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Dirty Cops – War on Everyone: Sympathische Unsympathen

12 Apr

War on Everyone

Von Andreas Eckenfels

Actionkomödie // Manchmal lohnt es sich, ein mehr als leidenschaftlicher Fußballfan zu sein. Weil sich sein ursprünglicher Hauptdarsteller Garrett Hedlund drei Wochen vor Drehstart von dem Projekt verabschiedete, musste Regisseur John Michael McDonagh aus fünf Kandidaten kurzfristig einen Ersatzmann finden. Auf YouTube stieß er dabei auf ein Handy-Video, welches einen leicht angetrunkenen Alexander Skarsgård zeigt. Der Schwede peitscht darin das Publikum seines Lieblingsvereins Hammarby IF ein. Dass so viel Energie in dem ruhig wirkenden „True Blood“-Star steckt, hatte McDonagh nicht erwartet. Und so erhielt Fußballfan Skarsgård den Zuschlag für „Dirty Cops – War on Everyone“, der auf der Berlinale 2016 seine Weltpremiere feierte und unter anderem im gleichen Jahr auch auf dem Fantasy Filmfest zu sehen war.

Macht ein Pantomime ein Geräusch, wenn er überfahren wird?

„Ob so ein Pantomime ein Geräusch macht, wenn man drüberfährt?“, fragt Cop Bob Bolaño (Michael Peña) seinen Kollegen Terry Monroe (Skarsgård). Der lässt sich nicht lange bitten und rast mit dem Auto auf den flüchtigen Mimen zu. Nachdem dieser relativ lautlos über den Wagen geflogen und unsanft gelandet ist, stellt Terry trocken fest: „Sieht nicht so aus.“ Egal, ob mit oder ohne Dienstmarke: Solche Aktionen sind bei den beiden Cops an der Tagesordnung. Sehr zum Ärger ihres Chefs (Paul Reiser), bei dem sich die Anzeigen wegen Körperverletzung, Korruption und vielen weiteren Beschwerden gegen seine Chaos-Beamten stapeln.

Bob (l.) und Terry sind echt nicht nett

Wenn sie Lust haben, trinken und koksen Bob und Terry schon am frühen Morgen und verprügeln auch mal einen Verdächtigen, um an Informationen zu gelangen. Respekt kennt das Cop-Duo nicht, die beiden denken stets nur an ihren eigenen Vorteil. Als Bob und Terry erfahren, dass bei einem Raub eine Million Dollar verschwunden sind, machen sie sich sogleich auf die Suche nach der Kohle. Dabei kreuzen die Cops die Wege des aalglatten Gangsterbosses James Mangan (Theo James), der sich als ebenbürtiger Gegner für Bob und Terry entpuppt.

Gangsterboss Mangan macht den Cops das Leben schwer

Wer die vorangegangen Werke von John Michael McDonagh kennt, der weiß, was einen erwartet. Wie auch „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“ (2011) und „Am Sonntag bist du tot“ (2014) ist „Dirty Cops – War on Everyone“ eine zutiefst zynische schwarze Komödie, die vor niemandem Rücksicht nimmt. Seine Protagonisten leben enthemmt, reißen Witze gegen Minderheiten und nehmen auch sonst kein Blatt vor den Mund. Diese direkte Gangart des Buddy-Movies mag nicht jeder lustig finden und kann einigen empfindlichen Gemütern durchaus sauer aufstoßen. „Dirty Cops – War on Everyone“ wirkt ein wenig wie der böse Zwilling von Shane Blacks „The Nice Guys“. Besonders, weil Bob und Terry hemmungslos überzeichnet und ziemliche Unsympathen sind.

Von Irland nach New Mexico

Für seinen dritten Langfilm drehte McDonagh erstmals außerhalb Irlands – und verzichtete diesmal auch auf seinen Erfolgsgaranten: Von dem charismatischen Brendan Gleeson hätte man gern einen Gastauftritt gesehen. Doch das Duo Peña und Skarsgård ist ein guter Ersatz und hat in der Hitze New Mexicos – und durch eine irrsinnige Wendung auch in der Kälte Islands – sichtlich Spaß daran, ordentlich die Sau rauszulassen. Dazu überrascht Theo James („Die Bestimmung – Allegiant”) als fieser Bösewicht und Tessa Thompson („Creed – Rocky’s Legacy“, „Westworld”) beweist ein weiteres Mal, dass sie mehr kann, als nur schmückendes Beiwerk zu sein.

Nein, das ist nicht Huggy Bear – das ist Reggie X

Das hohe Anfangstempo, in dem sich Bob und Terry die Sprüche nur so um die Ohren hauen und eine abgefahrene Situation auf die nächste folgt, kann McDonagh nicht komplett durchhalten. Eine Handlung ist nur rudimentär erkennbar und auch die Tiefsinnigkeit seiner vorigen Werke fehlt. Dennoch steckt „Dirty Cops – War on Everyone“ voller wilder Ideen, ist stilvoll inszeniert und mit einem lässigen Soundtrack unterlegt, der von The Clash über Lee Hazlewood bis hin zu den Fun Lovin’ Criminals und Glen Campbell reicht. So fällt es schwer, diese unsymathischen „Dirty Cops“ nicht sympathisch zu finden.

Terry hat ein Auge auf die hübsche Jackie geworfen

Veröffentlichung: 23. März 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: War on Everyone
GB 2016
Regie: John Michael McDonagh
Drehbuch: John Michael McDonagh
Besetzung: Alexander Skarsgård, Michael Peña, Theo James, Paul Reiser, Tessa Thompson, Caleb Landry Jones, Stephanie Sigman, David Wilmot, Malcolm Barrett
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Kinotrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Constantin Film Verleih GmbH

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Constantin Film Verleih GmbH

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