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Archiv für den Monat April 2017

Auf Augenhöhe – Der Kleine trifft den Kleinen

Auf Augenhöhe

Von Volker Schönenberger

Familienkomödie // Seit dem Tod seiner Mutter lebt der zehnjährige Michi (Luis Vorbach) in einem Kinderheim. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, obwohl das sein sehnlichster Wunsch ist. Eines Tages entdeckt er in der Hülle einer Musik-Single einen Brief seiner Mutter, den sie offenbar nie abgeschickt hat. Sie schreibt einem gewissen Tom, sie sei schwanger, könne aber nie mit ihm zusammen sein. Da der Brief sogar schon adressiert ist, nimmt Michi sein Herz in die Hand und bricht auf, Tom zu treffen – der wohnt knapp 100 Kilometer entfernt. Umso größer die Enttäuschung, als ihm das tatsächlich gelingt: Tom (Jordan Prentice) ist kleiner als er selbst!

Tom wird von Michis Waisenhaus-Kameraden gedemütigt

Wie die Jungfrau zum Kinde gekommen, fühlt sich auch Tom mit seiner überraschenden Vaterschaft zunächst überfordert, zumal Michi dem Kleinwüchsigen anfangs schroffe Ablehnung entgegenbringt – erst recht, als Tom bei einem Besuch im Kinderheim von ein paar pubertierenden Bengeln veräppelt wird. Erst nach und nach nähern sich Michi und Tom einander an.

Bei seinen Ruder-Kumpels ist Tom anerkannt – eigentlich

Ja, es ist ein Wohlfühlfilm. Zudem eine deutsche Familienkomödie – igitt! Aber keine Sorge: Regisseurin Evi Goldbrunner und Regisseur Joachim Dollhopf – beide zeichnen auch fürs Drehbuch verantwortlich – gelingt es, ein gar nicht mal so angenehmes Thema in eine jederzeit glaubwürdige und dabei unterhaltsame Geschichte zu packen. Und gerade zu Beginn, nach dem ersten Aufeinandertreffen von Michi und Tom, ist von Wohlfühlen noch überhaupt nichts zu bemerken. Bei der Demütigung durch die Halbwüchsigen beispielsweise habe ich mich recht unwohl gefühlt. Andere Sequenzen regen noch mehr zum Nachdenken an, etwa wenn Tom mit seinen Ruderern, denen er als Schlagmann Kommandos gibt, im Fitnessstudio trainiert, diese ihn vor ein paar Vollpfosten in Schutz nehmen und Tom darüber in Wut gerät. Kann es wirklich eine gleichberechtigte Beziehung zwischen ihnen geben, wenn Tom auf solche Hilfe angewiesen ist? Geht es seinen Mannschaftskameraden vielleicht mehr darum, dass sie sich selbst besser fühlen? Auch nicht einfach.

Die Dame vom Jugendamt nimmt die Wohnung in Augenschein

„Auf Augenhöhe“ ist der dritte Beitrag der Initiative „Der besondere Kinderfilm“, die es sich zum Ziel gemacht hat, dem Kinderfilm in Deutschland stärkeres Gewicht zu verleihen. Dabei sind die Filmemacher noch vor Beginn in die Ausschreibung einbezogen. In Frage kommen nur Originalstoffe, also keine Romanverfilmungen oder Remakes. „Auf Augenhöhe“ jedenfalls passierte diese Hürden und bekam die Förderung – gut so. In der Folge erhielt der Film einige Auszeichnungen, darunter den Publikumspreis beim Kinderfilmfest München 2016, den Preis der Jugendjury beim Valladolid International Film Festival 2016 und 2017 den Preis der deutschen Filmkritik als bester Kinderfilm. Die seien der frischen Produktion und der liebenswerten Besetzung von Herzen gegönnt. Pädagogik und Film führen im deutschen Kino gern mal zum erhobenen Zeigefinger. Der bleibt in diesem Fall aus. „Auf Augenhöhe“ wirft wichtige Fragen auf und macht gleichzeitig gute Laune – das ist eine Menge wert.

