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Twin Peaks – Der Film: Die letzten Tage der Laura Palmer

20 Mai

Twin Peaks – Fire Walk with Me

Von Simon Kyprianou

Horrorthriller // Nachdem der Verlauf der zweiten Staffel von „Twin Peaks“ 1991 nicht den Vorstellungen von David Lynch entsprach, wollte er mit dem Film „Twin Peaks – Fire Walk with Me“ noch einmal in das Twin-Peaks-Universum zurückkehren. Eigentlich war es von Lynch und seinem Partner Mark Frost angedacht gewesen, den Mörder von Laura Palmer nie zu enthüllen, aber Lynch gab dem Druck des Senders nach und enthüllte ihn in der Mitte der zweiten Staffel. Danach entfernt sich die Handlung von dem ursprünglichen zentralen Mordfall und das Interesse des Publikums nahm stetig ab – obwohl die zweite Staffel wesentlich besser ist als ihr Ruf; einige der schönsten Folgen der Serie finden sich darin.

Rückkehr nach Twin Peaks

Enttäuscht von diesen Entwicklungen wollte Lynch mit dem Film zu seiner eigentlichen Vorstellung von „Twin Peaks“ zurückkehren und als eine Art Sequel zur Serie die letzten Tage im Leben von Laura Palmer nachzeichnen. Der Film konnte auch nicht mehr an den Erfolg der ersten Staffel anknüpfen und wurde vom Publikum und einem Großteil der Filmkritik verrissen.

Dabei fasziniert „Twin Peaks – Der Film“ durchaus. Befreit von der seriellen Struktur und ihren narrativen Zwängen kann Lynch komplett frei drehen: Handlungsstränge werden aufgegriffen und plötzlich wieder fallen gelassen, die Hauptfigur der Serie, Dale Cooper (Kyle MacLachlan), ist gerade mal für wenige Minuten zu sehen, ebenso David Bowie in einer bizarren Nebenrolle.

Der Dämon im Vater

Im Zentrum steht der psychische Zerfall von Laura Palmer (Sheryl Lee), die immer mehr in einen inneren Abgrund gleitet: verfolgt vom Dämon Bob (Frank Silva), der den Körper ihres Vaters (Ray Wise) übernommen hat und der in ihren Körper eindringen will. Sie ist abhängig von Kokain und unfähig, ihr Leid ihren Freunden mitzuteilen. Im Gegensatz zu den Serienepisoden verzichtet Lynch hier auf ein gradliniges Narrativ und erzählt seinen Film eher in einer Aneinanderreihung aufgeladener Momente. Er zeichnet faszinierende Horrorgemälde, Einzelmomente, von denen ein unglaublicher Schrecken ausgeht. Natürlich lässt der Film manche Elemente der Serie vermissen, der Humor und die Campiness beispielsweise, was wohl ein Grund dafür war, dass viele Freunde der Serie ihn nicht mochten.

„Twin Peaks – Der Film“ ist ein Destillat aus Momenten des Zerfalls, ein harter Film, ein glasklares Bild jener Schreckenswelt, die in der Serie permanent angedeutet wird. Am Ende bebildert Lynch sogar ganz explizit die Mordnacht, die in der Serie mühsam rekonstruiert wird, aber doch immer nur eine vage Horrorvorstellung bleibt.

David Lynchs Haus- und Hofkomponist Angelo Badalamenti

Angelo Badalamentis Soundtrack zum Film – seine Musik zur Serie ist ja ein ganz entscheidender Teil ihrer DNA – ist bemerkenswert. Seine Kompositionen, die unbehaglich fließend von Zärtlichkeit zu absolutem Schrecken wechseln können, tragen Lynchs Bilder in all seinen Filmen. Badalamentis Melodien fügen sich wunderbar zu Twin Peaks, einer oberflächlich heilen, zarten Welt, die in Sekundenschnelle zerfallen und den Blick in Abgründe eröffnen kann. Zum Start der dritten Staffel, bei der Lynch nach jahrelanger Regieabstinenz bei allen Folgen Regie führte, lohnt es sich, auch „Twin Peaks – Der Film“ wieder zu entdecken.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ray Wise sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 2. November 2012 als Blu-ray und DVD

Länge: 135 Min. (Blu-ray), 130 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Twin Peaks – Fire Walk with Me
Deutscher Alternativtitel: Twin Peaks – Der Film: Die letzten 7 Tage im Leben der Laura Palmer
USA/F 1992
Regie: David Lynch
Drehbuch: David Lynch, David Engels
Besetzung: Sheryl Lee, Ray Wise, Frank Silva, Moira Kelly, James Marshall, Kyle MacLachlan, Mädchen Amick, Dana Ashbrook, David Bowie, Heather Graham, Miguel Ferrer, Chris Isaak, Moira Kelly, Peggy Lipton, James Marshall, David Lynch
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Simon Kyprianou

Packshots: © 2012 Concorde Home Entertainment

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