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Die Rebellen vom Liang Shan Po – Retro-Kung-Fu in feinster Verpackung

06 Mai

Suikoden

Von Matthias Holm

Eastern-Serie // Es regt sich was in China: Der böse Kao Chiou (Kei Satô) wird Oberbefehlshaber der kaiserlichen Garde. Wer nicht nach seiner Pfeife tanzt, wird dafür bestraft. Das muss auch Lin Chung (Atsuo Nakamura) am eigenen Leib erfahren. Der Offizier hält wenig von Kao Chiou, gerät durch dessen Intrigen in Ungnade und muss in ein Straflager. Ein schwerer Schicksalsschlag, auch ausgelöst durch Kao Chiou, veranlasst Lin Chung, die Flucht zu ergreifen. Mit einigen anderen Kämpfern gelangt er in das Sumpfgebiet des Liang Shan Po, wo sich eine Schar von Rebellen gesammelt hat, die gegen die Ungerechtigkeiten von Kao Chiou vorgeht.

Funkt es zwischen Lin Chung und Hu San-Niang?

Es ist unmöglich, „Die Rebellen vom Liang Shan Po“ mit heutigen Maßstäben zu bewerten. Ähnlich wie bei den Filmen der Shaw Brothers sind die gesamte Atmosphäre, das Overacting und die abstrusen Dialoge nicht mit dem zu vergleichen, was man aus den 70er-Jahren aus anderen Filmländern kennt. Und dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, schafft es die Serie, ein warmes Retro-Gefühl aufkommen zu lassen.

„Robin Hood“ in China

Die Geschichte ist dabei herrlich banal: Ein böser Adliger will mehr Macht und Geld, beutet dafür die Armen aus und wird von einer Reihe Helden bekämpft. Das erinnert ein bisschen an „Robin Hood“, allerdings gibt es in der chinesischen Variante deutlich mehr Helden. Denn Kao Chiou plündert am Anfang der Serie einen Tempel und befreit die Seelen von 108 Rebellen, die nun wiedergeboren werden und seinen Untergang besiegeln sollen. Hier liegt das größte Problem der Serie: Die Zahl der Protagonisten ist überwältigend, und wer sich nur schlecht asiatische Namen merken kann, der sollte sich die Gesichter gut einprägen, um nicht vollkommen verwirrt zurückzubleiben.

Kao Chiou (r.) ist wieder am Intrigen spinnen

Interessant war die Ankündigung, dass die Serie ungeschnitten mit einer Freigabe ab 12 Jahren erscheint. Bei ihrer Erstausstrahlung 1980 wurden nämlich einige Gewaltszenen entfernt, die in der nun restaurierten Fassung enthalten sind. So gibt es zum Beispiel bereits in der ersten Folge abgetrennte Köpfe, die auf einem Exekutionsplatz zu bestaunen sind. Dabei ist die Action erstaunlicherweise etwas handzahmer. Ja, es sterben Menschen, das aber eher unblutig und meist auch außerhalb der Kamera. Dabei sind die Kämpfe, mit ziemlich schlecht aussehenden Requisiten, flott und launig inszeniert.

Kitschig, aber charmant

Darin liegt auch die größte Stärke von „Die Rebllen vom Liang Shan Po“ – die Serie ist charmant. Aus heutiger Sicht mag es befremdlich wirken, wenn in einer Folge eine Slapstick-artige Flucht, charakterbildende Momente und vor Kitsch triefende Dialoge direkt aufeinanderfolgen, da aber das gesamte Werk diesen Flair ausstrahlt, nimmt man das gern in Kauf und hat einfach eine gute Zeit.

Sieht unangenehm aus

Dafür sorgt auch die umfangreiche, limitierte Edition von Turbine. Man kann sich nicht zwischen DVD und Blu-ray entscheiden? Kein Problem, die Serie ist auf beiden Datenträgern vorhanden, mit all ihren Interviews und Extras. Wer die ganze Geschichte schon immer mal lieber hören wollte, kann das mit dem vom WDR produzierten, 190 Minuten langen Hörbuch tun, das sich in der hochwertigen Holzbox befindet. Hinzu kommen ein ausführliches Booklet, ein T-Shirt, eine Flagge, alles was das Sammlerherz begehrt. Das einzige Problem: Die Box ist Amazon-exklusiv und nicht ganz billig. Aber das sollte dem geneigten Fan keine Schmerzen bereiten. Wie hoch die Limitierung ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber obwohl die Edition bereits im Juni 2016 erschienen ist, ist sie nach wie vor lieferbar. Von solchen Schmuckstücken darf es ruhig mehr geben.

Auf in den Kampf

Veröffentlichung: 2. Juni 2017 als limitierte Special Edition (5 Blu-rays oder 7 DVDs), 24. Juni 2016 als limitierte Deluxe Collector’s Edition in Holzbox (5 Blu-rays, 7 DVDs, 1 CD)

Länge: 1222 Minuten (26 Folgen à 45 Min.)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Suikoden
CHN/JAP 1973–1974
Regie: diverse
Drehbuch: diverse
Besetzung: Atsuo Nakamura, Takeshi Ôbayahi, Sanae Tsuchida, Kei Satô, Teruhiko Aoi, Hajime Hana, Dajirô Hanada
Zusatzmaterial: Die Rebellen damals und heute, Interview mit Wolfram Wickert, Ein Gespräch mit Dr. Rolf Giesen und Wolfram Wickert, Hörbuch „Die Rebellen vom Liang Shan Moor“, 32-seitiges Booklet, Flagge, T-Shirt, Lesezeichen, DIN-A2-Poster, Postkarten, Sticker
Vertrieb: Turbine Media Group

Copyright 2017 by Matthias Holm

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Turbine Media Group

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