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Free Fire – Feuer frei!

03 Sep

Free Fire

Von Andreas Eckenfels

Actionthriller // Ob Horror mit „Kill List“, schwarze Komödie mit „Sightseers – Killers on Tour!“ oder Science-Fiction fürs TV mit „Doctor Who“: Der britische Regisseur Ben Wheatley lässt sich in keine Schublade quetschen. Auch mit seinem neuesten Werk betritt er wieder ein persönliches Genre-Neuland. Dabei erinnert der im Jahr 1978 angesiedelte Actionthriller mit Starbesetzung entfernt an zwei seiner anderen Arbeiten.

Ein Waffendeal soll in einer verlassenen Lagerhalle über die Bühne gehen

Ähnlich wie die böse Gesellschaftssatire „High-Rise“ ist auch „Free Fire“ von einem starken Stilwillen geprägt, der in erdigen, aber strahlenden Farben, den Klamotten, Frisuren und der Musik – in diesem Fall größtenteils von John Denver – die 70er-Jahre wiederaufleben lässt. Von seinem in Schwarz-Weiß gedrehten mysteriösen Historiendrama „A Field in England“ übernimmt Wheatley wiederum die Grundidee, das gesamte Geschehen lediglich an einem einzigen Ort stattfinden zu lassen. In diesem Fall in einer verlassenen Lagerhalle in Boston, wo sich des Nachts knapp ein Dutzend zwielichtiger Gesellen versammelt.

Ein Waffendeal geht schief

Justine (Brie Larson) hat die Zusammenkunft der Iren Chris (Cillian Murphy) und Frank (Michael Smiley) mit den Geschäftsmännern Vernon (Sharlto Copley) und Ord (Armie Hammer) in die Wege geleitet. Ein Waffendeal soll über die Bühne gehen – an sich eine simple Angelegenheit. Da beide Seiten einander misstrauen, hat jede Gruppe ein paar ihrer Handlanger zum Übergabeort mitgebracht. Zwei von ihnen lassen die Situation eskalieren: In der Nacht zuvor hatten Stevo (Sam Riley) und Harry (Jack Reynor) eine handfeste Auseinandersetzung wegen einer Frau. Nun treffen sie überraschend wieder aufeinander. Nach einigen deutlichen Wortwechseln zwischen den Streithähnen dauert es nicht lange, bis der erste Schuss fällt. Auch alle anderen Gangster zücken ihre Waffen, und schnell verwandelt sich das Lagerhaus in eine bleihaltige Schützenarena, in der jede/r Anwesende ums Überleben kämpft.

Western-Showdown in Spielfilmlänge

Was wie der Showdown eines klassischen Westerns klingt, macht Wheatley zum Mittelpunkt eines kompletten Spielfilms. Fast eine volle Stunde lang dauern die Schusswechsel an. Die Kugeln fliegen den Protagonisten laut krachend nur so um die Ohren. Wenn ihr den Film schaut, regelt Ihr besser die Anlage etwas herunter, sonst rufen Eure Nachbarn am Ende die Polizei. Kurze Pausen gibt es nur zum Durchschnaufen, Nachladen, um ein paar grobe Nettigkeiten auszutauschen oder ein Ablenkungsmanöver zu initiieren.

Aber die Situation eskaliert

Bei den Feuergefechten setzt Wheatley größtenteils auf Realismus: Nicht jeder Schuss trifft ins Schwarze, nicht jede Kugel führt zum sofortigen Tod. So schleppen sich bald etliche Figuren schwer verwundet durch die staubige Lagerhalle, wo sie verzweifelt nach Deckung suchen, um ihre Wunden notdürftig zu versorgen oder eine Verschnaufpause einzulegen, bevor sie sich wieder in den Kugelhagel stürzen. Auf diese Weise schlagen sogar längst Totgeglaubte noch einmal zurück. Wheatley verlangt seiner namhaften Darsteller-Riege dabei einiges ab, doch die Beteiligten hatten offensichtlich viel Spaß beim Kleinkrieg mit Waffen aller Art.

Prominenter Unterstützer

„Free Fire“ ist ein Ensemblefilm, keiner der Stars ist wirklich Hauptdarsteller. Dadurch verliert man trotz der bleihaltigen Atmosphäre nach einiger Zeit etwas das Interesse daran, welcher der bösen Gesellen lebt oder stirbt. Wheatley gelingt es damit nicht ganz, die Spannung über die gesamte Lauflänge aufrechtzuerhalten. Was aber voll und ganz überzeugt ist, wie virtuos ausgearbeitet die einzelnen Schusswechsel inklusive Schnitt und Ton inszeniert sind. Wer feuert wann, auf wen und was passiert danach?

Auch Justine weiß, wie man sich zur Wehr setzt

Laut eigener Aussage hatte der Brite das gesamte Lagerhaus im Videospiel „Minecraft“ nachgebaut, um alles genau vorauszuplanen. In jeder Sequenz erkennt man, wieviel Arbeit Wheatley mit seinem Team in den Film hineingesteckt hat, um seine Vision so perfekt wie möglich umsetzen zu können. Dieses Talent würdigte kein Geringerer als Meisterregisseur Martin Scorsese, der „Free Fire“ als ausführender Produzent unterstützte.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Ben Wheatley sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Brie Larson und/oder Cillian Murphy in der Rubrik Schauspielerinnen bzw. Schauspieler.

Für Chris, Stevo und Frank (v. l.) bleibt nicht viel Zeit zum Verschnaufen

Veröffentlichung: 25. August 2017 als Blu-ray im limitierten Futurepak, Blu-ray und DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: Free Fire
GB/F 2016
Regie: Ben Wheatley
Drehbuch: Ben Wheatley, Amy Jump
Besetzung: Sharlto Copley, Brie Larson, Cillian Murphy, Armie Hammer, Enzo Cilenti, Sam Riley, Michael Smiley, Babou Ceesay, Noah Taylor, Jack Reynor
Zusatzmaterial: Making-of, B-Roll, Interviews, Wendecover
Vertrieb: Splendid Film

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Splendid Film

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