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Doctor Who – Der Film: Neustart verschoben

02 Apr

Doctor Who – The Movie

Von Andreas Eckenfels

Science-Fiction // An den 6. Dezember 1989 denken die meisten „Doctor Who“-Fans nur ungern zurück. Nach 26 Jahren beschloss die BBC, die beliebte Science-Fiction-Serie abzusetzen. Ein Großteil der Zuschauer hatte schlicht das Interesse an den Abenteuern des Timelords verloren, der mit einem einer Polizei-Zelle nachempfundenen Gefährt namens TARDIS durch Raum und Zeit reist. Es war das Ende einer Ära.

Abschied vom siebten Doctor

Doch bereits Anfang der 1990er-Jahre reiften die ersten Pläne für einen möglichen Neustart der Serie. Der im englischen Essex geborene Philip Segal arbeitete zu dieser Zeit als TV-Produzent beim US-Studio Amblin Entertainment in Kalifornien, welches 1981 von keinem Geringeren als Steven Spielberg mitbegründet wurde. Segal träumte davon, die Lieblingsserie aus seiner Kindheit zurück ins Fernsehen zu holen. Diesmal wollte er auch das amerikanische Publikum für den Mythos „Doctor Who“ begeistern. Welche Hürden es noch zu überwinden galt, bis im Mai 1996 tatsächlich „Doctor Who – Der Film“ über die Bildschirme flimmerte, erzählt die ausführliche Dokumentation „Die siebenjährige Unterbrechung“, die im Bonusmaterial der Blu-ray- beziehungsweise der DVD-Edition zu finden ist.

Bruchlandung in San Francisco

Der siebte Doctor (Sylvester McCoy) hat sich dazu bereit erklärt, den letzten Wunsch seines Erzfeindes „Master“ zu erfüllen: Er soll dessen sterbliche Überreste in einer Urne auf den Planeten Gallifrey transportieren. Doch nach einem Zwischenfall muss der Doctor mit der TARDIS im San Francisco des Jahres 1999 notlanden. Dort macht der Doctor gleich unrühmliche Bekanntschaft mit einer Straßengang, die ihn mit einem Schuss schwer verwundet. Aufgrund seiner fremden Anatomie können die Ärzte den Doctor nicht mehr retten. Der Timelord stirbt – und wird kurze Zeit später in seiner neuen Inkarnation als achter Doctor (Paul McGann) wiedergeboren. Wie er bald feststellen muss, wurde bei dem Unfall auch die Urne zerstört. Der Master ist ebenfalls zu neuem Leben erwacht und hat den Körper des Rettungssanitäters Bruce (Eric Roberts) übernommen. Gemeinsam mit Ärztin Dr. Grace Holloway (Daphne Ashbrook) versucht der Doctor den Master zu stoppen, bevor dieser die ganze Erde zerstören kann.

Der achte Doctor leidet zunächst an Gedächtnisverlust – Grace steht dem Fremdling zur Seite

Segal hatte sich dafür eingesetzt, dass Sylvester McCoy mit seinem Auftritt und der Weitergabe des Staffelstabes an seinen Nachfolger Paul McGann einen ehrenvollen Abschied erhielt. McCoy hatte von 1987 bis 1989 die begehrte Rolle gespielt. McGann, am besten bekannt durch den britischen Kultfilm „Withnail & I“ (1987), konnte sich gegen zahlreiche mögliche Kandidaten durchsetzen. Auf der langen Liste sollen unter anderem auch Musiker Sting, US-Comedian Jim Carrey und Rowan „Mr. Bean“ Atkinson gestanden haben. Leider war McGann nur ein großer Auftritt als Doctor Who vergönnt. Das lag nicht an seiner schauspielerischen Leistung, sondern daran, dass das amerikanische Publikum nicht viel mit dem Zeitreise-Abenteuer anfangen konnte. Während in Großbritannien die TV-Rückkehr des Doctors nach sieben Jahren ein großer Erfolg war, blieben die Einschaltquoten in den USA hinter den Erwartungen zurück. Der im Anschluss geplante Serienneustart wurde abgeblasen. McGann sprach den berühmten Doctor noch in einer Hörspielreihe. In dem siebenminütigen Prequel „Die Nacht des Doktors“ zu „Day of the Doctor“ (2013), dem Special zum 50. Jubiläum der Serie, durfte er noch einmal kurz in die Kultrolle schlüpfen.

