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Die rote Schildkröte – Der stumme Verschollene und das Kriechtier

15 Mrz

La tortue rouge

Kinostart: 16. März 2017

Von Matthias Holm

Computertrick-Märchen // Skeptisch darf man als Fan ja noch sein. „Die rote Schildkröte“ ist die erste Produktion, in der das traditionsreiche Studio Ghibli nicht die volle kreative Freiheit hat, da es sich um eine Kooperation mit europäischen Produktionsfirmen handelt. Ein merkwürdiger Zug, allerdings wollte sich Ghibli ja weniger auf eigene Filme konzentrieren. Und die Zusammenarbeit scheint gefruchtet zu haben, denn „Die rote Schildkröte“ ist ein erfrischender, anstrengender, aber zu jeder Zeit wunderschöner Film geworden.

Allein unter Tieren

Ein Mann erleidet Schiffbruch, kann sich aber auf eine Insel retten. Dort gibt es keine Zivilisation, lediglich eine üppige Flora und einige Tiere. Seine Fluchtversuche werden allerdings gestört, die Flöße, die er baut, gehen immer wieder kaputt. Schuld daran scheint eine geheimnisvolle rote Schildkröte zu sein.

Dies ist dein neues Zuhause

Freunde einer stringenten Narration sollten um „Die rote Schildkröte“ einen Bogen machen. Rein von der Geschichte her ist die erste halbe Stunde, in der der Mann von der Insel zu fliehen versucht, noch am interessantesten. Mit dem Auftritt des titelgebenden Tiers zieht eine gewisse Spiritualität in den Film ein, auf die man sich einlassen muss. Auch wenn in den Träumen des Gestrandeten immer wieder merkwürdige Ereignisse stattfinden, sind diese Sequenzen stets als Traum zu erkennen. Was allerdings mit der Schildkröte passiert, wirkt sehr real – und dadurch umso verwirrender und symbolträchtiger.

Ein Erlebnis

Lasst euch auf den Film ein! „Die rote Schildkröte“ ist einer der interessantesten Animationsfilme der letzten Zeit. Das beginnt damit, dass nicht gesprochen wird. Es gibt immer wieder musikalische Untermalungen und den einen oder anderen Ausruf – Dialoge kommen aber schlicht nicht vor. Das ist äußerst gewöhnungsbedürftig und unterstreicht die Ambition als Erlebnisfilm. Dennoch fällt es einem leicht, sich in der Inselwelt zu verlieren, denn sie sieht einfach fantastisch aus. Fernab von jeglichen Anime-Klischees lässt sich die Optik keinem bestimmten Stil zuweisen. Die Figuren erinnern mit ihren ausgemalten Augen und den klaren Linien an „Tim und Struppi“, die Landschaft schwankt zwischen malerisch und realistisch. Man schaut immer wieder staunend auf die wiederkehrenden Schauplätze, wirken sie doch jedes Mal neuartig.

Der Mann will fliehen

„Die rote Schildkröte“ ist kein Unterhaltungsfilm. Dazu passt auch, dass er nur in einigen ausgewählten Städten gezeigt wird. Aber die Nominierung bei den Oscars als bester Animationsfilm hat er sich reichlich verdient, auch wenn er sich letztlich „Zoomania“ geschlagen geben musste. Denn obwohl die Zuschauer diverse Hürden meistern müssen und sich die gesamte Symbolik nicht restlos erschließt, ist „Die rote Schildkröte“ eine wunderschöne Erfahrung. Wenn Studio Ghibli weiter bei solchen Projekten hilft, schauen wir ihnen auch gern weiter zu.

Ziemlich groß, selbst für eine Schildkröte

Länge: 80 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: La tortue rouge
Internationaler Titel: The Red Turtle
F/BEL/JAP 2016
Regie: Michael Dudok de Wit
Drehbuch: Michael Dudok de Wit, Pascale Ferran
Verleih: Universum Film

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Universum Film

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