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Rache der Zombies – Rein ins Grab, raus aus dem Grab, und das mit viel Gefummel

12 Mrz

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La revanche des mortes vivantes

Von Volker Schönenberger

Horror // Promoted as France’s first gore film … So schreibt die Internet Movie Database, auch Wicked-Vision Media bestätigt das – das junge Label promotet den Film als ersten französischen Splatterfilm. „La revanche des mortes vivantes“, so der Originaltitel, entstand 1987 – waren die Franzosen in dem Bereich wirklich so spät dran? Mir fällt in der Tat kein früherer Splatterfilm aus dem Land ein.

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Im Büro wird’s warm

Lars Dreyer-Winkelmann, der für die Mediabook-Edition von Wicked-Vision Media auch einen Audiokommentar eingesprochen hat, schreibt in seinem Grußwort im Booklet von einer Softsex-Handlung, die Plotholes von der sprichwörtlichen Tiefe des Marianengrabens aufweist. Er mutiere zu einem veritablen Schlonz-Kracher für den gemütlichen Herrenabend. Auch das Wort Gurkenfilm fällt. Diese Ehrlichkeit ehrt das Label, aber natürlich verbietet es sich von selbst, solchen Streifen mehr Qualität zuzuschreiben, als sie es verdient haben. Unterhaltsam genug ist „Rache der Zombies“ allemal geraten, auch wenn sich feingeistige Cineasten und Logik-Besessene zu Recht mit Grausen abwenden werden. Aber für ein solches Publikum hat Regisseur Pierre B. Reinhard ohnehin nicht viel zu bieten, wie seine von 1977 bis 2003 entstandene Filmografie belegt: Titel wie „Zauberflöte der Erotik“, „Extases anales“, „Le Diable rose – Das liebestolle Freudenhaus“ und „Das Lustschloss der jungen Marquise“ deuten an, in welchem Metier er sich am liebsten getummelt hat.

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Ein Trio zum Verlieben

Die Handlung springt einigermaßen willenlos hin und her, sodass ein roter Faden schwer auszumachen ist. Drei junge Frauen bezahlen den Genuss vergifteter Milch mit dem Leben. Als ein Mann des Nachts das Erdreich neben dem Friedhof mit einer Chemikalie tränkt, sickert die Flüssigkeit bis in die Gräber der drei Damen, die prompt von den Toten auferstehen – mit zu grauen Fratzen mutierten Gesichtern.

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Den Blowjob wünscht sich keiner

Die Qualität der jüngeren französischen Zombiefilme „La Horde“ und „Mutants – Du wirst sie töten müssen“ (beide 2009) erreicht „Rache der Zombies“ zu keinem Zeitpunkt, aber es ist nun mal ein 80er-Schundfilm, der etwas verspätet auf der Zombiewelle jenes Jahrzehnts mitschwimmen wollte. Die drei untoten Grazien in ihren weißen Leibchen gehen für Zombies auf ungewöhnliche Weise vor. Sie wirken keineswegs ziellos, ihr Ziel allerdings erschließt sich nicht, zumal sie auch wieder in ihre Gräber zurückkehren. Eine Frau wird in ihrem Haus von dem verwesenden Trio attackiert und von einer von ihnen mit einem High-Heel ins Auge getötet, dann aber nur weggetragen. Ein Autofahrer wird gestoppt, per bissigen Blowjobs seines Gemächts entledigt und ausgeweidet. Dem Rückseitentext des Mediabooks zufolge haben die Zombies nur eines im Sinn: Menschenfleisch. Das trifft es aber nicht recht. Ein Mann beispielsweise wird von ihnen lediglich im Pool ertränkt, woraufhin sie von ihm ablassen und ihn treiben lassen, statt an ihm zu knabbern.

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Auch Untote genießen einen Sprung in den Pool

Man verspreche sich nicht zu viel, die Splattereffekte bewegen sich budget- und talentbedingt auf unterem Niveau. Auch der Schnitt lässt zu wünschen übrig, kostet manche Splatterszene ihre Wirkung und bringt einige Kopfkratz-Momente. Selbst als Voyeure gebärden sich die drei Zombie-Mädels, sehen einem Pärchen durchs Fenster beim Sex zu. Das ist natürlich etwas für die Voyeure unter den Zuschauern: Nacktheit und Sex nehmen nennenswert Raum ein, bewegen sich aber auf harmlosem Softcore-Niveau. Es gibt keine interessanten Figuren, deren Handeln die Geschichte dramaturgisch vorantreiben würde, deshalb verzichte ich auf die Nennung von Protagonisten. Ein paar Elemente der Story erschließen sich erst im letzten Drittel des Films, zur Vermeidung von Spoilern sei aber auf ihre Nennung verzichtet. Die Erotikfassung glänzt zudem mit einem finalen Twist inklusive vorgetragener Erklärung für die Begriffsstutzigen unter den Zuschauern. Der Aha-Effekt lässt schmunzeln, fast bin ich versucht, euch daran teilhaben zu lassen, aber nichts da: Schaut es euch an! Der Twist fehlt in der Horrorfassung. Bei welcher Version die Logik mehr zu leiden gehabt hat, ist aber schwer zu sagen.

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Ein Objekt der Begierde

Was „Rache der Zombies“ an Niveau fehlt, gleicht Wicked-Vision Media mit ganz viel Sorgfalt bei der Produktion des Mediabooks aus. Bild und Ton sind über jeden Zweifel erhaben, zudem sind gleich zwei Schnittfassungen enthalten: die Erotik-Langfassung und eine um etwas Softsex erleichterte Horrorfassung. Für die Sichtung beider Fassungen reichte meine Ausdauer nicht, daher verweise ich auf den Schnittbericht. Unter dem Zusatzmaterial findet sich obendrein ein Featurette über die Entstehung des Films sowie der vollständige Soundtrack, auch das schön bebilderte Booklet mit interessanten Texten bietet prima Mehrwert.

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Fleischlichen Gelüsten soll man nachgeben

Am selben Tag wie das Mediabook von Wicked-Vison Media ist bei donau film eine gekürzte FSK-18-Fassung unter dem Titel „Nude Zombie Chicks“ erschienen. Das muss nun aber wirklich nicht sein. Wenn man sich schon miese Machwerke anschaut, sollten sie wenigstens nicht entschärft sein. Das Mediabook ist in drei Covervarianten in unterschiedlichen Miniauflagen erschienen, eines davon auch mit einem früheren Titel „Rückkehr der lebenden Toten“ versehen. Ob es Allessammler gibt, die sich von jeder Variante eine ins Regal stellen? Zuzutrauen ist es der Gemeinde der Mediabook-Fetischisten. „Rache der Zombies“ ist ein obskurer Beitrag zur Untotenwelle und nun in bestmöglicher Fassung als Mediabook in sorgsamer Aufmachung erhältlich. Gut so – grober Unfug kann ja auch Spaß machen.

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Was will die Zombie-Dame nur mit dem Schwert?

Veröffentlichung: 27. Januar 2017 als 3-Disc Limited Collector’s Edition (Blu-ray & DVD, drei Covervarianten à 222, 444 und 555 Exemplare) und DVD, zuvor auch in verschiedenen Schnittfassungen als DVD

Länge: 83 Min. (Blu-ray Erotik-Langfassung), 78 Min. (Blu-ray Horrorfassung), 79 Min. (DVD Erotik-Langfassung), 74 Min. (DVD Horrorfassung), 78 Min. (FSK-18-Fassung)
Altersfreigabe Mediabook: FSK ungeprüft
Altersfreigabe DVD: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: La revanche des mortes vivantes
Internationaler Titel: The Revenge of the Living Dead Girls
Alternativtitel: Rückkehr der lebenden Toten / Nude Zombie Chicks
F 1987
Regie: Pierre B. Reinhard (als Peter B. Harsone)
Drehbuch: Jean-Claude Roy (als John King)
Besetzung: Cornélia Wilms, Kathryn Charly, Anthea Wyler, Véronique Catanzaro, Sylvie Novak, Laurence Mercier, Patrick Guillemin, Gábor Rassov, Christine Schmidt, Georges Lucas, Sylvain Salnave
Zusatzmaterial: 24-seitiges Booklet mit Texten von Christian Keßler, Lars Dreyer-Winkelmann und Matthias Paul, Audiokommentar von Lars Dreyer-Winkelmann, alternative Horror-Version in HD, Featurette: „Rückkehr zur Rache der Zombies“ (18 Min., französisch mit wahlweise deutschen und englischen Untertiteln), deutscher Promotrailer, deutscher Videotrailer, deutscher Kinotrailer, französischer Kinotrailer, alternatives Ende, geschnittene Szene, Bildergalerie, Original Motion Picture Soundtrack (42 Min.)
Vertrieb Mediabook: Wicked-Vision-Media
Vertrieb DVD: Al!ve AG

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshots Mediabook: © 2017 Wicked-Vision Media
Packshot DVD: © 2017 Al!ve AG / donau film

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