Konventionen, Kompromisse und Kontroverse

Für Einsteiger ist „Doctor Who – Der Film“ tatsächlich nicht gerade gut geeignet, um die Faszination zu begreifen, die die Serie so einzigartig macht. Viel Fantastisches geschieht nicht. Vielleicht hätte man den Neustart besser auf einen fremden Planeten mit außerirdischen Wesen verlegen sollen statt in die Straßen von San Francisco. Es wirkt so, als hätten die Macher versucht, sich zu sehr den amerikanischen Konventionen anzunähern, statt den Stärken der Serie zu vertrauen.

Das Auge der Harmonie ist geöffnet

Immerhin scheint der typisch britische „Doctor Who“-Humor immer wieder durch und auch die Dynamik zwischen dem Duo Paul McGann und Daphne Ashbrook stimmt. Doch in den Augen der Fans übertrieb es Drehbuchautor Matthew Jacobs dabei sogar: Ein Kuss zwischen dem Doctor und Grace sorgte für eine Kontroverse. Das erste Mal in der Seriengeschichte zeigt der Zeitreisende romantische Gefühle. Ein Unding – oder war es wieder nur ein Kompromiss, um die US-Geldgeber mit dem Einbau eines vermeintlichen Love Interests zufriedenzustellen?

Mediabook bereits out of print

Liebhaber und Kenner von „Doctor Who“ werden trotz allem ihren Spaß mit dem actionreichen TV-Abenteuer in Spielfilmlänge haben, besonders da überall Anspielungen auf die gesamte Serie versteckt sind. Nach der Veröffentlichung einiger frühen „Doctor Who“-Staffeln auf DVD hat Pandastorm Pictures erneut ein schönes Gesamtpaket mit massig Bonusmaterial für die deutschen Fans zusammengestellt. Das im Februar veröffentlichte limitierte Mediabook ist bereits ausverkauft. Wer diese Edition verpasst hat, muss nicht traurig sein: Auch in der regulären Blu-ray- beziehungsweise DVD-Edition sind das Booklet mit Vorworten von Daphne Ashbrook, Matthew Jacobs und Yee Jee Tso – der den unfreiwilligen Handlanger von Master spielt – sowie mehr Hintergründe zur Entstehungsgeschichte von „Doctor Who – Der Film“ enthalten.

Der Master erhält seine Macht zurück

Nach dem TV-Film sollte es noch weitere neun Jahre dauern bis 2005 der nächste Neustart unter der Leitung von Steve Moffat („Sherlock“) endlich gelang und neue und alte Fans wieder in ihren Bann ziehen sollte. Aktuell läuft die zehnte Staffel mit Peter Capaldi als Darsteller des zwölften Doctor Who. Auch wenn er zum Finale seinen magischen Schraubenzieher an den Nagel hängen will und sein Nachfolger noch nicht feststeht: Ein Ende der neuen „Doctor Who“-Ära ist glücklicherweise noch lange nicht in Sicht.

Kann Doctor Who seinen Erzfeind stoppen?

Veröffentlichung: 31. März 2017 als Blu-ray und Doppel-DVD, 17. Februar 2017 als Collector’s Edition im auf 1000 Stück limitierten Mediabook (Blu-ray und 2 DVDs)

Länge: 86 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Doctor Who – The Movie
USA/GB 1996
Regie: Geoffrey Sax
Drehbuch: Matthew Jacobs
Besetzung: Paul McGann, Eric Roberts, Daphne Ashbrook, Sylvester McCoy, Yee Jee Tso, John Novak, Michael David Simms, Catherine Lough Haggquist, Eliza Roberts
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Geoffrey Sax, Audiokommentar mit Paul McGann, Sylvester McCoy und Nicholas Briggs, Des Doktors seltsame Liebe, Die Nacht des Doktors, Die siebenjährige Unterbrechung, Alternative Takes, Behind the Scenes, 2 Audiokommentare, Electronic Press Kit, Booklet, Paul McGanns Vorsprechen, VFX Tests, Who Peter 1989-2009, Isolierte Soundtrack-Tonspur, Doctor Who – Die Comics, Doctor Who in den Nachrichten, Trailer, zwei Easter Eggs, Wendecover
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Packshots & Trailer: © 2017 Pandastorm Pictures, Fotos: © 1996 BBC

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