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Personal Shopper – Zeichen aus dem Jenseits

10 Jul

Personal Shopper

Von Andreas Eckenfels

Mystery-Drama // Während sich „Der Herr der Ringe“-Star Elijah Wood und „Harry Potter“-Darsteller Daniel Radcliffe nach dem Ende ihrer Film-Reihen, durch die sie einem Millionenpublikum bekannt wurden, zunehmend in kleinen Indie-Filmen wie „Cooties“ beziehungsweise „Swiss Army Man“ tummeln, haben sich die „Twilight“-Stars Robert Pattinson und Kristen Stewart dem Arthouse-Kino verschrieben. Pattinson spielte unter anderem für David Cronenberg („Maps to the Stars“) und wurde in diesem Jahr für seine Rolle in „Good Time“ bei den Filmfestspielen in Cannes von den Kritikern gefeiert. Seine Kollegin Stewart ist ihm dank ihrer Kollaboration mit dem französischen Filmemacher Olivier Assayas bereits einen Schritt voraus: Für ihre Leistung in dessen Drama „Die Wolken von Sils Maria“ gewann sie als erste amerikanische Schauspielerin überhaupt den französischen Filmpreis César als beste Nebendarstellerin. Nun übernahm Stewart die Hauptrolle in „Personal Shopper“ für den Assayas 2016 in Cannes den Preis für die beste Regie gewann. Auf dem Filmfest Hamburg feierte das Mystery-Drama 2016 seine Deutschland-Premiere.

Geheimnisvolle Textnachrichten

Maureen (Kristen Stewart) arbeitet in Paris als persönliche Einkäuferin der High-Society-Frau Kyra (Nora von Waldstätten). Dafür fährt die Amerikanerin in der französischen Hauptstadt mit ihrem Moped nicht nur von einer edlen Boutique zur nächsten, sondern sie setzt sich auch mal in den Eurostar nach London, um ihrer Chefin den neuesten Modetrend von der Insel zu besorgen. Was für viele junge Frauen wie ein Traumjob klingt, ist für Maureen nicht mehr als ein Mittel zum Zweck. Sie fühlt sich von der gut bezahlten Arbeit zunehmend gelangweilt, eingeengt in ihren Möglichkeiten und sehnt sich danach, Paris endlich zu verlassen.

Maureen hat ein gutes Auge dafür, welches Kleid ihrer Chefin Kyra stehen wird

Doch eine Sache hält die 27-Jährige in der Stadt an der Seine: Vor einigen Monaten verstarb überraschend ihr Zwillingsbruder Lewis. Die Geschwister waren beide als Medium tätig und versprachen sich einst: Wer auch immer von ihnen zuerst sterben würde, gibt dem anderen ein Zeichen aus dem Jenseits. Im ehemaligen Haus ihres Bruders hofft Maureen, mit ihm in Kontakt zu treten. Eines Tages erhält sie auf ihrem Smartphone geheimnisvolle Nachrichten von einer unbekannten Nummer. Handelt es sich bei dem Absender wirklich um Lewis oder erlaubt sich vielleicht Ingo (Lars Eidinger), der Freund von Kyra, nur einen Scherz mit Maureen?

Brillante Kristen Stewart

Kristen Stewart liefert unter der Regie von Olivier Assays ein weiteres Mal eine brillante Darbietung ab. Sie ist keine Darstellerin der großen Emotionen, die jede Szene komplett auskostet. Stewart setzt vielmehr auf ein sehr zurückhaltendes Spiel, welches ihrer Figur die nötige Authentizität verleiht. Maureen trauert um ihren Bruder, und wird immer mehr selbst zu einer Art Geist, der in der realen Welt umherwandert und sehnlichst auf das eine Zeichen aus dem Jenseits wartet, um endlich mit ihrem Leben fortfahren zu können. Nur wenn sie konzentriert versucht, ihre Leidenschaft für das Spirituelle für andere in Worte zu fassen, blüht die nachdenkliche Frau auf. Ein Vorbild ist ihr dabei die schwedische Malerin Hilma af Klint, deren Arbeit im Film thematisiert wird.

Nonverbale Kommunikation

„Personal Shopper“ ist weniger ein Spukfilm als ein Drama über eine junge Frau auf Sinn- und Identitätssuche. Assayas gelingt es dennoch, eine geisterhafte Atmosphäre zu erzeugen. Schade, dass er diese Stimmung nicht komplett durchhält. So ist es Maureen gewöhnt, dass sie im Luxus-Appartement ihrer Chefin immer wieder handgeschriebene Nachrichten mit Aufgaben vorfindet, wenn sie dort neue Klamotten abliefert. Später bricht Assayas allerdings damit, indem er Kyra, dargestellt von der deutschen Schauspielerin Nora von Waldstätten, leibhaftig zeigt. Zwar gelingt es Maureen auch hier nicht, mit ihrer nervigen Chefin zu sprechen, da diese aufgrund einer Telefonkonferenz dafür keine Zeit hat. Dennoch wäre alles noch einen Hauch mysteriöser und traumhafter geblieben, wenn der Zuschauer Kyra nicht zu Gesicht bekommen hätte. Dies hätte dann auch bestens zu der nonverbalen Kommunikation zwischen Maureen und dem fremden Absender der Textnachrichten gepasst, die sie im Verlauf des Films plötzlich erhält.

Im Haus ihres Bruders wartet Maureen nachts auf ein Zeichen

Wie Assayas im Zuschauergespräch nach der Vorstellung auf dem Filmfest Hamburg berichtete, waren für ihn diese Szenen eine besondere Herausforderung. Über einen langen Zeitraum hinweg sehen wir Maureen beim Tippen auf dem Smartphone, wobei das Bild immer wieder auf die Ansicht des Displays wechselt. Es ist eine Meisterleistung, wie der Regisseur nur mit Textnachrichten, die mal schneller und mal langsamer eintrudeln, Spannung erzeugt.

Kyras Freund Ingo interessiert sich für Maureens Hobby

Nicht alle Zuschauer werden mit dem Ende des Mystery-Dramas zufrieden sein. Auch ein paar wenige Kritiker in Cannes sollen darüber lautstarke Unmutsäußerungen abgegeben haben. Aber egal, ob dieses einem gefällt oder nicht, bleibt „Personal Shopper“ allein schon aufgrund Kristen Stewarts herausragender Performance absolut empfehlenswert.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kristen Stewart sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Der Verfasser der Textnachrichten verführt Maureen dazu, eines von Kyras Kleidern anzuziehen

Veröffentlichung: 23. Juni 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 105 Min. (Blu-ray), 101 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Personal Shopper
F/D/CZ 2016
Regie: Olivier Assayas
Drehbuch: Olivier Assayas
Besetzung: Kristen Stewart, Lars Eidinger, Sigrid Bouaziz, Anders Danielsen Lie, Nora von Waldstätten, Benjamin Biolay
Zusatzmaterial: Interview mit Kristen Stewart, Expertengespräch, Spiritismussitzung in Jersey, Trailershow, Hörfilmfassung, Wendecover
Vertrieb: Weltkino Filmverleih

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Weltkino Filmverleih

 

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