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Incarnate – Teuflische Besessenheit: Uninspirierte Dämonenwelten

05 Mai

Incarnate

Von Andreas Eckenfels

Horror // Wenn ein Film mit Starbesetzung bereits 2013 abgedreht wurde und erst Ende 2016 in den Kinos einiger wenigen Ländern startet, darf man über das Resultat durchaus skeptisch sein. Kann der Exorzisten-Horror von „San Andreas“-Regisseur Brad Peyton mit Aaron Eckhart und Carice van Houten („Black Book“, „Game of Thrones“) dennoch überzeugen? Immerhin ist gerade Eckhart auch bekannt dafür, dass er nicht immer die beste Rollenwahl trifft – man denke etwa an den Rohrkrepierer „I, Frankenstein“ (2014).

Dr. Ember ist ein ungewöhnlicher Teufelaustreiber

Der nach einem tragischen Autounfall auf den Rollstuhl angewiesene Dr. Seth Ember (Eckhart) besitzt eine außergewöhnliche Gabe: Er kann sich in die Gedanken von Menschen versetzen, die von einem Dämon besessen sind. So kann der Wissenschaftler von innen heraus den Kampf gegen das Böse aufnehmen. Von außen erhält er dabei technische Unterstützung von seinen jungen Teamkollegen Oliver (Keir O’Donnell) und Riley (Emily Jackson), die ihn während seiner gefährlichen Arbeit überwachen. Eines Tages bekommt der ungewöhnliche Teufelsaustreiber Besuch von Camilla (Catalina Sandino Moreno), die ihn im Auftrag des Vatikans um Hilfe bittet. Der elfjährige Cameron (David Mazouz, „Gotham“), der bei seiner kürzlich geschiedenen Mutter (Carice van Houten) lebt, soll unter dem Bann eines ungewöhnlich starken Dämons namens Maggie stehen, den auch Dr. Ember nur allzu gut kennt. Maggie war für den Unfall verantwortlich, bei dem der Exorzist nicht nur sein Gehvermögen verlor, sondern bei dem auch seine Frau und sein Sohn ums Leben kamen.

Eine Prise „Inception“

Exorzisten-Filme gibt es wie Sand am Meer. Nur wenige können sich dabei auch nur ansatzweise mit „Der Exorzist“ (1973) von William Friedkin messen. Der Klassiker setzte die Maßstäbe zum Thema Teufelsaustreibung. Alle weiteren Filme konnten dabei meist nur Variationen von bereits Bekanntem wiedergeben. Das dachte sich wohl auch Drehbuchautor Ronnie Christensen („Dark Tide“) und entschied sich dafür, den gesamten religiösen Aspekt des Exorzismus wegzulassen und stattdessen eine Prise aus Christopher Nolans „Inception“ einzustreuen. Eigentlich keine schlechte Idee – auch die „Insidious“-Reihe spielt ja damit, dass der Exorzist in die Geisterwelt des Besessenen eintaucht.

Manchen Dämonen kann man nur schwer widerstehen

Christensen hat dadurch zwar ein häufig zitiertes Klischee aus seinem Skript verbannt – obwohl das Plakatmotiv noch ein Kreuz verwendet, das im Film nur indirekt eine Rolle spielt – dafür hat er zahlreiche andere drin gelassen. Der von dem tragischen Unfall gezeichnete Protagonist ist da nur der Anfang. Auch sonst ist es schwierig, der Geschichte einen Funken Glaubwürdigkeit abzugewinnen. Genaue Regeln, wie der Eintritt in die Gedankenwelt funktioniert, werden nicht erklärt. Auch interessiert sich die Polizei offenbar nicht für einige Menschen, die im Laufe der vorhersehbaren Handlung unter ungeklärten Umständen das Zeitliche segnen.

Das rettende Fenster

Regisseur Peyton gelingt es zudem kaum, eine furchterregende Grundstimmung zu schaffen. Die dämonischen Welten wirken erschreckend real. Die Besessenen bekommen von der finsteren Macht eine Idealwelt vorgegaukelt, aus der sie sich nur unter Zwang verabschieden wollen. Ein Opfer freut sich darüber, dass er die ganze Zeit in einem Nachtclub von hübschen Damen umgarnt wird. Da ist es für Dr. Ember, der sich in den bösen Träumen normal fortbewegen kann, gar nicht so einfach, den Dämon auszutreiben. Die Kreaturen geben sich meist nur durch übergroße Pupillen zu erkennen und sehen ansonsten wie Menschen aus. Der Spannungsaufbau beschränkt sich darauf, dass sich der Wissenschaftler mit den Dämonen prügelt und er dann gemeinsam mit dem Besessenen unter Zeitdruck ein rettendes Fenster erreichen muss. Uninspiriertere Dämonenwelten hat man selten gesehen.

Cameron ist besessen

Das beschränkte Budget von gerade mal fünf Millionen US-Dollar mag dafür ein Hauptgrund sein, aber auch mit wenig Geld darf man etwas mehr Originalität erwarten. Immerhin kann man Aaron Eckhart keinen Vorwurf machen. Der Hauptdarsteller kämpft aufopferungsvoll gegen das müde Skript an. Er hatte sich auch ordentlich auf seine Rolle vorbereitet: In Los Angeles setzte sich der „The Dark Knight“-Star in einen Rollstuhl und gab sich am Venice Beach laut eigener Aussage überzeugend als psychisch kranker Vietnam-Veteran aus. Vielleicht hat Eckhart ja auch schon für einen besseren Film als „Incarnate – Teuflische Besessenheit“ geprobt.

Dadurch entwickelt der Junge unglaubliche Kräfte

Veröffentlichung: 6. April 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 83 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Incarnate
USA 2016
Regie: Brad Peyton
Drehbuch: Ronnie Christensen
Besetzung: Aaron Eckhart, Carice van Houten, Catalina Sandino Moreno, David Mazouz, Keir O’Donnell, Matt Nable, Emily Jackson
Zusatzmaterial: Deutscher Trailer, Original-Kinotrailer, Programmvorschau, Wendecover
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2017 Concorde Home Entertainment

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