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Horror für Halloween (I): Frankenstein trifft den Wolfsmenschen – Mit Blindheit geschlagen, und keiner merkt’s

01 Okt

Frankenstein Meets the Wolf Man

Von Volker Schönenberger

Das Horrorgenre spielt bei „Die Nacht der lebenden Texte“ seit jeher eine prominente Rolle, aber im Halloween-Monat erhöhen wir die Taktzahl – ganz in der Tradition des „Horrorctober“ (bisweilen auch „Horroctober“), der sich in Blogosphäre und Filmfanszene etabliert hat. Bis zum 31. Oktober werden wir eine Reihe von Horrorfilmen vorstellen, die das unserer Meinung nach verdient haben, darunter Klassiker und sogenannte Klassiker, Geheimtipps und ein paar vergessene Perlen. Die Bandbreite reicht von realem bis zu übernatürlichem Horror, von Monstern über Zombies zu paranormalen Phänomenen, von Splatter bis zu Psycho-Terror. Die eine oder andere aktuelle Kino- oder Heimkino-Neuheit reihen wir im Vorbeigehen in diese Rezensionsstrecke ein. Wir hoffen, dass für jeden Horrorfan ein paar Entdeckungen dabei sind, und wünschen viel Freude bei der Lektüre. Und jetzt schon sei angekündigt: Im letzten Oktoberdrittel wird es ein großes Gewinnspiel mit Horrorfilmen geben – das bislang größte im Blog.

Horror // Der unglückselige Lawrence Talbot hatte in Der Wolfsmensch (1941) sein tödliches Schicksal gefunden. „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“ (1943) markiert den ersten von vier weiteren Filmen der 1940er-Jahre, in denen Lon Chaney Jr. den Wolfsmenschen erneut verkörperte. Zu Beginn dringen zwei Grabräuber in die Gruft der Talbots ein – sie glauben Gerüchten, der Tote sei mit viel Schmuck und sogar Bargeld zu Grabe getragen worden. Doch nachdem einer der Grabräuber dem überhaupt nicht verwest wirkenden Talbot einen goldenen Ring vom Finger gestreift hat, packt ihn mit eisernem Griff eine Hand aus dem Grab …

Das Monster im Eis

Bald darauf wird Lawrence Talbot von einem Polizisten in Cardiff aufgefunden. Mit einer schweren Kopfverletzung wird er in ein Krankenhaus eingeliefert. Der nächste Vollmond bringt erneut eine grauenhafte Verwandlung mit sich. Talbot ergreift die Flucht und gelangt nach Vasaria, wo er unter der Ruine eines Sanatoriums die einst von Dr. Frankenstein geschaffene Kreatur (Bela Lugosi) entdeckt – eingefroren in einem Eisblock. Welche Ereignisse aus dem Sanatorium eine Ruine machten, wurde in „Frankenstein kehrt wieder“ („The Ghost of Frankenstein“, 1942) erzählt.

Verhunzt! Hätte ich es nicht in den Trivia der Internet Movie Database nachgelesen, würde ich nicht wissen, dass Frankensteins Kreatur blind ist. Deshalb also torkelt sie so unbeholfen herum! Aber warum schneidet man all ihre Dialoge heraus? Nicht jeder Zuschauer stellt die Verbindung zu „Frankenstein kehrt wieder“ her, in dem das Monster erblindete. Ob je eine Originalfassung von „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“ inklusive der Dialogszenen des künstlichen Wesens gefunden wird? Die Entfernung der Dialogzeilen der Kreatur entbehrt nicht einer gewissen Ironie, als Bela Lugosi die Rolle des Monsters bereits für „Frankenstein“ (1931) angeboten bekommen, aber abgelehnt hatte, weil sie keine Dialoge aufwies.

Erste Begegnung zweier Universal-Monster

Es bleibt vage, weshalb Lawrence Talbot so begierig darauf ist, an die Aufzeichnungen des toten Dr. Frankenstein zu gelangen. Jedenfalls verspricht er sich davon, Informationen zu erhalten, die sein tragisches Dasein beenden, als anscheinend unsterbliche haarige Kreatur ewig auf Erden wandeln zu müssen. Das kommt etwas aus dem Nichts, beschert uns aber immerhin das erste Zusammentreffen zweier Universal-Monster, also wollen wir uns mal nicht beschweren. Ein regelrechter Clash kommt allerdings nicht dabei heraus.

Trotz einiger stimmungsvoller Szenen gehört „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“ zu den schwächeren Beiträgen des klassischen Universal-Monsters-Franchises, zumal der Film sehr auf Lawrence Talbot fokussiert und Frankensteins Schöpfung gar nicht mal viele bedeutsame Szenen hat. Wer damit anfängt, wird schwerlich motiviert werden, weitere Filme zu schauen. Dennoch lohnt die Sichtung natürlich, allein schon, um tiefer in dieses schön-schaurige Universum einzutauchen.

Komplett-Editionen bei uns bislang nur auf DVD

Die internationale Veröffentlichungspolitik von Universal Pictures ist leider uneinheitlich: In den USA ist „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“ bereits als Blu-ray sowohl als Teil von „The Wolf Man – Complete Legacy Collection“ als auch in „Frankenstein – Complete Legacy Collection“ erschienen, dazu als DVD im Double Feature mit „Frankensteins Haus“ („House of Frankenstein“, 1944). Im Vereinigten Königreich ist der Film bereits 2008 als Einzel-DVD erschienen. Hierzulande hat man ihn bis vor kurzer Zeit nur als Bestandteil der 18 Filme umfassenden „The Monster Legacy DVD Collection“ erhalten können, die 2004 mit drei Büsten als Dreingabe erschienen, längst vergriffen und gesucht ist. Im Mai 2017 hat Universal in Deutschland immerhin die den einzelnen Monstern gewidmeten DVD-Boxen veröffentlicht, „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“ ist jeweils in der „Monster Classics – Complete Collection“ zum „Wolf Man“ und zu „Frankenstein“ enthalten. Aber weshalb nicht auch gleich als Blu-ray? Im Vereinigten Königreich geht das doch auch.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lionel Atwill, Lon Chaney Jr. und/oder Bela Lugosi sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 18. Mai 2017 als DVD in der „Wolf Man – Monster Classics – Complete Collection“ (7 DVDs, 7 Filme) und der „Frankenstein – Monster Classics – Complete Collection (8 DVDs, 8 Filme), 14. Oktober 2004 als DVD in der „The Monster Legacy DVD Collection“ (18 Filme, 3 Deko-Büsten)

Länge: 71 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch
Originaltitel: Frankenstein Meets the Wolf Man
USA 1943
Regie: Roy William Neill
Drehbuch: Curt Siodmak
Besetzung: Lon Chaney Jr., Ilona Massey, Patric Knowles, Lionel Atwill, Bela Lugosi, Maria Ouspenskaya, Don Barclay, Dwight Frye,
Zusatzmaterial: Original-Kinotrailer
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Packshots: © 2004 Universal Pictures Germany GmbH, Filmplakat: Fair Use

 
 

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4 Antworten zu “Horror für Halloween (I): Frankenstein trifft den Wolfsmenschen – Mit Blindheit geschlagen, und keiner merkt’s

  1. Stepnwolf

    2017/10/03 at 12:52

    Schön, das es hier auch Horror gibt im #Horrorctober… 🙂

     
    • V. Beautifulmountain

      2017/10/03 at 12:59

      Wo das ist, gibt es noch viel mehr. Aber heißt es nun Horroctober oder Horrorctober? Google gibt zwar deutlich mehr Ergebnisse für Horrorctober aus, aber so viele sind es insgesamt nicht.

       
      • Stepnwolf

        2017/10/03 at 14:04

        Laut Initiatoren mit R, also #Horrorctober. 🙂

         
  2. TomHorn

    2017/10/01 at 12:25

    Ich fand den eigentlich recht stimmungsvoll; der Film ist noch kein Trash wie die Nachfolger „Frankensteins Haus“ und „Draculas Haus“. Lon Chaney Jr. darf hier auch etwas mehr schauspielern als in „Der Wolfsmensch“. Und wenn der Polizei-Hauptmann die Bürger, sich zusammenrotten wollen, um gegen die Kreatur vorzugehen, zurecht stutzt, da das die vorigen Male auch nichts gebracht hat, beweist der Film sogar Selbstironie. Erwähnenswert sind auch noch die Rollen von Frankensteins Tochter Elsa und des Wissenschaftlers Mannering, der im Laufe des Films dem Größenwahn anheim fällt.

     

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