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Lion – Der lange Weg nach Hause: Der verlorene Sohn

22 Feb

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Lion

Kinostart: 23. Februar 2017

Von Volker Schönenberger

Familiendrama // Der fünfjährige Saroo schlief eines Nachts im indischen Khandwa in einem Zug ein, als er auf seinen Bruder wartete. Als er erwachte, fand er sich in voller Fahrt wieder, ohne Möglichkeit, den Zug zu verlassen – bis im 1.600 Kilometer von seiner Heimatstadt und seiner Familie entfernten Kalkutta die Türen geöffnet wurden. Weil er weder seinen Familiennamen noch den Namen seines Wohnorts kannte, blieb er als Gestrandeter in der westbengalischen Metropole, lebte dort wochenlang auf der Straße, bis er in ein Waisenhaus kam. Versuche der Behörden, ihn zu identifizieren wieder mit seiner Familie zu vereinen, blieben erfolglos. Nach einiger Zeit wurde Saroo von den Eheleuten Sue and John Brierley adoptiert, die ihn in ihre Heimat Hobart mitnahmen, der Hauptstadt des australischen Bundesstaats Tasmanien.

25 Jahre später fand Saroo seine Familie wieder.

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Der kleine Saroo fährt ins Ungewisse

Puh – allein der Gedanke daran lässt erschaudern. Die bewegendsten Geschichten schreibt doch immer noch das Leben, und es verwundert nicht, dass Saroo Brierleys 2014 veröffentlichte Autobiografie zügig als Film umgesetzt worden ist. Dem indischen Knirps Sunny Pawar gelingt es in seinem Filmdebüt spielend, dass wir mit dem jungen Saroo mitleiden, wohl wissend, dass er erst als Erwachsener Erlösung finden wird.

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Die Eheleute Brierley adoptieren den verlorenen Jungen

Die Adoption durch die von Nicole Kidman und David Wenham verkörperten Eheleute Brierley erfolgt im Film nach einer Dreiviertelstunde. Bald darauf adoptieren sie einen weiteren, etwas älteren indischen Jungen – Mantosh, anfangs gespielt von Keshav Jadhav, als Erwachsener von Divian Ladwa. Zügig erfolgt dann ein Zeitsprung, Saroo (Dev Patel, „Slumdog Millionär“) ist nun ein junger Mann, der in Melbourne studiert und mit seiner Kommilitonin Lucy (Rooney Mara) eine Beziehung beginnt. Bei einer Verabredung mit Freunden bringt der Anblick der Süßspeise Jalebi eine ferne Erinnerung zurück. Er erhält den Tipp, Google Earth zu nutzen, um seine Heimatstadt zu finden.

Nominiert für sechs Oscars

Sechs Oscar-Nominierungen sind der Lohn für ein von Anfang bis Ende bewegendes Drama: als bester Film, für Nebendarstellerin Nicole Kidman und Nebendarsteller Dev Patel, für das beste adaptierte Drehbuch, die Kamera und den Score. Kidmans Rolle nimmt allerdings wenig Raum ein, ein Monolog mit Tränen in den Augen ist die nachhaltigste Szene, das reicht der Academy offenbar schon für eine Nominierung. Da „Lion – Der lange Weg nach Hause“ bei den Golden Globes trotz vier Nominierungen leer ausging, geht der Film nicht als Favorit in die Oscar-Verleihungen.

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Student Saroo beginnt eine Beziehung mit Lucy …

Am Ende drückt der Werbefilmer Garth Davis in seinem Spielfilm-Regiedebüt etwas sehr auf die Tränendüse, aber mal ehrlich: Bei solchen Filmen will man doch auch zum Taschentuch greifen. Wie wäre Saroos Leben verlaufen, wäre er nicht durch eine kleine Unachtsamkeit von seiner Familie getrennt worden? Die Adoption verschaffte ihm eine geborgene Kindheit und eine Zukunft. Aber kann das den Verlust aufwiegen, den er erlitten hat? Saroos Drang, seine Familie zu finden, gibt die Antwort vor.

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… und nimmt die Suche nach seinen Wurzeln auf

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nicole Kidman sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Länge: 118 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Lion
AUS/USA/GB 2016
Regie: Garth Davis
Drehbuch: Luke Davies, nach Saroo Brierleys Autobiografie „A Long Way Home“
Besetzung: Sunny Pawar, Dev Patel, Nicole Kidman, Rooney Mara, Abhishek Bharate, Priyanka Bose, Tannishtha Chatterjee, Nawazuddin Siddiqui, David Wenham
Verleih: Universum Film / Tobis

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Universum Film / Tobis

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Ein Kommentar

Verfasst von - 2017/02/22 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “Lion – Der lange Weg nach Hause: Der verlorene Sohn

  1. valentino

    2017/02/24 at 13:16

    Auf der Suche nach der verlorenen Heimat …

     

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