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Rings – Samara wird digital

08 Jul

Rings

Von Andreas Eckenfels

Horror // Horrorfilme aus Japan, kurz J-Horror genannt, erlebten rund um das Jahr 2000 ihre Blütezeit. Findige Hollywood-Produzenten erkannten das Potenzial der fernöstlichen Gruselstoffe und schon bald spukten Remakes von „Kairo“ (2001) oder „Ju-on“ (2002) auf westlichen Kinoleinwänden herum. Mindestens eines davon konnte es tatsächlich in Sachen Gänsehaut-Stimmung mit dem Original aufnehmen: „The Ring“ (2002), die Neuverfilmung von „Ringu“ (1998), verstörte mit surrealen Albtraumbildern und hatte mit Samara Morgan eine höchst furchteinflößende, aber auch tragische Horrorfigur zu bieten. 2005 folgte eine nicht mehr ganz so erfolgreiche Fortsetzung, danach schien der Fluch endgültig gebannt.

Horrorclip im Extended Cut

Doch knapp zwölf Jahre später kehrt das Mädchen mit den langen schwarzen Haaren vor dem Gesicht zurück. In „Rings“ muss diesmal kein Film auf einer abgenudelten analogen VHS-Kassette gesichtet werden, um Samara zu erwecken. Nein, ganz zeitgemäß wird der beunruhigende Clip als digitale Videodatei verbreitet. Doch auch hier gilt: Nach der Sichtung des Filmausschnitts erhält der Zuschauer einen Anruf, der ihm mitteilt, dass er nur noch sieben Tage zu leben habe. Allerdings erfahren wir in der zweiten Fortsetzung, dass sich der Uni-Professor Gabriel (Johnny Galecki) mit einigen Studenten ausgiebig mit dem Ursprung des Bösen beschäftigt hat. So genügt es nun, dass die Datei mit einem Mausklick kopiert wird, damit der Fluch auf das nächste Opfer überspringt, sofern sich dieses das Video auch ansieht.

Julia steht unter dem Fluch von Samara

Nachdem Julia (Matilda Anna Ingrid Lutz) von ihrem Freund Holt (Alex Roe) schon seit Tagen nichts mehr gehört hat, macht sie sich auf dem Campus auf die Suche nach ihm. Es kommt, wie es kommen muss: Um Holt zu retten, schaut sie sich das Samara-Video an. Doch seltsamerweise kann Julia nicht von dem Fluch erlöst werden. Der Horrorclip lässt sich nicht mehr kopieren. Außerdem hat sie offenbar einen Extended Cut gesehen. Ihre Videodatei besitzt eine längere Laufzeit und enthält neue mysteriöse Szenen, die nie zuvor darin gewesen waren, wie Professor Gabriel bestätigt. Julia und Holt müssen tief in Samaras Vergangenheit graben, um ihren Todes-Countdown doch noch stoppen zu können.

Sechs Minuten reichen aus

Eigentlich war geplant, dass „Rings“ in 3D im November 2015 in den weltweiten Kinos starten soll. Doch daraus wurde nichts. Die Fortsetzung blieb zweidimensional und kam nach etlichen Verschiebungen schließlich erst Anfang 2017 auf die Leinwand. Die Regie übernahm F. Javier Gutiérrez, der 2008 mit „72 Stunden – Deine letzten 3 Tage“ sein viel beachtetes Langfilmdebüt ablieferte. Allerdings blieb das SF-Drama bis „Rings“ seine einzige Arbeit. Atmosphärisch ist dem Spanier das Horror-Sequel auch durchaus ordentlich gelungen. Dennoch erreicht es nie die Intensität des ersten Teils, es kann dem Franchise keine neuen Facetten hinzufügen.

Wer krabbelt denn da aus dem Flatscreen?

Nach einem vielversprechenden Auftakt, bei dem das Gruselmädchen über den Wolken für Angst und Schrecken sorgt und später aus einem Flatscreen herauskrabbelt, ist es schon vorbei mit den Schock-Momenten. Was folgt ist eine weitere langatmige Aufarbeitung von Samaras Geschichte, welche zunehmend immer verwirrender wird und weniger Sinn ergibt. Die beiden Jungstars Matilda Anna Ingrid Lutz und Alex Roe („Die 5. Welle“) geben zwar ein attraktives Paar ab, können ihren Figuren aber kein wirkliches Profil verleihen. Ähnlich wie sein Kollege Jim Parsons in „Visions“ hatte „The Big Bang Theory“-Star Johnny Galecki wohl auch mal Lust, in einem Horrorfilm mitzuspielen, um die Drehpause bei der Erfolgs-Sitcom zu überbrücken. Vielleicht dachten die Produzenten auch, dass sein Name ein paar zusätzliche Fans in die Kinos lockt, die zuvor noch nichts von der „Ring“-Reihe gehört haben. Viel zu tun, außer etwas grimmig zu schauen und über einige wissenschaftliche Theorien zu fabulieren, hat er nicht.

Professor Gabriel untersucht das Geheimnis des Videos

Lediglich immer dann, wenn Samara auftaucht, wird es auch ein wenig gruselig. Allerdings ist ihre Screentime äußerst begrenzt. Im Grunde kann man sich die etwa 100 Minuten Lauflänge sparen und stattdessen nur das kurze Featurette „Unheimliche Szenen“ im Bonusmaterial der Blu-ray ansehen. Darin fassen die Darsteller wirklich alle schaurigen Sequenzen mit den nötigen Ausschnitten aus „Rings“ wunderbar zusammen. Der Clip dauert etwas mehr als sechs Minuten …

Julia und Holt stöbern in Samaras Vergangenheit

Nach der Fortsetzung des „Ring“-Franchises soll nun auch ein US-Reboot von „The Grudge“ in Produktion gehen. Sam Raimi wird dabei als Produzent und Nicolas Pesce („The Eyes of My Mother“) als Regisseur und Drehbuchautor fungieren. In Japan sind sie da schon einen Schritt weiter. In „Sadako vs. Kayako“ (2016) kommt es zum ultimativen Schlagabtausch der dämonischen Wesen aus „Ringu“ und „Ju-on“. Der J-Horror ist also noch lange nicht tot.

Veröffentlichung: 15. Juni 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 102 Min. (Blu-ray), 98 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, u.a.
Untertitel: Deutsch, Englisch, u.a.
Originaltitel: Rings
USA 2017
Regie: F. Javier Gutiérrez
Drehbuch: David Loucka, Jacob Estes, Akiva Goldsman
Besetzung: Matilda Anna Ingrid Lutz, Alex Roe, Johnny Galecki, Vincent D’Onofrio, Aimee Teegarden, Bonnie Morgan
Zusatzmaterial: Der Kreis des Schreckens schließt sich, Wiederbelebung der Toten: Die Rückkehr von Samara, nur Blu-ray: Unheimliche Szenen, entfallene, erweiterte und alternative Szenen
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2017 Universal Pictures Germany GmbH

 

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