RSS

Atomic Blonde – Das coolste 80er-Jahre-Berlin-Musikvideo

23 Aug

Atomic Blonde

Kinostart: 24. August 2017

Von Matthias Holm

Actionthriller // Der Action-Film scheint sich in letzter Zeit in eine äußerst interessante Richtung zu entwickeln. Ja, es gibt die stupiden „Transformers“-Filme oder die „Fast & Furious“-Reihe, aber es scheinen sich immer mehr Filmemacher dem Genre aus einer anderen Richtung zu nähern. So war „Mad Max – Fury Road“ ein energetischer Wahnsinns-Trip, und jüngst verschmolz Edgar Wright mit „Baby Driver“ Musik und Bild zu einem einzigartigen Cocktail. Auch die Trailer zu „Atomic Blonde“ ließen vermuten, dass man es mit einem ähnlichen Feuerwerk an Action zu tun hat. Doch auch wenn Regisseur David Leitch fantastische Faustkämpfe und Schusswechsel auf die Leinwand zaubert, liegt der Fokus eigentlich woanders.

Willkommen in Berlin

Im Kalten Krieg wird sich absolut nichts geschenkt. Dann taucht plötzlich in Berlin eine Liste auf, die sämtliche Identitäten von Spionen beinhalten soll – sogar mancher Doppelagenten. Natürlich beginnt ein Wettrennen der Geheimdienste um diese Liste und so landet die Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron) in einer Stadt, die 1989 so kurz vor einem historischen Umbruch einem Pulverfass gleicht.

Berlin in den 80ern

„Atomic Blonde“ stellt seinen Stil vor alles andere. Wer bei schon bei der aus Graffiti und Neon bestehenden Titeleinblendung zu viel vom gewollten 80er-Jahre-Flair hat, sollte lieber das Weite suchen. Hier gibt es Punks und Stasi-Agenten, die zu Nenas „99 Luftballons“ durch ein graues Berlin ziehen. Der Film könnte auch problemlos in der Gegenwart einer beliebigen Stadt spielen, doch die Macher zwängen alles ins Korsett der gewählten Zeitperiode. Dadurch entsteht zwar manchmal der Eindruck eines sehr langen Musikvideos, zum Rest passt das aber allemal.

Lorraine und David Percival müssen einander vertrauen

Dabei achtet der Film deutlich mehr auf die Erzählung, als es die Trailer vermuten lassen. Wie in „Codename U.N.L.C.E.“ wird gelogen und betrogen, was das Agenten-Repertoir hergibt – nur ohne die Ironie eines Guy Ritchies. Alles ist bitterernst, der Informationskrieg wird an mehreren Fronten geführt und bei keiner Figur weiß man, ob man ihr auch wirklich trauen kann. So ergibt es sich allerdings auch, dass manche Szenen erst nach dem Abspann ihre volle Tragweite entfalten – vorher wirken sie im Filmkonstrukt eher zufällig und führen zu der einen oder anderen Länge.

Gleich wird es schmerzhaft

Doch zum Glück gibt es Charlize Theron. Bereits in „Mad Max – Fury Road“ bewies die Südafrikanierin, dass sie mit vollem Körpereinsatz bei der Action ist. „Atomic Blonde“ ist nun vollkommen auf seine Hauptdarstellerin zugeschnitten, sämtliche Bilder wurden komponiert, um Theron gut aussehen zu lassen. Das wirkt allerdings nie zu plump, auch wenn manche Posen und Outfits von normalen Personen in den 80ern wohl eher selten bemüht worden sind. Seinen Höhepunkt findet das Ganze, wenn Lorraine in einem augenscheinlichen One-Take mehrere russische Agenten niedermacht. Das ist intensiv, hart, beeindruckend – und sicherlich eine der besten Actionszenen des Jahres. Durch diesen Fokus auf die Hauptfigur geraten die durchaus namenhaften Nebendarsteller, wie James McAvoy, John Goodman oder die interessante Newcomerin Sofia Boutella („Die Mumie“, „Kingsman – The Secret Service“), etwas ins Hintertreffen, aber einen Komplettausfall gibt es nicht zu berichten. Selbst Til Schweiger bewältigt seinen kurzen Gastauftritt als zwielichtiger Uhrmacher überzeugend.

Fesselnde Agentinnen-Action

„Atomic Blonde“ ist spannendes Agentinnen-Kino mit enorm physischen Action-Einlagen. Dass die Geschichte dabei komplexer wirkt, als sie eigentlich ist und bestimmte Wendungen bereits meilenweit gegen den Wind zu riechen sind, wird durch ein unbändiges Stil-Bewusstsein und eine famose Hauptdarstellerin aufgefangen. Ganz so unterhaltsam-kreativ wie Wrights „Baby Driver“ ist David Leitchs Ausflug nach Berlin zwar nicht geworden, dennoch sollte man sich auch mal auf diesen Trip begeben.

Lorraine und die Französin kommen einander näher

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Charlize Theron sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit James McAvoy und/oder John Goodman in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 115 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Atomic Blonde
D/USA/SWE 2017
Regie: David Leitch
Drehbuch: Kurt Johnstad, basierend auf den Comic „The Coldest City“ von Antony Johnson und Sam Hart
Besetzung: Charlize Theron, James McAvoy, Eddie Marsan, John Goodman, Toby Jones, James Faulkner, Sofia Boutella
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Universal Pictures Germany GmbH</p

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: