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Shocker – Der Serienkiller in der Stromleitung

05 Aug

Shocker

Von Volker Schönenberger

Horror // Zu den großen Killer-Ikonen des Horrorgenres ist Horace Pinker (Mitch Pileggi, „Akte X“) nie aufgestiegen. Liegt’s an der Tricktechnik des im Oktober 1989 in die Kinos gekommenen „Shocker“, die schon damals wenig beeindruckte und nach heutigen Maßstäben arg billig wirkt? Bösartig genug ist der elektrifizierte Serienmörder jedenfalls – und kurios genug die Handlung. Im April 2016 reihte sich „Shocker“ nach 25 Jahren in die lange Phalanx vormals indizierter Horrorfilme ein, die nun frei verkäuflich sind. Die FSK-16-Freigabe geht völlig in Ordnung, trotz der Bösartigkeit des mit breitem Messer wedelnden Schurken haben wir es keineswegs mit einem Metzel-Festival zu tun. Zwar gibt es viel Blut zu sehen, Splatter und Gore halten sich aber in Grenzen. Zwar wurden einige drastische Szenen gedreht, sie fielen jedoch am Schneidetisch dem Wunsch nach einer niedrigen Altersfreigabe zum Opfer.

Jonathan erlebt das Grauen

In der Hauptrolle als von Pinker gejagter Teenager Jonathan: Peter Berg, der später auf den Regiestuhl umsattelte und sich zuletzt mit „Boston“ und „Deepwater Horizon“ als versierter Actionthriller-Spezialist zeigte. Jonathan ist als Waisenjunge beim Police Detective Don Parker (Michael Murphy) aufgewachsen, zeigt Talent beim American Football und hat mit Alison (Camille Cooper) eine reizende Freundin. Sein Stiefvater jagt gerade einen Serienmörder, der sein Unwesen rund um Los Angeles treibt. Eines Abends kommt der Killer zu den Parkers ins Haus und ermordet Dons Ehefrau und zwei leibliche Kinder. Jonathan scheint auf sonderbare Weise telepathisch mit dem Täter verbunden zu sein.

Pinker landet auf dem elektrischen Stuhl …

Originell wird das Ganze, nachdem der Killer endlich gefasst wurde und zügig auf den elektrischen Stuhl verfrachtet wird: Die vermeintlich tödlichen Stromstöße versetzen Pinker in einen Zustand reiner Elektrizität. Das versetzt ihn in die Lage, durch Stromleitungen und Fernseher – er ist ja TV-Monteur – in bedauernswerte Unschuldige einzudringen und sich ihrer Körper zu bemächtigen, um so weiterhin seine Mordgier ausleben zu können. Komplett überkandidelt gerät das Ganze, wenn Pinker und Jonathan zum Finale beide in Fernsehsendungen hineinhechten und bei ahnungslosen Familien durch die Röhre ins Wohnzimmer eindringen.

… und bemächtigt sich erst eines weiblichen Körpers …

Fans von 80er-Metal kommen auf ihre Kosten. Zu Beginn ertönt die Stimme von Paul Stanley (KISS), der mit den Dudes of Wrath den Titelsong intoniert. Megadeth covern Alice Coopers „No More Mr. Nice Guy“ – die Zeile ist im Film auch einmal aus Pinkers Mund zu hören – dabei war er doch nie ein Mr. Nice Guy. Sogar die deutsche Band Bonfire steuert einen Titel bei.

… und bald sogar eines Polizisten

Angesichts von Großtaten wie „The Last House on the Left“ (1972), „Nightmare – Mörderische Träume“ (1984) und der Slasher-Reflektion „Scream – Schrei!“ (1996) ist ein eher halbgarer Streifen wie „Shocker“ nicht angetan, an Wes Cravens verdientem Denkmal zu kratzen. Unterhaltsam ist er allemal, und sei es als nostalgischer Trip in die 80er. Sein originelles Potenzial des Killers im Kabel reizt er sogar gut aus, die Figurenkonstellationen reißen aber nicht vom Hocker. Ich habe keine Erinnerung daran, ob ich den Film um 1990 herum oder später überhaupt gesehen habe. Die anlässlich der Blu-ray- und DVD-Veröffentlichung von Studiocanal erfolgte Sichtung von „Shocker“ – ob Premiere oder nicht – wird wohl meine letzte bleiben.

Vision oder Realität?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Wes Craven sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 20. Juli 2017 als Blu-ray und DVD, 10. März 2017 als 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 2 Covervarianten à 500 Exemplare), 17. November 2006 als DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD), 101 Minuten (gekürzte Fassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, nur Blu-ray: Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, nur Blu-ray: Französisch
Originaltitel: Shocker
USA 1989
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Wes Craven
Besetzung: Michael Murphy, Mitch Pileggi, John Tesh, Heather Langenkamp, Richard Brooks, Sam Scarber, Ted Raimi, Virginia Morris, Emily Samuel, Bingham Ray
Zusatzmaterial: Dokumentation: The Music of Shocker, Storyboard vs. Film – Ein Vergleich, Interviews, Audiokommentar, Trailer, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Studiocanal Home Entertainment

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