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Ernest Borgnine (III): Tödlicher Segen – Wes Craven schickt Sharon Stone zu den Horror-Hethitern

18 Jun

Deadly Blessing

Von Volker Schönenberger

Horror // Mit „Das letzte Haus links“ („The Last House on the Left“, 1972) verstörte Wes Craven nachhaltig die Filmzuschauer. Das brutale Folter- und Rachedrama rief rund um den Globus Zensoren und Sittenwächter auf den Plan. 1977 schuf er die wüste Menschenjagd „Hügel der blutigen Augen“ („The Hills Have Eyes“) – auch diese Regiearbeit blieb nicht von erhobenen Zeigefingern und Beschränkungen verschont. Cravens erstmals 1984 in „Nightmare – Mörderische Träume“ („A Nightmare on Elm Street“) in Erscheinung getretener Albtraum-Schlitzer Freddy Krueger avancierte zur Ikone der Horrorfans. 1996 verabreichte der Regisseur dem Slasherfilm mit „Scream – Schrei“ dringend benötigte Impulse. Keine Frage – die Welt des Horrorfilms wäre ohne Wes Craven um einiges ärmer. Er starb 2015 im Alter von 76 Jahren.

Isaiah Schmidt wacht mit harter Hand über seine Schäfchen

Sein „Deadly Blessing“ von 1981 ist hierzulande unter den Titeln „Dem Tode geweiht“ und „Tödlicher Segen“ vermarktet worden – allerdings nicht im Kino, sondern nur auf VHS, DVD und nun auch Blu-ray. Die deutsche Koch-Films-Veröffentlichung beruht auf der US-Blu-ray von Scream Factory (Shout! Factory), erwähnenswert ist auch die englische Doppel-Disc-Edition von Arrow Video mit Blu-ray und DVD.

Der Film zeigt die damals 23-jährige Sharon Stone in einer ihrer ersten Rollen. Die Handlung ist angesiedelt in einer ländlichen Gemeinde, die von der asketisch lebenden, strenggläubigen Sekte der Hittites (Hethiter) dominiert wird, die moderne Errungenschaften ablehnt – ein Schelm, wer Amische dabei denkt. Oberhaupt der Hittites ist der gestrenge Isaiah Schmidt (Ernest Borgnine). Dessen Sohn Jim (Douglas Barr) hat die Sekte nach seiner Hochzeit mit Martha (Maren Jensen) verlassen, die Eheleute leben auf ihrer Farm „Our Blessing“ aber weiterhin in unmittelbarer Nähe.

Tod unter dem Traktor

Eines Nachts bricht mörderisches Unheil über das Ehepaar herein – Jim wird in der Scheune von seinem Traktor zu Tode gequetscht. Nach seiner Beerdigung treffen Marthas Freundinnen Lana Marcus (Sharon Stone) und Vicky Anderson (Susan Buckner) ein, um der jungen Witwe beizustehen. Das Frauentrio gerät in einen Strudel unheimlicher Ereignisse. Die Sekte lebt offenbar in großer Furcht vor einem Dämon, den sie „Incubus“ nennt (englisch für „Albdruck“) und den sie auf Marthas Farm vermutet.

Martha (l.) freut sich über die Ankunft ihrer Freundinnen

 

Religiöser Fanatismus und Wahn eignen sich ganz vortrefflich zum Erzeugen einer verstörenden Horror-Atmosphäre. Das weiß auch Wes Craven in „Tödlicher Segen“ zu nutzen, unterstützt vom angenehm zurückhaltend eingesetzten Score von James Horner („Titanic“), der stimmig zwischen leichten, geradezu romantischen Klängen und bedrohlichen Tönen schwankt. Einstellungen mit subjektiver Kamera erzeugen zudem reichlich Suspense. Eine Badewannenszene erinnert gar frappierend an eine ebensolche im drei Jahre später entstandenen „Nightmare – Mörderische Träume“. Dabei ist „Tödlicher Segen“ weniger brutal und blutig als andere Regiearbeiten Cravens, obgleich die eine oder andere Messerszene sogar an einen Giallo erinnert.

