RSS

Don Siegel (VIII): Die Dämonischen – Bloß nicht einschlafen!

15 Jul

Invasion of the Body Snatchers

Von Simon Kyprianou

SF-Horror // Je abstrakter die Bedrohung und je mehr sie an das alltägliche Leben gekoppelt ist, je unsichtbarer sie bleibt, desto wirkungsvoller ist sie. In „Die Dämonischen“ werden die Mitmenschen, die Nachbarn, Freunde, Familienangehörige zu den titelgebenden Dämonischen. John Carpenter hat das später ebenso konzipiert: In „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982) kann das Alien die Form seiner Opfer annehmen, bei „Sie leben“ (1988) sind es ebenfalls Mitmenschen, die unbemerkt durch Außerirdische ausgetauscht wurden. Auch Robert Rodriguez verwendete das Motiv parodistisch angehaucht 1998 in „Faculty – Trau keinem Lehrer“.

Siegel setzt die langsam anwachsende Paranoia in dem sorgfältig inszenierten Kleinstadtsetting effektiv um. Wenn Dr. Miles Bennell (Kevin McCarthy) und seine Freundin Becky Driscoll (Dana Wynter) bar jeden Zweifels herausgefunden haben, dass eine fremde Macht ihre Opfer des freien Willens und ihrer Gefühle beraubt, findet der Film in der zweiten Hälfte zu seinem Höhepunkt. Die beiden werden gefangen und eingesperrt. Sie wissen: Sobald sie einschlafen, werden auch sie durch gefühllose Hüllen ersetzt. In einer herzzerreißenden Szene sagt Mary, sie wolle lieben und sie wolle leiden. Kurz darauf kämpfen sie mit dem Schlaf und planen verzweifelt ihre Flucht. Siegels Inszenierung ist handwerklich gewohnt sicher und kompakt, „Die Dämonischen“ ist wunderbar ökonomisch erzählt.

Der Horror wartet im Schlaf

Der Transformations-Prozess an sich ist furchteinflößend, das bloße Einschlafen genügt, es ist etwas das zum alltäglichen Leben, zum Menschsein dazugehört. Wie auch Wes Craven später das unabwendbare Einschlafen als Ursprung seines Horrors in „Nightmare – Mörderische Träume“ (1984) gemacht hat.

Die Bedrohung einer fremden Macht, die Menschen ihrer Gefühle und ihres Willens beraubt, wurde in der Rezeption unterschiedlich gedeutet: Sie kann für die Furcht vor kommunistischer Unterwanderung der Vereinigten Staaten stehen, andere stellen fest, dass es genauso gut eine Kritik am McCarthy-Regime sein könnte, das auch versuchte, Gedanken, Meinungen und Gefühle gleichzuschalten. Beide Lesarten sind denkbar, der Film lässt keine Gewissheit zu. Don Siegel kommentiert das nur insofern, als er sich als unpolitischer Regisseur positioniert, sich aber gleichzeitig als Privatperson den Linken zurechnet. Die Rahmenhandlung lässt zwar eher erstgenannte Deutung vermuten, sie war dem Regisseur aber vom Studio aufgenötigt worden, Siegel selbst war damit nicht zufrieden. Außerdem lässt die Rahmenhandlung Siegels eigentliches Schlussbild verblassen, ein Bild des Schreckens und der Ungewissheit. Diese Widersprüchlichkeiten und Uneindeutigkeiten machen den ohnehin hervorragenden Film nur noch interessanter.

Erste Verfilmung des Romans von Jack Finney

Jack Finneys Romanvorlage wurde später mehrfach erneut verfilmt. In „Die Körperfresser kommen“ spielten 1978 unter anderen Donald Sutherland, Leonard Nimoy und Jeff Goldblum unter der Regie von Philip Kaufman. 1993 verlegte Abel Ferrara die Handlung in „Body Snatchers – Angriff der Körperfresser“ auf einer US-Militärbasis. Der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel schließlich inszenierte 2007 „Invasion“ mit Nicole Kidman und Daniel Craig.

Die 2006 veröffentlichte deutsche DVD von „Die Dämonischen“ ist nach wie vor lieferbar. Eine angemessene Edition auf Blu-ray erscheint wünschenswert.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Don Siegel sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 6. Oktober 2006 als DVD

Länge: 77 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Invasion of the Body Snatchers
USA 1956
Regie: Don Siegel
Drehbuch: Daniel Mainwaring, nach einem Roman von Jack Finney
Besetzung: Kevin McCarthy, Dana Wynter, Larry Gates, King Donovan, Carolyn Jones, Jean Willes
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2017 by Simon Kyprianou
Packshot: © 2006 Studiocanal Home Entertainment

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: