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The Editor – Der erste Giallo aus Kanada

25 Jun

The Editor

Von Andreas Eckenfels

Horrorkomödie // Bereits mit ihrem ersten Langfilm sorgte die kanadische Produktionsfirma Astron-6 für Furore: Ähnlich wie Jason Eisener mit „Hobo with a Shotgun“ (2011) erregten die Filmemacher Matthew Kennedy, Conor Sweeney, Adam Brooks, Jeremy Gillespie und Steven Kostanski („The Void“) mit einem Fake-Grindhouse-Trailer das Interesse eines Filmproduzenten. Es handelte sich um keinen Geringeren als Lloyd Kaufmann, seines Zeichens Gründer der legendären Billigfilm-Kultschmiede Troma Entertainment. Für 10.000 US-Dollar durften sie „Father’s Day“ (2011) drehen, der unter Genrefans gefeiert und beim Toronto After Dark Film Festival 2011 mit fünf Preisen bedacht wurde. Kurze Zeit später ereilte den Film allerdings das gleiche Schicksal wie „Hobo with a Shotgun“: Aufgrund der gezeigten Gewaltausbrüche wurde „Father’s Day“ in Deutschland kurz nach der Heimkino-Veröffentlichung auf den Index gesetzt.

Der einst gefeierte Filmeditor Rey Ciso verlor auf tragische Weise vier Finger

In „The Editor“ geht es nicht ganz so deftig und geschmacklos zur Sache. Dennoch ist es überraschend – und sehr erfreulich –, dass die Hommage an das Giallo-Genre mit ihren grotesken Mordszenen hierzulande ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben wurde. Ein Großteil der Filmemacher des Astron-6-Teams ist erneut in Mehrfachfunktion als Regisseur, Darsteller oder Drehbuchautor im Einsatz gewesen. Diesmal hatte das Team stolze 100.000 Dollar als Budget zur Verfügung.

Filmeditor unter Mordverdacht

Einst galt Filmeditor Rey Ciso (Adam Brooks) als einer der größten Meister seines Faches. Doch seit einem folgenschweren Unfall, bei dem er vier Finger verlor, muss er sich nun mit dem Schnitt von Schundfilmen über Wasser halten. Als ein Serienkiller die Darsteller des Machwerks, an dem er gerade arbeitet, nach und nach abmurkst, gilt Rey für Kommissar Porfiry (Matthew Kennedy) bald als Hauptverdächtiger. Um seine Unschuld zu beweisen, muss Rey den wahren Täter auf eigene Faust überführen.

Dr. Casini kümmert sich um Rey

Dass die Jungs von Astron-6 leidenschaftliche Filmfans sind, merkt man „The Editor“ jede Sekunde an. Die derzeit vorherrschende Retro-Welle nutzen sie dazu, dem Giallo ihre Ehre zu erweisen. Das Team versteht sein Handwerk und weiß auch das bescheidene Budget bestmöglich einzusetzen. Von der Bildsprache über die Musik bis hin zum Legen falscher Fährten und den brutalen Morden aus der Egoperspektive des Killers findet man die formalen Merkmale des Genres perfekt wieder.

Absichtlich unfreiwillig komisch

Doch Vorsicht sei geboten: Wer einen ernstzunehmenden Thriller erwartet, sollte Abstand halten. Die Macher sind nicht groß an Spannungsaufbau interessiert, vielmehr spielen sie genüsslich mit den Elementen, die für heutige Verhältnisse in den italienischen Thrillern- und Horrorfilmen der 60er- und 70er-Jahre häufig unfreiwillig komisch wirken. Das Spiel der Darsteller ist mit voller Absicht extra hölzern geraten, die eingestreuten Sexszenen wirken etwas deplatziert und zumindest in der von mir gesichteten englischen Originalfassung wurden auch die meisten Dialoge ebenso mies nachsynchronisiert, wie es auch damals üblich war.

Die Mordserie am Filmset reißt nicht ab

Besonders Giallo-Fans werden ihren Spaß an dieser Persiflage haben und auch die zahlreichen Anspielungen auf die Klassiker von Dario Argento, Lucio Fulci oder Paolo Cavara mit Vergnügen zur Kenntnis nehmen. Dazu konnten für den laut den Machern „ersten Giallo aus Kanada“ auch Udo Kier und Laurence R. Harvey („The Human Centipede II (Full Sequence)“) für Gastauftritte gewonnen werden.

Zitate wie aus Fulcis „Über dem Jenseits“ sind in „The Editor“ allgegenwärtig

Veröffentlichung: 23. Juni 2017 als Blu-ray, DVD und Limited Mediabook Edition (Blu-ray und DVD, limitiert auf 3.500 Stück)

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Editor
KAN 2014
Regie: Adam Brooks, Matthew Kennedy
Drehbuch: Adam Brooks, Matthew Kennedy, Conor Sweeney
Besetzung: Adam Brooks, Matthew Kennedy, Conor Sweeney, Paz de la Huerta, Samantha Hill, Brett Donahue, Udo Kier, Laurence R. Harvey, Jerry Wasserman
Zusatzmaterial: Trailer, Making-of, Featurettes
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshots: © 2017 Al!ve AG / Pierrot Le Fou

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Eine Antwort zu “The Editor – Der erste Giallo aus Kanada

  1. Markus

    2017/09/06 at 21:05

    Super film ! Gute kritik !

     

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