Noch ahnt Lana nicht, was sie erwartet

Die Klasse von Wes Cravens Großtaten erreicht „Deadly Blessing“ nicht. Der Kontrast zwischen den drei modernen jungen Frauen und der altertümlich lebenden Sekte wird nicht ganz ausgereizt. Ein Flirt zwischen Isaiahs anderem Sohn John (Jeff East) und der stets leicht bekleideten Vicky ist da schon das Höchste der Gefühle. Nicht ganz im Klaren bin ich mir über die schauspielerische Leistung des großen Ernest Borgnine. Betreibt er mit starrer Mimik und herrischem Gestus Overacting? Oder ist das genau die Darstellungsform, die sein Isaiah Schmidt braucht? Entscheidet selbst! Die Kritikpunkte an „Tödlicher Segen“ ändern aber nichts daran, dass die diversen Spannungssequenzen mit gutem Timing, famoser Kameraarbeit und Horners effektivem Score überaus fesselnd geraten sind. Das macht den Horrorfilm dann doch wieder sehr sehenswert, auch wenn ich im letzten Absatz einen weiteren Makel bemängle, über den Ihr aber erst nach Sichtung des Films lesen solltet. Bis dahin dürft Ihr euch über eine Frage Gedanken machen: Welche Wes-Craven-Filme außer den oben bereits genannten sollte der geneigte Horrorfan auf jeden Fall gesehen haben?

In diesem Absatz: ein massiver Spoiler

Auch das Potenzial des „Incubus“ kommt überhaupt nicht zum Tragen. Lange Zeit scheint es sich dabei nur um ein Hirngespinst der Hittites zu handeln. Ob er tatsächlich existiert und die Gegend heimsucht – die Frage stellt man sich als Zuschauer überhaupt nicht. Bis er ganz am Ende wie Kai aus der Kiste doch zum Vorschein kommt – ein Gimmick als immerhin effektvoller Schlussgag, mehr nicht, von den Produzenten gegen Wes Cravens Willen durchgesetzt. Dieser finale Twist gibt der inneren Logik von „Tödlicher Segen“ den Rest.

Eine Spinne ist noch das geringste Problem

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Wes Craven sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ernest Borgnine in der Rubrik Schauspieler.

Anschlag bei Nacht

Veröffentlichung: 8. Juni 2017 als Blu-ray und DVD, 8. Juli 2016 als Limited Collector‘s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), 11. Januar 2008 als DVD

Länge: 102 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Deadly Blessing
Alte deutsche Verleih- oder VHS-Titel: Dem Tode geweiht / Gesichter des Teufels
USA 1981
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Glenn M. Benest, Matthew Barr, Wes Craven
Besetzung: Maren Jensen, Sharon Stone, Susan Buckner, Ernest Borgnine, Jeff East, Colleen Riley, Douglas Barr, Lisa Hartman, Lois Nettleton, Michael Berryman, Kevin Cooney
Zusatzmaterial: Zwei Synchronfassungen, Audiokommentar, Interviews (ca. 55 Minuten), Teaser, Trailer, Radio-Spots, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

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18 Antworten zu “Ernest Borgnine (III): Tödlicher Segen – Wes Craven schickt Sharon Stone zu den Horror-Hethitern

  1. Frank Spahn

    2017/07/09 at 18:57

    Natürlich sind alle guten Filme hier bereits erwähnt worden.
    Ergänzen könnte ich persönlich noch:
    Chiller – Kalt wie Eis…mit einem grandiosen Michael Beck.
    Morty…mit einem fiesen langen Warten darauf, ob die olle Holzpuppe vielleicht doch ein Eigenleben hat.
    Don’t Look Down. Ein Thriller der sich mit der Angst vor Höhe beschäftigt.

    Allen viel Glück…

     
  2. stefan doblinger

    2017/07/05 at 18:44

    Das Haus der Vergessenen

     
  3. Sindy

    2017/07/05 at 16:41

    Empfehlen kann ich den Film „Das Haus der Vergessenen“:

     
  4. TomHorn

    2017/07/04 at 05:16

    Ich empfehle „The Serpent & The Rainbow“, toller Okkult-Schocker nach einem tollen Buch, und, zwar nicht ganz Horror, die trashige Comic-Verfilmung „Swamp Thing“. Der ist zwar nicht wirklich gut, dafür aber sehr einfallsreich und äußerst amüsant.

     
  5. Petra Dietrich

    2017/07/04 at 00:56

    Die wirklich gruseligen oder schockierenden wurden schon oben genannt.
    Mit fallen spontan nur noch,
    Verflucht und Vampiere in Brooklyn ein, aber die sind eher lustig, als ein Horrorfilm.

