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Don Siegel (V): Die rote Schlinge – Action und Screwball

17 Mai

The Big Steal

Von Simon Kyprianou

Krimi // „Die rote Schlinge“ ist einer der frühen Filme Don Siegels und führt in den Hauptrollen erneut Robert Mitchum und Jane Greer zusammen, die zwei Jahre vorher zusammen in Jacques Tourneurs Meisterwerk „Goldenes Gift“ (Out of the Past, 1947) gespielt haben. In „Die rote Schlinge“ schlägt Siegel allerdings einen wesentlich vergnüglicheren Ton an als Tourneurs Film. Die Ausgangslage erinnert etwas an die Situation in Hitchcocks „Die 39 Stufen“: Ein Mann und eine Frau geraten beide in einen Schlamassel und sind dann widerwillig aufeinander angewiesen.

Halliday ist auf der Flucht – und auf der Jagd

Der Verbrecher Jim Fiske (Patric Knowles) stiehlt dem Lieutenant Duke Halliday (Robert Mitchum) bei einem Überfall 300.000 Dollar, die für Lohnzahlungen der US-Army vorgesehen sind. Hallidays Vorgesetzter Captain Blake (William Bendix) glaubt seinem Offizier nicht und beschuldigt ihn, das Geld unterschlagen zu haben. Eine wilde Hatz nimmt ihren Lauf: Halliday verfolgt Fiske und Blake verfolgt Halliday quer durch Mexiko. Dabei wird Halliday von Fiskes Verlobten Joan (Jane Greer) begleitet, die mit dem Ganoven ebenfalls noch eine Rechnung offen hat.

Kernige 71 Minuten

Don Siegel (1912–1991) inszeniert das straffe, knackige Drehbuch enorm dynamisch und vergnüglich, lässt Mitchum und Greer herrlich geschriebene Screwball-Dialoge abhalten, inszeniert handwerklich einwandfreie Action und eine durchaus bemerkenswerte Autoverfolgungsjagd. Das große Talent des Regisseurs für klare, effiziente und doch elegante Bildkompositionen kann man hier bereits deutlich beobachten. Mehr als die mit 71 Minuten knapp bemessene Laufzeit braucht er nicht, um seine Geschichte facettenreich und vergnüglich zu erzählen, auf Exposition verzichtet Siegel fast vollständig.

Joan schließt sich ihm widerwillig an

Greer und Mitchum harmonieren wunderbar zusammen, und der Film spielt sie immer wieder genüsslich gegeneinander aus. Siegel betont stark die humoristischen Aspekte der Handlung, was zu seiner großen Dynamik beiträgt. Trotz des humoristischen Gestus gelingt es ihm, den Film in der finalen Konfrontation höchst dramatisch zu verdichten.

Weshalb koloriert?

Das macht „Die rote Schlinge“ zu einem überaus vergnüglichen, sehenswerten Film, leider in einer eher suboptimalen Veröffentlichung: Die Bild- und Tonqualität ist annehmbar, auf der DVD der „Film Noir Collection“ liegen allerdings keine deutschen Untertitel vor, sondern nur englische. Für die meisten Zuschauer dürfte das verschmerzbar sein, deutsche Untertitel sollten prinzipiell trotzdem vorhanden sein. Des Weiteren liegt neben der Schwarz-Weiß-Fassung auch eine kolorierte Fassung vor, deren Bildqualität allerdings so furchtbar ist, das man sie besser weggelassen hätte.

Spritztour durch Mexiko

Die Film Noir Collection von Koch Films:

01. Die blaue Dahlie (The Blue Dahlia, 1946)
02. Spiel mit dem Tode (The Big Clock, 1948)
03. Schwarzer Engel (Black Angel, 1946)
04. Desert Fury – Liebe gewinnt (Desert Fury, 1947)
05. Der schwarze Spiegel (The Dark Mirror, 1946)
06. Du und ich (You and Me, 1938)
07. Der General starb im Morgengrauen (The General Died at Dawn, 1936)
08. Der Mann mit der Narbe (Hollow Triumph, 1947)
09. Ausgestoßen (Odd Man Out, 1947)
10. Briefe aus dem Jenseits (The Lost Moment, 1947)
11. Chicago Joe und das Showgirl (Chicago Joe and the Showgirl, 1990)
12. Schritte in der Nacht (He Walked by Night, 1948)
13. Detour – Umleitung (Detour, 1945)
14. Das schwarze Buch (Reign of Terror aka The Black Book, 1949)
15. Zeuge gesucht (Phantom Lady, 1944)
16. Unter Verdacht (The Suspect, 1944)
17. Der unheimliche Gast (The Uninvited, 1944)
18. Ministerium der Angst (Ministry of Fear, 1944)
19. Die Killer (The Killers, 1946)
20. Opfer der Unterwelt (D.O.A., 1950)
21. Die Nacht hat tausend Augen (Night Has a Thousand Eyes, 1948)
22. Der gläserne Schlüssel (The Glass Key, 1942)
23. Casbah – Verbotene Gassen (Casbah, 1948)
24. Die Narbenhand (This Gun for Hire, 1942)
25. Die rote Schlinge (The Big Steal, 1949)

Am Ende der Tour müssen sich die beiden mit Gangstern herumschlagen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Don Siegel sind in unserer Rubrik Regisseure zu finden, Filme mit Robert Mitchum in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 18. Mai 2017 als DVD

Länge: 71 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: The Big Steal
USA 1949
Regie: Don Siegel
Drehbuch: Daniel Mainwaring (als Geoffrey Homes), Gerald Drayson Adams, nach Richard Wormsers Erzählung „The Road to Carmichael’s“
Besetzung: Robert Mitchum, Jane Greer, William Bendix, Patric Knowles, Ramon Novarro, Don Alvarado, John Qualen
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

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