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Verflucht, verdammt und Halleluja – Ein Greenhorn im Westen

08 Aug

E poi lo chiamarono il magnifico

Von Volker Schönenberger

Westernkomödie // Nach dem enormen Erfolg von „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ (1970) und „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (1971) machte sich Enzo Barboni alias E. B. Clucher an den dritten Teil der „Trinity“-Trilogie. Doch diesmal wollte er die Figuren-Konstellation verändern, weg von Terence Hill und Bud Spencer als schlagkräftiges Brüderpaar. Beide sollten zwar mit von der Partie sein, doch nur Hill als Hauptdarsteller in der Rolle eines englischen Greenhorns im Wilden Westen. Spencer war als einer der drei Revolverhelden vorgesehen, die Hills Figur unter ihre Fittiche nehmen. Dieser Part als einer von drei Nebendarstellern schmeckte ihm offenbar gar nicht, war er zu dem Zeitpunkt doch ein veritabler Star. Also lehnte er die Rolle ab. So berichtet es der Filmhistoriker Antonio Bruschini in einem der Featurettes im Bonusmaterial von „Verflucht, verdammt und Halleluja“. Spencer drehte aber im gleichen Jahr mit Hill das in der Moderne angesiedelte Action-Abenteuer „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ von Giuseppe Colizzi und ein Jahr später immerhin unter Enzo Barbonis Regie ohne Hill die Gaunerkomödie „Auch die Engel essen Bohnen“.

Die drei gutherzigen Halunken nehmen …

Terence Hill spielt den englischen Aristokraten Joseph „Jo“ Moore, der in den Wilden Westen kommt und sich den drei Ganoven Monkey (Dominic Barto), Prediger alias Holy (Harry Carey Jr.) und Bull (Gregory Walcott) anschließt. Das Trio will aus dem kindsköpfigen Greenhorn einen richtigen Mann machen. So hat es Jos Vater verfügt, bevor er starb. Die Aufgabe lässt sich nicht leicht an und wird umso schwieriger, als Jo mit der bezaubernden Candida (Yanti Somer) anbändelt. Auf die Tochter des reichen Ranchers Frank Austin (Enzo Fiermonte) hat auch dessen grober Vormann Morton (Riccardo Pizzuti) ein Auge geworfen.

Terence Hill zwischen Klamauk und Melancholie

„Verflucht, verdammt und Halleluja“ wechselt zwischen zünftigem Klamauk und ein paar melancholischen Untertönen. Die drei Gauner wollen die nahende Moderne und die Zeitenwende nicht wahrhaben, die sich durch den naiven Jo und sein Fahrrad andeuten. So passt es gut, dass er zu Beginn mit dem modernen Fortbewegungsmittel Bahn anreist, vor dem das Trio am Ende entkommen will – aber vom Pazifik aufgehalten wird. Die Zeit der Pioniere ist 1880 eben vorbei – dass der Film in dem Jahr spielt, erfahren wir allerdings erst gegen Ende.

… den jungen Engländer unter ihre Fittiche

Wenn man vom – nicht gezeigten – Tod von Jos Vater absieht, wird in dieser Parodie auf Italowestern überhaupt nicht gestorben. Sie entstand 1972, als das Genre seine Blütezeit schon hinter sich hatte und verstärkt Zielscheibe komödiantischer Persiflagen wurde, woran Enzo Barboni keinen geringen Anteil hatte – siehe oben. Es gibt diverse gut funktionierende Running Gags, etwa in Gestalt der beiden in Schwarz gewandeten Kopfgeldjäger, die in eiskalter Coolness auftauchen, um doch nur eine Abreibung zu kassieren. 125 Minuten hätte es nicht gebraucht, eine Straffung um etwa zehn Minuten hätte „Verflucht, verdammt und Halleluja“ gut vertragen. Langeweile kommt dennoch nicht auf, die Westernkomödie hat mit dem so charmanten wie gutherzigen Jo und seinen drei ein wenig vertrottelten Helfern ein Quartett zu bieten, dessen vergnügliches Treiben man gern verfolgt.

Jo treibt gern Frühsport …

Die neue 2-Disc-Edition der Reihe „Westernhelden“ kommt mit Blu-ray und DVD und nach Angaben von Koch Films mit neuem HD-Master daher. An der Bildqualität ist nichts auszusetzen, aber ob das den Austausch gegenüber der 2013 erschienenen Blu-ray rechtfertigt, kann mangels Sichtung der alten Veröffentlichung hier nicht erörtert werden. Freunde einer zünftigen Westernkomödie kommen so oder so voll auf ihre Kosten.

… und verliebt sich in die holde Candida

Die Filme der Reihe „Westernhelden“:

01. Rocco – Der Mann mit den zwei Gesichtern (Sugar Colt, IT/SP 1966)
02. Pistoleros (All’ombra di una colt, IT/SP 1965)
03. Verflucht, verdammt und Halleluja (E poi lo chiamarono il magnifico, IT/F 1972)
04. Den Geiern zum Fraß (All’ultimo sangue, IT 1968)

Vom Pferd steigen nach Gentleman-Art

Veröffentlichung: 10. August 2017 als 2-Disc Edition „Westernhelden“ #03, 24. Mai 2013 als Blu-ray, 19. November 2008 & 16. Dezember 2010 als DVD

Länge: 125 Min. (Blu-ray), 120 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Italienisch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: E poi lo chiamarono il magnifico
IT/F 1972
Regie: Enzo Barboni (als E. B. Clucher)
Drehbuch: Enzo Barboni (als E. B. Clucher)
Besetzung: Terence Hill, Gregory Walcott, Yanti Somer, Dominic Barto, Harry Carey Jr., Enzo Fiermonte, Riccardo Pizzuti, Danika La Loggia, Jean Louis, Alessandro Sperli, Salvatore Borghese, Steffen Zacharias
Zusatzmaterial: Deutscher Kinotrailer, Amerikanischer Kinotrailer, Featurette „Profession: Acrobat – An Afternoon with Riccardo Pizzuti“ (35 Min.), Featurette „E poi lo chiamarono il magnifico – A Movie Analysis by Antonio Bruschini“ (14 Min.), umfangreiche Bildergalerie mit seltenen Werbematerialien
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © Koch Films

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