     
  6. Ralf

    2017/07/02 at 12:00

    Meine Favoriten sind (wenig überraschend) „Scream 1-2“ und „Nightmare on Elm Street“ sowie „Red Eye“.

     
  7. Gleske Daniel

    2017/07/01 at 22:28

    Das Haus der Vergessenen ..den kann ich mir immer wieder ansehen..

     
  8. Christoph Streuli

    2017/07/01 at 17:26

    Für mich ist ‚Nightmare on Elm Street‘ der mit Abstand beste Film von Wes Craven. ‚Freddy’s New Nightmare‘, ‚Scream 2‘ und ‚Hügel der blutigen Augen‘ waren auch ok und der 2. ‚The Hills Have Eyes‘-Film sicher besser als sein Ruf. Wem der erste Teil gefallen hat und wer auf so Sachen wie ‚Wrong Turn‘ steht (Hinterwäldler, Land-Mutanten oder Hillbillies), sollte auch an ‚Im Todestal der Wölfe‘ (1984) seine Freude haben. Daneben hat Wes Craven jedoch auch eins ums andere Mal weniger meinen Geschmack getroffen…^^

     
  9. Schachtschabel

    2017/07/01 at 17:08

    Für mich , bleibt Scream der beste Film

     
  10. Ingo Maaßen

    2017/07/01 at 15:26

    Ich fand „Der tödliche Freund“ und „Shocker“ gelungen 😉

     
  11. Dirk

    2017/07/01 at 13:14

    Die Schlange im Regenbogen ist einer meiner Liebsten. Der erste Feast (Craven als Mitproduzent) war auch sehr unterhaltsam. Dann noch Shocker und Verflucht. Am schlimmsten war Vampire in Brooklyn.

     
  12. Michael Behr

    2017/07/01 at 12:17

    Leider habe ich den oben genannten nichts mehr hinzuzufügen. Sowohl mit „Nightmare“ als auch mit „Scream“ war Craven zweimal zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um einem Genre neue und erfrischende Impulse einzuimpfen. Daneben verblasst alles.

     
  13. Tomasz Kordula

    2017/07/01 at 12:01

    Nightmare on Elm Street würde ich sagen.

     
  14. Filmschrott

    2017/07/01 at 09:58

    Tatsächlich hat der Mann ja gar nicht so viele Regiearbeiten aufzuweisen, wenn man halt von den „Scream“s und „Nightmare“s absieht. Die meisten anderen wurden ja schon erwähnt.

    Deshalb nenne ich einfach mal einen, den er „nur“ produziert hat, den ich aber damals ziemlich geil fand: „Wishmaster“. Die Story um einen bösen Dschinn, der Wünsche auf seine Art und Weise erfüllt, hat einfach was und schon die ersten Sekunden zeigen, dass es hier richtig übel zur Sache geht. Leider gibt es soweit ich weiß immer noch keine brauchbare DVD-Auswertung auf diesem Planeten.

     
  15. Gumble316

    2017/07/01 at 09:25

    Red Eye

     
  16. Thomas

    2017/07/01 at 09:24

    Das Haus der Vergessenen von 1991. Kann man nur ausleihen (Index). Im Fernsehen extrem gekürzt.

     
  17. Sebastian Graf

    2017/07/01 at 09:19

    Ich kann dem eigentlich keinen Film hinzufügen, da ich den schon genannten HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN schon für sich sehr empfehlen würde!

     
  18. Mike Hennig

    2017/06/18 at 13:42

    Zwei Wes Craven Filme fallen mir da ein, die der geneigte Fan unbedingt mal gesehen haben sollte:

    1. My Soul to take

    Ich weiβ gar nicht, warum der Film so verkannt wird, bzw. so wenig Aufmerksamkeit erhält. Der Film hat einen ähnlichen Humor wie Scream und trägt in der Inszenierung deutlich Craven’s Handschrift.

    2. Die Schlange im Regenbogen

    Das ist ein hervorragender Beitrag im Voodoo-Genre, der mir nach Sichtung eine schlaflose Nacht bescherte. Die Alptraumsequenzen haben ein bisschen was von Nightmare on Elm Street, und der Cast ist perfekt besetzt. Besonders Bill Pullman gefiel mir auβerordentlich gut.

     

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