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Dog Eat Dog – Cage steht auf Bogart

19 Feb

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Dog Eat Dog

Von Simon Kyprianou

Krimidrama // Sein vorletzter Film „Dying Of The Light – Jede Minute zählt“, ebenfalls mit Nicolas Cage in der Hauptrolle und ehemals ein Projekt, das Nicolas Winding Refn mit Harrison Ford umsetzten wollte, muss eine schmerzvolle Erfahrung für Paul Schrader gewesen sein. Wie er auf seiner Facebook-Seite mitteilte, wurde ihm in der Postproduktion die Kontrolle über den Film entzogen, das Studio hat den Film nach eigenen Vorstellungen umgeschnitten und eigens ausgewählte Musik verwendet. Schrader konstatiert, dass der Film, so wie er erschienen ist, kaum mehr etwas mit seiner Vision zu tun hat. Er wurde von der Filmkritik auch sehr negativ aufgenommen. Für sein nächstes Projekt „Dog Eat Dog“ könne so etwas nicht noch einmal passieren, kündigte er dann ebenfalls auf Facebook enthusiastisch an – diesmal habe er das Recht auf den Final Cut. Und man merkt dem Film an, dass sich Schrader von dem vorhergegangenen Desaster befreien wollte: Der Regisseur läuft inszenatorisch in „Dog Eat Dog“ von der ersten Sekunde an Amok. Der Film beginnt mit flirrenden, reizüberflutenden, in knalliges Pink getauchten Bildern von einem bestialischen Drogen- und Mordrausch und führt von dort an immer tiefer in (amerikanische) Abgründe.

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Ein Coup wird geplant

Die drei Hauptfiguren, der Humphrey-Bogart-Fan Troy (Nicolas Cage), Mad Dog (Willem Dafoe), der seinem Namen alle Ehre macht, und Diesel (Christopher Matthew Cook), einer blöder als der andere, sind alle frisch aus dem Gefängnis entlassen und schmieden im Strip-Club Pläne für eine erfolgreiche Zukunft. Gangster Greco (Regisseur Schrader im ersten Cameo seiner Laufbahn) besorgt ihnen einen ersten Auftrag, den die drei mit Mühe und Not und mehr Glück als Verstand gerade so erfolgreich erledigen können. Aber ihnen steht der Sinn nach mehr, also betraut Greco sie mit einer lukrativen Kindesentführung. Bei der geht natürlich alles schief.

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Troy ist der Kopf der Bande

Schrader dreht das alles wie irre – Farbe und Schwarz-Weiß, ganze Abschnitte sind grell eingefärbt, das alles wechselt sich immer wieder scheinbar willkürlich ab, und der Regisseur stürzt seine Figuren in einen blutigen Gewaltrausch, der scheinbar unkontrolliert in alle Richtungen schießt: Themen wie Polizeibrutalität gegen afroamerikanische Bürger, das Waffenrecht in den USA werden angeschnitten. Aber Schraders Film will zu sehr unkontrollierter Rausch sein und ist zu schnell, als dass sich Denkräume auftun. Es gibt aber auch einige wirklich schöne Szenen, etwa wenn die drei Hauptfiguren nach dem ersten gelungenen Auftrag ein Wochenende in einem Hotel relaxen wollen und sie alle an sich selbst scheitern, wenn es doch bloß darum geht, eine entspannte Zeit zu verbringen.

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Diesel ist fürs Grobe zuständig

Das Ende doppelt Schrader dann auf seltsame Weise: Natürlich gehen alle Figuren unter, wie könnte es auch anders sein, sehen die Figuren ihren eigenen Untergang ja früher im Film schon selbst kommen. Aber den von Nicolas Cage verkörperten Troy lässt Schrader eine Wiederauferstehung erleben: In den letzten surrealen Szenen des Films, die ganz in schwarze Nacht und blauen Nebel gehüllt sind, taucht er noch einmal auf: als auferstandener Humphrey-Bogart-Imitator, nur um erneut seinem Tod entgegenzugeistern. Und in diesem Nebel endet auch der Film, passenderweise, denn klar und deutlich ist gar nichts in Schraders Film. Ein Krimidrama, das weniger wie das Alterswerk eines New-Hollywood-Veteranen wirkt, sondern mehr wie der Erstling eines jungen Filmstudenten, der seinen Professoren mal ordentlich auf den Sack gehen will.

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Mad Dog ist einfach völlig verrückt

Es ist zwar kein wirklich guter Film, aber dafür eine interessante, unterhaltsame und sicher erlebenswerte ästhetische Entgleisung. Und sowieso ist ja jeder Film mit Nicolas Cage, der auch in „Dog Eat Dog“ wunderbar spielt, unbedingt sehenswert. Obacht: KSM veröffentlicht den Krimi ungeschnitten mit FSK-18-Freigabe auf Blu-ray und DVD, zusätzlich erscheint eine um anderthalb Minuten gekürzte FSK-16-Fassung.

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Und natürlich geht bei den dreien alles in die Hose

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nicolas Cage und/oder Willem Dafoe sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 20. Februar 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD FSK 18), 88 Min. (DVD FSK 16
Altersfreigabe: FSK 18 (DVD auch FSK 16)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Dog Eat Dog
USA 2016
Regie: Paul Schrader
Drehbuch: Matthew Wilder, nach einem Roman von Edward Bunker
Besetzung: Nicolas Cage, Willem Dafoe, Paul Schrader, Christopher Matthew Cook, Magi Avila, Kayla Perkins
Zusatzmaterial: Trailer, Bildergalerie
Vertrieb: KSM GmbH

Copyright 2017 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2017 KSM GmbH

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