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Ein stahlharter Mann – Charles Bronson boxt sich durch Walter Hills Regiedebüt

15 Feb

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Von Volker Schönenberger

Action // Nach „Die glorreichen Sieben“ (1960) und „Gesprengte Ketten“ (1963) markiert „Ein stahlharter Mann“ die dritte und letzte Kino-Zusammenarbeit von Charles Bronson und James Coburn. 1958 hatten die beiden für eine Folge der Westernserie „Wells Fargo“ gemeinsam vor der Kamera gestanden. Wenn sich zu Beginn die beiden Charakterköpfe Charles Bronson und James Coburn in einem Diner gegenübersitzen und einander beschnuppern, kann man sich schon auf einen launigen Buddy-Actioner freuen, wobei Bronson den eher schweigsamen und Coburn den redseligen Part übernimmt.

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Chaney trifft in New Orleans ein

Bronson spielt Chaney, der bei einem illegalen Faustkampf in den von der Großen Depression der 1930er-Jahre geplagten USA auf den Zocker Speed (Coburn) trifft. Der schlagkräftige Chaney lässt sich in New Orleans von Speed anheuern. Gemeinsam machen die beiden eine Stange Geld, auch wenn sich Speed ein paar Kredithaie vom Hals halten muss. Dann kauft der windige Boxpromoter beim Platzhirsch Gandil (Michael McGuire) für Chaney einen Kampf gegen Gandils unbesiegten Stahlschädel Jim Henry (Robert Tessier) ein.

Ruhm spielt keine Rolle, es geht um Geld

„Ich tu das doch nicht wegen irgendwas. Es geht nur um Moos.“ So lakonisch begründet Chaney sein Tun gegenüber Lucy (Bronsons Ehefrau Jill Ireland), die er in einem Café kennengelernt hat. So lakonisch steigert sich auch die Handlung des Regiedebüts von Action-Spezialist Walter Hill („The Warriors“, „Red Heat“). Was Hill an Erfahrung gefehlt hat, glich sein Kameramann Philip H. Lathrop („Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“, „Erdbeben“) bei dem on location gedrehten Boxdrama locker wieder aus. Das ist gerade in den meist in Lagerhäusern ausgetragenen Kämpfen zu bemerken, die Bronsons Chaney bestreitet, in denen Lathrop versiert zwischen Nahaufnahmen und Totalen wechselt, sodass die Zuschauer stets die Übersicht behalten – oft ein Manko in Vollkontakt-Actionfilmen.

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Dort versucht Speed, als Promoter bei illegalen Boxkämpfen über die Runden zu kommen

„Hard Times“, so der Originaltitel, darf als Vorläufer, gar Vorbild für Filme wie „Leon“ (1990) gesehen werden. Wer dem Jean-Claude-Van-Damme-Vehikel etwas abgewinnen kann, der sollte ruhig mal einen Blick riskieren, wie sich der Recke Charles Bronson schlägt, der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten die 50 immerhin schon überschritten hatte. Hier wie dort ist natürlich ausreichend Schweiß und Testosteron im Spiel, wir haben es eben mit einem Männerfilm zu tun – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Trotz des Settings zur Zeit der Weltwirtschaftskrise will „Ein stahlharter Mann“ gar nicht mehr sein als ein Actionfilm um ein paar illegale Boxkämpfe. Für Sozialkritik ist kein Raum.

Mit dem Güterzug angereist

Auch die Kämpfer werden nicht ausführlicher porträtiert als notwendig. Dem oben erwähnten Jim Henry wurde häufiges Grinsen als Charakterzug auferlegt, das war es aber auch fast schon. Charles Bronson trägt seine Rolle mit der ihm eigenen stoischen Präsenz. Chaney hat eine Vergangenheit und vielleicht nicht unbedingt eine glorreiche Zukunft. Dass er wie ein Hobo im Güterzug durchs Land zieht, reicht in Verbindung mit Bronsons zurückhaltendem Spiel als Information schon aus. Auch der später ins Spiel kommende Nick Dimitri als aus dem Norden angereister Champion ist mit wenigen Federstrichen gezeichnet. Gut so. Ob Van Damme „Ein stahlharter Mann“ mal geschaut hat? Jetzt kann er es auf Blu-ray in anständiger Qualität tun.

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Der Kämpfer will etwas Geld machen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Walter Hill sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Charles Bronson in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 9. Februar 2017 als Blu-ray, 3. Juli 2000 als DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Hard Times
USA 1975
Regie: Walter Hill
Drehbuch: Walter Hill, Bryan Gindoff, Bruce Henstell
Besetzung: Charles Bronson, James Coburn, Jill Ireland, Strother Martin, Margaret Blye, Michael McGuire, Bruce Glover, Robert Tessier, Nick Dimitri, Frank McRae, Naomi Stevens
Zusatzmaterial Blu-ray: US-Kinotrailer, Bildergalerie, deutsche Fernsehsynchro, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: US-Kinotrailer, Filmografien von Schauspielern und Regisseur
Vertrieb: Koch Films (Blu-ray), Sony Pictures Home Entertainment (DVD)

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot Blu-ray: © 2017 Koch Films, Packshot DVD: © 2000 Sony Pictures Home Entertainment

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