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El Bar – Frühstück mit Leiche: Ausnahmezustand in der Kneipe

28 Aug

El Bar

Von Andreas Eckenfels

Thrillerkomödie // Kultregisseur Álex de la Iglesia („Witching and Bitching“) ist für seine höchst energiegeladenen Werke bekannt. Der Irrsinn, den die Filme des Spaniers versprühen, kennt keine Grenzen. Immer wieder kombiniert er gekonnt bitterböse Thriller- und Horror-Elemente mit pechschwarzem Humor. Auch seinen Darstellern verlangt de la Iglesia stets alles ab. Und die gehen den Weg der Extreme gern mit.

Säufer Israel nervt alle Bargäste mit Bibelzitaten

Dies bestätigte auch Jaime Ordóñez auf der Berlinale-Pressekonferenz, wo „El Bar – Frühstück mit einer Leiche“ 2017 außer Konkurrenz im Wettbewerb gezeigt wurde: „Was ich während meiner Arbeit mit Álex gelernt habe ist, dass ich bei ihm immer über mein Limit hinausgehen muss. In seinen Filmen können die unglaublichsten Dinge passieren. Um den Punkt zu erreichen, diese bewältigen zu können, muss man seinen Job wirklich lieben.“

Ein normaler Vormittag in Madrid

Ordóñez weiß auch wovon er spricht: Es ist nicht das erste Mal, dass er für de la Iglesia vor der Kamera stand. Dazu hat er in „El Bar“ die wohl undankbarste Rolle abbekommen: Mit fettigen langen Haaren, Rauschebart und falschen Zähnen ist Ordóñez kaum wiederzuerkennen. Er spielt den versifften Säufer Israel, der seine Mitmenschen ständig mit Bibelzitaten nervt. Gemeinsam mit dem Hipster Nacho (Mario Casas, „Toro – Pfad der Vergeltung“), der hübschen Elena (Blanca Suárez), der frustrierten Spielerin Trini (Carmen Machi) und einigen weiteren Zeitgenossen bevölkert Israel an einem ganz normalen Vormittag eine Bar in Madrid. Zwischen Frühstück und dem ersten Drink werden die Gäste plötzlich aus ihrer morgendlichen Lethargie gerissen.

Elena hofft darauf, bald ihren Traummann kennenzulernen

Einem Mann, der die Bar gerade verlassen hat, wird auf der Straße in den Kopf geschossen. Als ein Gast, der ihm zu Hilfe eilen wollte, draußen ebenfalls getötet wird, ist für die anderen klar, dass sie die Bar auf keinen Fall verlassen dürfen. Vielleicht hat es ja ein Scharfschütze auf einen von ihnen abgesehen? Als sei dies nicht genügend Grund zur Panik, stürzt auch noch ein dicker Mann mit hervorquellenden Augen aus der Toilette und stirbt vor dem Tresen. In seinem Besitz finden die verängstigten Barbesucher ein Handy mit seltsamen Textnachrichten und mehrere mit einem Serum gefüllte Spritzen.

Menschliche Abgründe

Im Mikrokosmos einer Bar lässt de la Iglesia verschiedene Gesellschaftsschichten aufeinanderprallen. Es dauert nicht lange, da verhärten sich die Fronten. Zwei konträre Gruppen bilden sich. Eine Waffe kommt ins Spiel, die im Verlauf des Films immer wieder den Besitzer wechselt, wodurch auch die Machtverhältnisse neu geregelt werden. In dieser Extremsituation fallen bei den Protagonisten die schützenden Masken. Menschliche Abgründe wie Egoismus, Gier und Hass treten offen zutage. So kann man de la Iglesias Werk als Kommentar zur aktuell allgegenwärtigen Terror-Angst in der Welt deuten.

Trini will den Jackpot knacken

Als Gesellschaftssatire taugt der Film hingegen nicht. Es fehlt an der nötigen Schärfe. Auch wenn die namhafte Schauspieler-Riege alles gibt: Die Charaktere verweilen im Klischee und erhalten kaum eine Biografie, durch die man sich mit ihnen verbunden fühlen kann. Dazu gesellen sich zahlreiche hysterische Wendungen, wodurch jeder Anflug von Spannung verloren geht sowie eine enttäuschende Auflösung der mysteriösen Vorkommnisse. Nur selten, wenn sich etwa Israel, Nacho, Elena und Co. mit Olivenöl übergießen, um sich durch ein viel zu enges Bodenloch zu quetschen und daraufhin in der mit Kot und Urin gefüllten Kanalisation von Madrid landen, scheint der kreischende Irrwitz de la Iglesias durch, der seine Filme normalerweise so schön abstoßend, aber eben auch höchst unterhaltsam macht.

Keiner kommt hier lebend raus?

Veröffentlichung: 24. August 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 102 Min. (Blu-ray), 98 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Spanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: El Bar
SP/ARG 2017
Regie: Álex de la Iglesia
Drehbuch: Álex de la Iglesia, Jorge Guerricaechevarría
Besetzung: Blanca Suárez, Mario Casas, Carmen Machi, Secun de la Rosa, Jaime Ordóñez, Terele Pávez, Joaquín Climent
Zusatzmaterial: Making-of, Trailer
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 

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