Papas Jacke passt schon

Veröffentlichung: 24. Februar 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Auf Augenhöhe
D 2016
Regie: Joachim Dollhopf, Evi Goldbrunner
Drehbuch: Evi Goldbrunner, Joachim Dollhopf
Besetzung: Luis Vorbach, Jordan Prentice, Ella Frey, Mira Bartuschek, Philipp Laude, Sebastian Fräsdorf, Anica Dobra, Sebastian Gerold, Patrick Kalupa, Marco Licht, Anselm Haderer
Zusatzmaterial: Interviews mit Jordan Prentice, Luis Vorbach, Phil Laude, Anica Dobra, Sebastian Fräsdorf, Joachim Dollhopf und Evi Goldbrunner, B-Roll, Featurette, Kinotrailer, Bildergalerie
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 TOBIS FILM GmbH & WVG Medien GmbH

 

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Gewinnspiel: 3 x Shark Lake auf Blu-ray

Verlosung

In „Shark Lake“ bekommen es ein paar gierige Bullenhaie im Lake Tahoe mit keinem Geringeren als Dolph Lundgren zu tun. Tiberius Film hat uns drei Blu-rays des trashigen Streifens zum Verlosen gestiftet. Dafür vielen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Wer will Haifisch-Horror-Trash mit Dolph Lundgren gewinnen?

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort bis Montag, 1. Mai 2017, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Könnt Ihr sie mangels Sichtung solcher Filme nicht beantworten, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Aufgrund von Erfahrungen mit vorherigen Gewinnspielen gilt: Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich fünf Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Meine Rezension von „Shark Lake“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 

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Blood Father – Mel Gibon mischt die Drogengangster auf

Blood Father

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Seine harten Tage hat er eigentlich hinter sich gelassen: Der Ex-Biker, Ex-Knacki und trockene Alkoholiker John Link (Mel Gibson) lebt zurückgezogen in einem Trailerpark, wo er sich als Tätowierer über Wasser hält. Die Zurückgezogenheit findet ein jähes Ende, als seine Tochter Lydia (Erin Moriarty, „True Detective“) in sein Leben platzt, von der er seit Jahren nichts gehört hatte. Lydia hat sich mit einem mexikanischen Drogenkartell eingelassen, nun trachten ihr die Gangster nach dem Leben. Schnell tauchen die ersten Halsabschneider vor Links Trailer auf. Nur das beherzte Eingreifen seines Nachbarn Kirby (William H. Macy, „Fargo – Blutiger Schnee“) verhindert ein Blutbad. Link muss mit seiner Tochter die Flucht ergreifen.

Der Ärger beginnt

Der dreckige Actionthriller wurde in New Mexico gedreht, ist aber eine französische Produktion mit einem französischen Regisseur: Jean-François Richet inszenierte 2005 das Remake „Das Ende – Assault on Precinct 13“ und 2008 die beiden „Public Enemy No. 1“-Filme mit Vincent Cassel. „Blood Father“ folgt nicht gerade neuen Pfaden: Ein vormals am Leben Gescheiterter bekommt auf seine alten Tage Gelegenheit, wenigstens etwas zu kitten – zum Beispiel das Verhältnis zu seiner Tochter. Das kann Action-Ikone Mel Gibson natürlich routiniert herunterspulen. Herausgekommen ist schnörkellose, flirrende Action mit einer ohne Rührseligkeit erzählten Vater-Tochter-Story und schonungslosem Body Count – denn Leben zählen nicht viel, wenn es um mexikanische Drogengeschäfte geht.

Die Nachbarn eilen zu Hilfe

Die gute Besetzung tut ihr Übriges. In einer Nebenrolle als Lydias Gangster-Freund Jonah setzt Diego Luna Akzente. Der Mexikaner ist bereits seit Anfang der 90er-Jahre stetig im Filmgeschäft aktiv, ergatterte aber erst jüngst als Cassian Andor in „Rogue One – A Star Wars Story“ seine erste große Hollywood-Hauptrolle. Als John Links alter Weggefährte tritt Tarantino-Favorit Michael Parks in Erscheinung, der nicht erst seit „From Dusk Till Dawn“ gern gesehener Gast in harten Genrefilmen ist.

John Link ist im Herzen stets Vater geblieben

Drehbuchautor Peter Craig schrieb auch an den Skripts von „Die Tribute von Panem – Mockingjay (1)“, „Die Tribute von Panem – Mockingjay (2)“ und „The Town – Stadt ohne Gnade“ mit. Der rohe „Blood Father“ ist kein Meilenstein des Actionkinos, überzeugt aber als stilsicherer Genrebeitrag.

Ein geheimnisvoller Killer heftet sich an die Fersen der Links

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Mel Gibson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Showdown in der Wüste

Veröffentlichung: 28. Oktober 2016 als Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: Blood Father
F 2016
Regie: Jean-François Richet
Drehbuch: Andrea Berloff, Peter Craig, nach Craigs Roman
Besetzung: Mel Gibson, William H. Macy, Erin Moriarty, Diego Luna, Michael Parks, Miguel Sandoval
Zusatzmaterial: Interviews, B-roll, Original-Trailer
Vertrieb: Splendid Film / WVG Medien GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Splendid Film / WVG Medien GmbH

 
 

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