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The Mission – Religion und Kolonialismus in gewaltigen Bildern

26 Feb

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The Mission

Von Volker Schönenberger

Historiendrama // Die historischen Ereignisse in dieser Geschichte sind wahr. Sie sind im Grenzgebiet von Argentinien, Paraguay und Brasilien 1750 passiert. So erfahren wir es von einer zu Beginn eingeblendeten Texttafel. Gemeint ist: Mit dem Vertrag von Madrid zogen im Jahr 1750 Spanien und Portugal die Grenzen zwischen ihren Kolonien in Südamerika neu. Auf spanischer Seite war die Versklavung der Eingeborenen verboten, in den portugiesisch kontrollierten Gebieten legal. Das führte zu Konflikten und in der Folge von 1754 bis 1756 zum Guaraní-Krieg.

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Das Ende eines Jesuiten

Männer vom Volk der Guaraní lassen ein Kreuz mit einem darauf angebundenen Weißen mit Dornenkrone ins Wasser eines Stroms gleiten. Er stürzt die Iguazú-Wasserfälle hinab und zu Tode. Der Mann war Jesuitenpriester. Sein Tod hindert seinen Priesterkollegen Pater Gabriel (Jeremy Irons) nicht daran, ebenfalls ins Gebiet der Guaraní vorzudringen. Als er während einer Rast auf seiner Oboe spielt, findet er sich unvermittelt von Kriegern des Stammes umgeben. Die, womöglich verzaubert von der Musik, lassen den Jesuiten am Leben.

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Pater Gabriels Oboenspiel wirkt

Behutsam beginnt Gabriel, eine Mission aufzubauen und den Indianern den christlichen Glauben nahezubringen. Dabei trifft er bald auf den portugiesischen Söldner und Sklavenhändler Rodrigo Mendoza (Robert De Niro), einen Bandeirante, der Indianer jagt und versklavt. Eines Tages gerät Mendoza wegen einer Frau mit seinem Halbbruder Felipe (Aidan Quinn) aneinander. Er tötet ihn im Kampf und fällt daraufhin in tiefe Verzweiflung.

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Söldner Mendoza wandelt sich …

In einer allerdings wenig bedeutsamen Nebenrolle als Pater Fielding an Gabriels Seite: Liam Neeson, der jüngst in Martin Scorseses „Silence“ erneut einen jesuitischen Missionar spielte – wenn auch einen in Japan. Als Atheist aus tiefer Überzeugung kann ich das Missionieren Anderer nur kritisch sehen, gleichwohl faszinieren mich religiöse Themen immer wieder, erst recht natürlich, wenn sie so bildgewaltig daherkommen wie in „The Mission“. Immerhin thematisiert der Film auch und ganz besonders die Bedrohung der Guaraní von außen. Ihre Kultur und ihr Überleben waren und sind bedroht. Die von den Jesuiten errichteten sogenannten Jesuitenreduktionen bildeten anscheinend wenigstens eine Weile einen gewissen Schutz. Mangels tieferen historischen Wissens kann ich dazu aber nicht mehr schreiben, es muss bei diesen kurzen und oberflächlichen Ausführungen bleiben. Das Booklet der „Arthaus Premium Edition“ Doppel-DVD enthält weitere interessante historische Hintergründe – ohnehin eine schöne, würdige Edition. Die Blu-ray der Reihe „Blu Cinemathek mag ebenfalls anständig aufgemacht sein, liegt mir aber nicht vor.

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… vom Saulus …

Vor Ort gedreht, beeindruckt „The Mission“ mit prächtigen Impressionen des südamerikanischen Dschungels, nicht nur wegen der berühmten Iguazú-Wasserfälle. Hinzu kommt der kongeniale Score von Ennio Morricone. Wem es gelingt, diesen Meister des Filmsoundtracks zu gewinnen, der hat ohnehin schon die halbe Miete eingefahren. Für seine Kameraarbeit erhielt Chris Menges dann auch den Oscar – seinen zweiten nach „Killing Fields – Schreiendes Land“, dem Kino-Regiedebüt von Roland Joffé, der zuvor zehn Jahre lang fürs Fernsehen gearbeitet hatte. Beide Filme brachten auch ihm Oscar-Nominierungen ein.

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… zum Paulus

„The Mission“ war auch als bester Film, für die beste Regie und Ausstattung, das Kostümdesign, den Schnitt und die Musik Oscar-nominiert, unterlag dort aber unter anderem „Platoon“ und „Zimmer mit Aussicht“. Immerhin hagelte es weitere Preise, darunter zwei Golden Globes und die Goldene Palme in Cannes sowie dort auch den „Technical Grand Prize“ für Regisseur Roland Joffé.

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Sogar weinen kann er

Etwas Toleranz für religiösen Eifer muss man schon mitbringen, um „The Mission“ zu goutieren (wenn auch nicht ganz so viel wie für den erwähnten „Silence“ von Scorsese). Kritisch anzumerken ist auch, dass kein einziger Eingeborener eine tragende Rolle spielt. Sind sie dann doch nur folkloristische Staffage beim Porträtieren europäischer Eindringlinge? Auffällig ist, wie zügig der Film seine Exposition abarbeitet, während es im Mittelteil durchaus etwas behäbig zugeht, um sich zum Ende in recht drastischen Kampf- und Metzelszenen zu ergehen.

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Auch Pater Fielding will bekehren

Abschließend ein Tipp für all jene, die sich näher mit Religion im Film beschäftigen wollen – ob aus kritischer Perspektive oder nicht: 2007 erstellte die „Church Times“ eine Liste der 50 besten Filme mit religiöser Thematik und hievte „The Mission“ auf den ersten Platz. Derlei Ranglisten bieten stets guten Diskussionsstoff und Anregungen für Unentdecktes. Ob „The Mission“ die Spitzenposition verdient hat, möge jeder Interessierte für sich selbst entscheiden. Als bildgewaltiges Epos mit tollem Soundtrack beeindruckt das Historiendrama auch heute.

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Der Missionar und seine Schäfchen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jeremy Irons, Liam Neeson und/oder Robert De Niro sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. Februar 2013 als Blu-ray, 17. November 2011 als Blu-ray (Blu Cinemathek), 16. Februar 2007 als Arthaus Premium Edition (2 DVDs), 2. Dezember 2010 & 9. Februar 1999 als DVD

Länge: 125 Min. (Blu-ray), 120 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Mission
GB/F 1986
Regie: Roland Joffé
Drehbuch: Robert Bolt
Besetzung: Robert De Niro, Jeremy Irons, Liam Neeson, Ray McAnally, Aidan Quinn, Cherie Lunghi, Ronald Pickup, Chuck Low
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Roland Joffé (mit deutschen Untertiteln), Die Hindergrundgeschichte zum Drehbuch, Analyse der Filmmusik von Ennio Morricone, Making-of (57 Min.), Fotogalerie, Starinfos, Trailer, Booklet, Trailer
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshots: © Studiocanal Home Entertainment

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