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Im Sumpf des Grauens – Ein rätselhafter Patient

11 Feb

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The Alligator People

Von Andreas Eckenfels

SF-Horror // Kurz nach seiner Hochzeit verschwindet Paul Webster (Richard Crane) spurlos. Seine verzweifelte Gattin Joyce (Beverly Garland) macht sich auf die Suche nach ihm. Ein Hinweis führt sie schließlich in eine abgelegene Spezialklinik in den Sümpfen von Louisana. Dort trifft sie auf Dr. Mark Sinclair (George Macready), der Paul einst nach einer schweren Kriegsverletzung behandelte. Weder er noch seine Mitarbeiter wollen von dem Vermissten gehört haben. Als Joyce in dem Anwesen von nächtlichen Klavierklängen geweckt wird, sitzt an den Tasten ein Mann mit entstelltem Gesicht, der sofort die Flucht ergreift. War das vielleicht Paul?

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Kurz nach der Hochzeit erhält Paul ein geheimnisvolles Telegramm

Es ist Halbzeit in der „Die Rache der Galerie des Grauens“-Reihe. Für den fünften Titel hat Anolis eine echte Deutschland-Premiere ausgegraben. Trotz Starbesetzung vor und hinter der Kamera brachte Twentieth Century Fox „Im Sumpf des Grauens“ hierzulande nie in die Kinos. Da deswegen auch kein deutscher Ton vorhanden war, ließ sich das Label nicht lumpen und gab eine Synchronisation bei Bodo Traber für die Buch- und Dialogregie in Auftrag. Wie schon bei „In den Klauen der Tiefe“ – dem achten Film aus der vorigen „Die Rückkehr der Galerie des Grauens“-Box – lieferte Traber mit den bekannten Stimmen von Sabine Jäger, Christian Rode und Bernd Vollbrecht eine wunderschöne deutsche Bearbeitung ab. Wenn Jochen Schröder als Lon Chaney Jrs. Figur Mannon die angebiederte Joyce herrlich schmierig mit dem Kosenamen „Mein Käfer“ bedrängt, fühlt man sich doch wohlig warm in diesen SF-Horror von 1959 versetzt.

Extreme Nebenwirkungen

Wobei es bei dem im Original unter dem Titel „The Alligator People“ bekannten Streifen nicht wirklich gruselig zugeht. Denn das Geheimnis von Paul Webster ist wie so häufig von durchaus tragischer Natur. Dr. Sinclair ist auch kein „Mad Scientist“, kein verrückter Wissenschaftler, der seine Forschungen für Ruhm und Ehre skrupellos an hilflosen Versuchskaninchen vorantreibt. Er will seinen Patienten wirklich zur Besserung verhelfen, nur hat er dafür ohne voriges Wissen ein Mittel gewählt, welches nach einiger Zeit extreme Nebenwirkungen aufweist. Jetzt versucht er alles, um diese rückgängig zu machen.

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Auf ihrer Suche trifft Joyce auf Trunkenbold Mannon

Dafür versprüht die schwüle Sumpflandschaft eine schweißtreibende Atmosphäre. Neben der Gefahr durch die dort lebenden Krokodile und Schlangen ist der schon erwähnte Chaney Jr. als Mannon der einzige wirklich bösartige Mensch in der Geschichte. Allerdings ist sein Gemüt auch dem Alkohol und dem Hass auf die Alligatoren geschuldet. Ein Treffen mit einem der Reptilien kostete ihm einst seine Hand. Zur Strafe scheut er auch nicht davor zurück, einfach mit seinem Auto über die bissigen Biester drüberzufahren oder besoffen auf sie zu schießen.

Große Namen vor und hinter der Kamera

Neben dem „Der Wolfsmensch“-Star sind weitere große Namen vertreten: Beverly Garland bewies schon im Roger-Corman-Klassiker „Gesandter des Grauens“ (1957), dass sie mehr kann, als nur das schreiende Opfer zu spielen. Der erfahrene Regisseur Roy Del Ruth drehte unter anderem die Erstverfilmung von „The Maltese Falcon“ (1931) und „Der Würger von Paris“ (1954). „Im Sumpf des Grauens“ war sein vorletzter Kinofilm vor seinem Tod. Auch für Kameramann Karl Struss, einer der Besten seiner Zunft, war es eines seiner letzten Werke. Er gewann den Oscar für F. W. Murnaus „Sonnenaufgang“ (1927) und arbeitete unter anderem mit Cecile B. DeMille und Charlie Chaplin zusammen.

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Wer spielt denn da mitten in der Nacht Klavier?

Aber auch für „Die Fliege“ (1958) war Struss als Kameramann verantwortlich – was passend ist, denn „Im Sumpf des Grauens“ wurde im Doppelprogramm mit „Die Rückkehr der Fliege“ (1959) gezeigt. Mit dem Schicksal von Paul, der langsam in ein Krokodil auf zwei Beinen mutiert, gibt es auch inhaltliche Parallelen zu dem Fliegenmonster. Dass Pauls endgültige Verwandlung trotz des Ganzkörper-Gummianzugs am Ende nicht ins Lächerliche abdriftet, ist ebenfalls ein Verdienst des hervorragenden Skripts, welches der ganzen Geschichte eine gewisse Ernsthaftigkeit verleiht. Zu den beteiligten Drehbuchautoren gehörte auch Robert M. Fresco, der mit „Tarantula“ (1955) und „Das Geheimnis des steinernen Monsters“ (1958) an weiteren Genre-Klassikern beteiligt war.

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Dr. Sinclair (r.) will dem entstellten Paul helfen

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauen schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. Krieg im Weltenraum (Uchû daisensô, 1959)
09. ???
10. ???

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lon Chaney Jr. sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Die riskanten Experimente haben Nebenwirkungen

Veröffentlichung: 16. Dezember 2016 als 2-Disc-Edition (Blu-ray und DVD)

Länge: 75 Min. (Blu-ray), 72 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Alligator People
USA 1959
Regie: Roy Del Ruth
Drehbuch: Orville H. Hampton, Charles O’Neal, Robert M. Fresco
Besetzung: Beverly Garland, Bruce Bennett, Lon Chaney Jr., Richard Crane, George Macready, Frieda Inescort, Douglas Kennedy
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Bodo Traber, Ingo Strecker und Alexander Iffländer, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Ivo Scheloske, Amerikanischer Kinotrailer, Bildergalerie, 16-seitiges Booklet geschrieben von Ingo Strecker, Wendecover
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2016 Anolis Entertainment GmbH

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