der Jesse-James-Saga, die wir bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigen. Alle drei haben ihre Qualitäten, und das nicht zu knapp. „Rächer der Enterbten“ punktet auch mit schönem CinemaScope-Bild, das die Farben gut zur Geltung bringt – nicht von den Szenenfotos ins Bockshorn jagen lassen, wir haben es mit einem Farbfilm zu tun. In der „Edition Western Legenden“ ist das Werk sehr gut aufgehoben. Welche Jesse-James-Western könnt Ihr empfehlen?

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Die James-Bande raubt auch Eisenbahnen aus

Die „Edition Western Legenden“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Veröffentlichung: 2. März 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Originaltitel: The True Story of Jesse James
USA 1957
Regie: Nicholas Ray
Drehbuch: Walter Newman
Besetzung: Robert Wagner, Jeffrey Hunter, Hope Lange, Agnes Moorehead, Alan Hale Jr., Alan Baxter, John Carradine, Biff Elliot, Frank Overton, Frank Gorshin, Clegg Hoyt
Zusatzmaterial: Trailer, Nachrichtenbeitrag, Bildergalerie, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 
 

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7 Antworten zu “Rächer der Enterbten – Mythos Jesse James

  1. Inese

    2017/05/16 at 12:03

    American Outlaws

     
  2. Jan

    2017/05/13 at 20:50

    Die weiße Feder. Kult Film meiner Jugend. Hat mich ein, zwei Tränen gekostet.

     
  3. Mike Hennig

    2017/05/12 at 13:58

    Leider kenn ich bislang nur „Der groβe Minnesota Überfall“, der mir aber ausgesprochen gut gefallen hat.

     
  4. Luisa Neudert

    2017/05/05 at 18:19

    „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ kenne ich leider auch als einzigen Western, obwohl ich ein Fan des Genres bin.
    Wird mal Zeit, die anderen nachzuholen 🙂
    Ich vermisse die Freitag Abende auf Kabel1, wo ein Western nach dem anderen lief.

     
  5. Dirk Busch

    2017/05/05 at 08:56

    Ich hab in meinem Leben zwar schon ne Menge Western gesehen,aber ein Jesse James Film ist bei mir nicht so wirklich hängen geblieben.Aber als Kind der 60er & 70ger Jahre bin ich mit Western groß geworden & mag dieses Genre sehr.

     
  6. Sebastian Graf

    2017/05/05 at 08:45

    Ich bin jetzt zwar nicht der große Western-Fan, aber DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD, fand ich wirklich sehr gut.

     
  7. Sarah

    2017/05/05 at 06:17

    Leider kenne ich noch gar keine Jesse-James-Western… Umso schöner wäre es, wenn ich diesen Film demnächst schauen könnte 😉

     

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