RSS

AfterDeath – Die Hölle sind die anderen

11 Jul

AfterDeath

Von Volker Schönenberger

For all have sinned, and fall short of the glory of God. (Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren, Römer 3,23, zu Beginn des Films eingeblendete Texttafel)

Horrordrama // Eine Frau kommt an einem grauen Strand zu Bewusstsein. Sie irrt umher – wir bekommen die Ego-Perspektive zu sehen – und wird von sonderbaren Rauchdetonationen verschreckt. Im Sand erscheint ein Schriftzug: Even the good are damned – auch die Guten seien verdammt. Sie fühlt sich den Puls, kann aber keinen ertasten. Das Bild wechselt von der subjektiven Kamera weg, nun bekommen wir die Frau auch zu sehen. Robyn (Miranda Raison) erreicht ein Haus, in dem es Patricia (Elarica Johnson) und Livvy (Lorna Nickson Brown) gerade mit Seb (Sam Keeley) treiben. Eine weitere Frau, Onie (Daniella Kertesz), schlitzt sich in einem Nebenraum die Unterarme auf, wie ein Abziehbild einer Borderlinerin, doch Blut fließt keines.

Robyn will das Geheimnis ihres Todes ergründen

Schnell wird Robyn aufgeklärt: Sie sind alle tot. Die anderen machen zwar kein großes Gewese darum, Robyn jedoch gibt sich nicht damit zufrieden, anscheinend in einer Art Zwischenwelt gelandet zu sein. Sie versucht, dem Mysterium auf den Grund zu gehen. Was hat die fünf an diesem Ort zusammengebracht? Was verbindet sie? Was für ein Ort ist das überhaupt?

Nachtod-Schauder aus England

Die beiden britischen Regisseure Gez Medinger und Robin Schmidt drehten ihr Langfilm-Debüt bereits 2015 – es feierte seine Premiere beim Londoner FrightFest im Oktober des Jahres. Etwas überraschend, dass es das intelligente und frei von lautstarken Schocker-Muskelspielen inszenierte Horrordrama erst im Juni 2017 nach Deutschland geschafft hat. Ohne dass „AfterDeath“ beispielsweise beim Fantasy Filmfest gelaufen ist, hat das ansonsten gar nicht unbedingt als Horrorspezialist bekannte kleine Label Studio Hamburg Enterprises sich den Film gesichert – und gut daran getan.

Seb hingegen hat andere Absichten

Die teils kammerspielartige Inszenierung, das eng begrenzte Setting und der Fokus auf Dialogen rücken „AfterDeath“ in die Nähe eines Bühnenstücks. Eine Adaption fürs Theater ist denkbar und nicht ohne Reiz. Schuld und Sühne sind Thema, aber da – siehe oben – selbst die Guten verdammt sind, reicht das als Erklärung für das sonderbare Schattendasein des Quintetts nicht aus.

Jean-Paul Sartre lässt grüßen

Apropos Theater: „Geschlossene Gesellschaft“ lautet der Titel eines 1944 uraufgeführten Dramas von Jean-Paul Sartre, dem Vordenker des Existenzialismus. Darin finden sich die Protagonisten nach ihrem Tod in einem Raum zusammengesperrt wieder und versuchen, die Schuld der anderen zu ergründen. Die Parallelen zu „AfterDeath“ sind unübersehbar und reizvoll, gleichwohl das unter Horrorfans nicht gerade größtes Interesse hervorrufen wird.

Religion, aber nicht zu viel

An Spannung mangelt es bisweilen etwas, und auch das abrupte Ende des Films und einige offen bleibende Fragen sind angetan, manche Filmgucker abzuschrecken. Bedauerlich, denn obwohl man den visuellen Effekten das geringe Budget des in der englischen Grafschaft Norfolk gedrehten Films ansieht, entfaltet er mit seiner farblich zurückgenommenen grau-blauen Anmutung doch einen besonderen Reiz. Und trotz des Nachtod-Sujets und einiger religiöser Verweise bleibt uns übermäßige Bibel-Metaphorik doch erspart. „AfterDeath“ hat ein Publikum verdient, das sich auf ihn einlässt und ihn auf sich wirken lässt, dann ziehen einen Atmosphäre und Rätselhaftigkeit in ihren Bann.

Was geschieht nach dem Tod mit uns?

Veröffentlichung: 2. Juni 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: AfterDeath
GB 2015
Regie: Gez Medinger, Robin Schmidt
Drehbuch: Andrew Ellard
Besetzung: Miranda Raison, Sam Keeley, Elarica Johnson, Lorna Nickson Brown, Daniella Kertesz, Joe Passarella, Kudzi Hudson
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Studio Hamburg Enterprises

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: