RSS

Holodomor – Bittere Ernte: Vom Hungertod in der Kornkammer Ukraine

05 Apr

Bitter Harvest

Von Volker Schönenberger

Historiendrama // Dem Holodomor fielen in den Jahren 1932 und 1933 in der Sowjetrepublik Ukraine mehrere Millionen Menschen zum Opfer – Schätzungen schwanken zwischen zwei und mehr als zehn Millionen Toten. Ob es sich dabei um einen von Stalin veranlassten Völkermord handelt oder um eine unglückselige Verkettung der Folgen von Missernten und der Zwangskollektivierung, kann in einer Filmrezension nach oberflächlicher Internetrecherche nicht seriös festgestellt werden. Klar ist, dass Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion und die Ukraine in dieser Frage unterschiedlicher Meinung sind und auch Instanzen der weltweiten Völkergemeinschaft sich schwer mit einer Einordnung tun. Dabei spielen politische und diplomatische Erwägungen zweifellos eine große Rolle, und das nicht erst seit der jüngsten Krimkrise.

Stalin erlässt verhängnisvolle Maßnahmen

In der kanadischen Produktion „Bitter Harvest“ nimmt Stalin (Gary Oliver) es kalt lächelnd in Kauf, dass die von ihm veranlassten Enteignungen zum Tod vieler Ukrainer führen können. Er befiehlt gar verschärfende Maßnahmen, als man ihm vom Widerstand der Landbevölkerung berichtet. Trotz einiger Szenen mit dem sowjetischen Diktator ist „Holodomor – Bittere Ernte“ aber kein Politdrama mit bedeutenden Gestalten der Weltgeschichte, der Film bricht die Geschichte des Holodomor auf das Schicksal von Yuri (Max Irons) und seiner Familie herunter. Yuris Vater Yaroslav (Barry Pepper) will die künstlerische Neigung seines Sohns fördern, während Yaroslavs Vater Ivan (Terence Stamp) es lieber hätte, wenn sein Enkel frühzeitig lernt, mit dem Säbel umzugehen. Yuris Liebe zu Natalka (Samantha Barks) sind nur kurze Momente des Glücks vergönnt. Besonders der sowjetische Kommissar Sergei (Tamer Hassan) geht bei den Enteignungen mit großer Grausamkeit vor.

Auch Yuri wird enteignet

Während anfangs kräftige Farben dominieren, etwa beim Blick über goldene ukrainische Kornfelder und ein paar Szenen im Wasser, wird die Farbsättigung im weiteren Verlauf merklich zurückgedreht. Wenn die ganze Tragik des von EU und UNO immerhin „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ genannten Holodomor über Yuri und seine Mitmenschen hereinbricht, dominieren düstere Grau- und Brauntöne. Wir sehen Massenerschießungen und willkürliche Morde. Musikalisch untermalt wird das ergreifende Epos von einem allgegenwärtigen Streicher-Score, der das Historiendrama etwas ins Pathetische abgleiten lässt. Regisseur George Mendeluk kann sich aber auf seine illustre Darstellerriege verlassen.

Stolzer Ukrainer: Ivan

Gedreht wurde immerhin auch an Originalschauplätzen in der Ukraine. Angesichts der gelinde gesagt angespannten politischen Gemengelage zwischen Russland und der Ukraine kann man wohl damit zufrieden sein, dass sich immerhin eine kanadische Produktion der filmischen Aufarbeitung des Holodomor angenommen hat. Der Begriff bedeutet übersetzt in etwa Hungertod. „Holodomor – Bittere Ernte“ ist immerhin auch in ukrainischen Kinos gezeigt worden, in russischen vermutlich nicht. Verdient hätte das bittere Historiendrama es. Die Ereignisse von 1932 und 1933 dürfen nicht der Vergessenheit anheimfallen, nennt man sie nun Völkermord oder nicht. „Bitter Harvest“ ergreift eindeutig Partei, aber wie kann man angesichts solcher Ereignisse unparteiisch bleiben?

Erschießungen sind an der Tagesordnung

Veröffentlichung: 31. März 2017 als Blu-ray und DVD sowie 2-Disc Special Edition Blu-ray und DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Bitter Harvest
KAN 2017
Regie: George Mendeluk
Drehbuch: Richard Bachynsky Hoover, George Mendeluk
Besetzung: Max Irons, Samantha Barks, Barry Pepper, Tamer Hassan, Terence Stamp, Aneurin Barnard, Richard Brake, Tom Austen, Lucy Brown, Richard Brake, Aneurin Barnard, Gary Oliver
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Trailershow, Wendecover, nur Special Edition: Dokumentation, Interview mit Wilfried Jilge (Osteuropahistoriker)
Vertrieb: Pandastorm Pictures

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Die Leichen stapeln sich

Fotos & Packshot: © 2017 Pandastorm Pictures

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: