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Robert Mitchum (III) / Howard Hawks (IV): El Dorado – Klasse auch im zweiten Aufguss

07 Aug

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El Dorado

Von Simon Kyprianou

Western // Der Stoff von „Rio Bravo“ gefiel Howard Hawks offenbar so gut, dass er ihn gleich drei Mal bearbeitet hat: acht Jahre nach „Rio Bravo“ in „El Dorado“, weitere drei Jahre später in seinem letzten Kinofilm „Rio Lobo“. Und er ist in der Tat wunderbar, es ist eine Story, die es erlaubt, große Dramen auf kleinem Raum verdichtet intim auszutragen. In „El Dorado“ sind die Protagonisten Cole Thornton (John Wayne), der versoffene Sheriff J. P. Harrah (Robert Mitchum) und der junge Mississippi (James Caan), den Thornton auf einer seiner Reisen aufgegabelt hat. Dieses Trio muss die Stadt El Dorado und den kleinen Farmer MacDonald (R. G. Armstrong) vor den Revolvermännern beschützen, die der große Farmer Bart Jason (Edward Asner), angeheuert hat – der ist scharf auf MacDonalds Land.

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Thornton (l.) und der Sheriff verbarrikadieren sich

Auch in seinen Komödien hat Hawks ja ähnliche Stoffe wiederholt verfilmt, so folgen zum Beispiel „Leoparden küsst man nicht“ (1938) und „His Girl Friday – Sein Mädchen für besondere Fälle“ (1940) ähnlichen Strukturen und verhandeln dieselben Themen. Nicht umsonst haben die Filmkritiker der Nouvelle Vague ihre sogenannte Auteur-Theorie im Hinblick auf Studiosystem-Regisseure, unter anderem Hawks, aufgestellt, da diese Regisseure, auch wenn sie nicht ihre eigenen Stoffe geschrieben haben und innerhalb eines mächtigen Studiosystems arbeiteten, eine prägnante Handschrift in ihren Filmen hinterließen.

Dabei variiert Hawks in den Western aber auch die Schwerpunkte: „Rio Bravo“ ist, obwohl er länger ist, der vertikaler erzählte, stringentere, „nacktere“, anmutigere Film, „El Dorado“ erzählt mehr in die Breite, ist verspielter. Hawks erzählt zuerst eine ausladende, tragische Exposition, gefolgt von einem Zeitsprung, an den sich die Haupthandlung anschließt, die mehr oder weniger identisch mit der von „Rio Bravo“ ist. John Wayne spielt wie gehabt die Hauptrolle, die Rolle von Dean Martin spielt jetzt Robert Mitchum, die Rolle von Ricky Nelson der junge James Caan. Schauspielerischer Gottesdienst also.

Kraftvoll und mit schmutzigem Finale

Hawks inszeniert die Geschichte der in die Enge getriebenen Männer wie gehabt kraftvoll. Durch die Risse im lustigen, verspielten Tonfall blitzen auch in „El Dorado“ immer wieder die Verzweiflung und Angst der Männer durch. Das finale Duell in „El Dorado“ hingegen ist wesentlich schmutziger geraten als in „Rio Bravo“: John Waynes Thornton ballert sein Gegenüber – der glaubt, es komme zu einem fairen Duell – einfach so weg, ohne ihm eine Chance zu lassen, weil er zu gut sei, als dass Thornton ein Risiko eingehen könne. Das ist ungewöhnlich kalt und hart.

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Mississippi bandelt mit der Tochter von Rancher MacDonald an …

„El Dorado“ ist ein hervorragender Western, auch wieder über Männer, diesmal sogar schon ziemlich alte Männer, am Ende des Wegs. Ein sehr guter Film der immer im Schatten seines Vorgängers steht, aber der ist ja auch ein Meisterwerk. „Rio Lobo“ ist solide, fällt aber doch etwas mehr ab, weshalb wir ihn vorerst nicht rezensieren werden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Howard Hawks sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, die mit Robert Mitchum und/oder John Wayne in der Rubrik Schauspieler.

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… und gerät mit ihr in Schwierigkeiten

Veröffentlichung: 7. November 2013 als Blu-ray, 26. November 2003 als DVD

Länge: 127 Min. (Blu-ray), 122 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Originaltitel: El Dorado
USA 1967
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Leigh Brackett, nach einem Roman von Harry Brown
Besetzung: John Wayne, Robert Mitchum, James Caan, Charlene Holt, Paul Fix, Arthur Hunnicutt, Michele Carey, R. G. Armstrong, Edward Asner, Christopher George, Marina Ghane, Robert Donner
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2017 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © Paramount / Universal Pictures Germany GmbH

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