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Terror 5 – Das Grauen kommt grinsend in argentinischen Episoden

22 Mai

Terror 5

Von Volker Schönenberger

Episoden-Horror // Was für etliche Filmnationen gilt, gilt auch für Argentinien: Produktionen aus der südamerikanischen Bundesrepublik fristen international oft ein Schattendasein. Für Juan José Campanellas Krimidrama „In ihren Augen“ gab’s 2010 aber immerhin den Oscar als bester fremdsprachiger Film und zahlreiche andere internationale Filmpreise und Nominierungen. 2014 bescherte uns die überdrehte Komödie „Wild Tales – Jeder dreht mal durch“ einige schwarzhumorige Episoden über Menschen, die ausrasten, weil sie Grund dazu haben.

I was made for Lovin‘ you, baby – oder nicht?

Auch „Terror 5“ der argentinischen Brüder Sebastian und Federico Rotstein ist ein Film mit ineinander verschachtelten Episoden, klar verortet im Horrorgenre. Zu Beginn sehen wir einen Typen auf einem Mofa, der sein Gesicht wie „Kiss“-Bassist Gene Simmons geschminkt hat. Er ist auf dem Weg zu einer Party, wo er seine Bekannten überzeugt, sich einen ganz besonderen Film reinzuziehen. Dann haben wir den schüchternen Studenten Juan (Augusto Alvarez), der sich von einer Kommilitonin becircen lässt, die aber andere Absichten hat, als er es sich erhofft. Ein paar Lehrer erfahren derweil auf unangenehme Weise, dass ihre Lehrmethoden keinen Beifall finden.

Partyvolk in Verkleidung

Parallel wird der Fall eines wegen Pfusch am Bau eingestürzten Gebäudes gezeigt – das Unglück kostete etliche Menschen das Leben. Die Schuldigen in Politik und Wirtschaft stehlen sich aus der Affäre und werden von der Justiz auch noch freigesprochen. Das lassen die Toten nicht auf sich sitzen – sie erheben sich aus ihren Gräbern. Schließlich gibt es noch Gaby (Cecilia Cartasegna) und Hernan (Julián Larquier Tellarini), die sich beim Sex in einem Motelzimmer vergnügen. Plötzlich schreckt Gaby auf: Hat sie da nicht ganz kurz jemanden hinter dem Spiegel über dem Bett erblickt? Auch ein von zwei Kumpels verabredeter Tausch der Partnerinnen nimmt unverhoffte Wendungen.

Sex vor dem Spiegel kann unliebsame Überraschungen bergen …

Bei allen Defiziten, die „Terror 5“ aufgrund der Unerfahrenheit aller Beteiligten vor wie hinter der Kamera und des geringen Budgets zwangsläufig mit sich bringt, ist es doch erfrischend, mal eine etwas andere Bildsprache zu sehen zu bekommen als die übliche US-Horror-Visualisierung. Die Zombies in der Pfusch-am-Bau-Episode erinnern mit ihren hellblau leuchtenden Augen ein wenig an Aliens, fast hätte ich „White Walkers“ geschrieben – „Game of Thrones“ lässt grüßen (bis auf die Augen sehen sie aber ganz anders aus).

… oder Schönes – wenn man sich auf der anderen Seite befindet

Wie die Handlung zwischen den fünf Storys hin und her springt, wirkt nicht immer ausgefeilt und verwirrt gerade zu Anfang etwas; wenn man aber erst einmal alle Personen richtig zugeordnet hat, entfaltet der mit Humor angereicherte Horror seinen Charme, ein wenig Sozial- und Systemkritik inbegriffen. In der Qualität schwankt das auch etwas, pendelt sich aber definitiv ins Positive aus. Lasst euch nicht von dem billig zusammengeschusterten Covermotiv abschrecken! Ein bisschen scheinen den Rotsteins die Ideen ausgegangen zu sein – eine Länge von weniger als 80 Minuten ist für einen Episodenfilm fast schon zu kurz. Viel zu schnell ist das stimmungsvolle Ende mit einem schönen Bogen zum Gene-Simmons-Verschnitt auf dem Mofa erreicht. Wer Episoden-Horror goutieren kann und auch mal über den US-Tellerrand des Grauens schauen möchte, kommt auf seine Kosten.

Korrupte Politiker, nehmt euch in Acht!

Veröffentlichung: 26. Mai 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 78 Min. (Blu-ray), 75 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Terror 5
ARG 2016
Regie: Sebastian Rotstein, Federico Rotstein
Drehbuch: Nicolas Gueilburt, Sebastian Rotstein
Besetzung: Airas Alban, Augusto Alvarez, Nai Awada, Cecilia Cartasegna, Julián Larquier Tellarini
Zusatzmaterial: deutscher Trailer, Originaltrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Die Strafe kommt über euch

Fotos & Packshot: © 2017 Al!ve AG / donau film

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