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Garten des Bösen – Glücksritter auf Himmelfahrtskommando

08 Okt

Garden of Evil

Von Volker Schönenberger

Western // Wer hätte gedacht, dass die „Edition Western Legenden“ es tatsächlich auf 50 Filme bringen würde? Im Dezember 2010 veröffentlichte Koch mit Robert D. Webbs „Die weiße Feder“ (1955) den ersten Beitrag dieser feinen Reihe. Ihren Reiz bezog und bezieht sie daraus, dass sie gerade nicht die großen Klassiker des Westerngenres vereint, sondern vergessene Perlen, gern auch mal aus der zweiten oder dritten Reihe. Für den einen oder anderen Film ist das Etikett Westernlegende dann auch etwas hoch gegriffen, das tut der Qualität der Edition aber keinen Abbruch. Die Erstauflage kommt zudem stets im Mediabook-Format daher und enthält ein Booklet, bleibt dabei aber preislich im Rahmen.

Das Trio hebt erst mal einen

Für den Jubiläumsbeitrag Nr. 50 hat sich Koch Films allerdings einen echten Zungenschnalzer ausgesucht: „Garten des Bösen“, den das Label bereits 2005 und 2009 als DVD veröffentlicht hatte. In prächtigen CinemaScope- und Technicolor-Bildern zeigt Regisseur Henry Hathaway („Der Marshal“) seine Hauptdarsteller Gary Cooper, Richard Widmark und Cameron Mitchell als Helfer Susan Haywards auf einem Himmelfahrtskommando.

In der Goldmine verschüttet

Die drei Glücksritter Hooker (Cooper), Fiske (Widmark) und Daly (Mitchell) stranden in dem mexikanischen Fischerdorf Puerto Miguel. Sie müssen ausharren, bis das Schiff, auf dem sie sich befanden, repariert wird, was einige Wochen dauern kann. Kaum dass sich das Trio zu seinem ersten Drink in der örtlichen Spelunke eingefunden hat, erscheint Leah Fuller (Susan Hayward) auf der Bildfläche. Ihr Ehemann John (Hugh Marlowe) sei im Stollen seiner Goldmine verschüttet worden, sie brauche Hilfe, um ihn zu retten. Weil die anwesenden Mexikaner trotz der von Leah angebotenen großen Entlohnung keine Bereitschaft zeigen, fragt Spieler Fiske nach. Leah erwidert, die Einheimischen hätten Angst vor den Indianern, die die Gegend unsicher machen. Die Aussicht auf das Geld lässt das Trio den Auftrag annehmen. Mit Vicente Madaragia (Victor Manuel Mendoza) schließt sich ihnen doch noch ein Mexikaner an.

Warten auf den Indianerangriff

Der Spieler Fiske, der schweigsame Pfeifenraucher Hooker, der Kopfgeldjäger Daly, Die von Cooper, Widmark und Mitchell verkörperten Glücksritter haben allesamt schon bessere Tage gesehen. Obgleich sie allesamt die Gold- oder Geldgier antreibt, sind sie doch sehr unterschiedlich – und die drei versierten Akteure arbeiten diese feinen Charakterzeichnungen gut heraus. Einige Spannungen zwischen den Figuren werden greifbar.

Indianerangriff erst zum Finale

Apropos Spannung: „Garten des Bösen“ verströmt von Anfang bis Ende Hochspannung, die sich nicht zuletzt daraus speist, dass die auf die Eindringlinge lauernden Apachen über weite Strecken der Handlung überhaupt nicht zu sehen sind und erst spät attackieren. Hier ein Stück vom Feder-Kopfschmuck, dort eine Rauchwolke – mehr braucht es nicht, um die Bedrohung zu verdeutlichen. Beim Garten des Bösen handelt es sich übrigens im Film um den indianischen Namen des Gebiets, in dem sich die Goldmine der Fullers befindet. Für Teile des Rettungstrupps wird es zum Garten des Todes werden.

Zwischen Fiske, Leah und Hooker (v. l.) knistert es

Beim Bild sind mir in ein paar wenigen Sequenzen Unschärfen aufgefallen, die nicht gewollt wirkten. Ansonsten bietet die Blu-ray enorm kräftige Farben und scharfe Konturen. Auch am Ton ist nichts auszusetzen. Das kann man von einer Jubiläums-Edition natürlich auch erwarten, aber die Filme der „Edition Western Legenden“ wirken ohnehin in der Regel sorgfältig überarbeitet. In diesem Fall kommt auch noch so üppiges wie sehenswertes Bonusmaterial hinzu (siehe unten). „Garten des Bösen“ macht Lust auf mehr. Geht es in dem Veröffentlichungsturnus voran, können wir uns für 2024 auf Nummer 100 freuen.

Kartenspiel um Leben und Tod

Die „Edition Western Legenden“ von Koch Films:

01. Die weiße Feder (White Feather, 1955)
02. Rache für Jesse James (The Return of Frank James, 1940)
03. Der letzte Wagen (The Last Wagon, 1956)
04. Union Pacific (Union Pacific, 1939)
05. Rio Conchos (Rio Conchos, 1964)
06. Schieß zurück Cowboy (From Hell to Texas, 1958)
07. Herrin der toten Stadt (Yellow Sky, 1948)
08. Die schwarze Maske (Black Bart, 1948)
09. Ritt zum Ox-bow (The Ox-Bow Incident, 1943)
10. 100 Gewehre (100 Rifles, 1969)
11. Shoot Out – Abrechnung in Gun Hill (Shoot Out, 1971)
12. Der große Aufstand (The Great Sioux Uprising, 1953)
13. Der Tag der Vergeltung (Untamed Frontier, 1952)
14. Duell mit dem Teufel (The Man from Bitter Ridge, 1955)
15. Grenzpolizei Texas (The Texas Rangers, 1936)
16. El Perdido (The Last Sunset, 1961)
17. Trommeln des Todes (Apache Drums, 1951)
18. Drei Rivalen (The Tall Men, 1955)
19. Quantez, die tote Stadt (Quantez, 1957)
20. Reiter ohne Gnade (Kansas Raiders, 1950)
21. Die Höhle der Gesetzlosen (Cave of Outlaws, 1951)
22. Western Union (Western Union, 1941)
23. Ritt in den Tod (Walk the Proud Land, 1956)
24. Vorposten in Wildwest (Two Flags West, 1950)
25. Santiago der Verdammte (The Naked Dawn, 1955)
26. Verschwörung auf Fort Clark (War Arrow, 1953)
27. Vom Teufel verführt (The Rawhide Years, 1955)
28. Der große Bluff (Destry Rides Again, 1939)
29. Gold aus Nevada (The Yellow Mountain, 1954)
30. Rivalen im Sattel (Bronco Buster, 1952)
31. Feuer am Horizont (Canyon Passage, 1946)
32. Noch heute sollst du hängen (Star in the Dust, 1956)
33. Frisco Express (Wells Fargo, 1937)
34. Schieß oder stirb (Gun for a Coward, 1957)
35. Der große Minnesota Überfall (The Great Northfield, Minnesota Raid, 1972)
36. Mit roher Gewalt (The Spoilers, USA 1955)
37. Die Welt gehört ihm (The Mississippi Gambler, USA 1953)
38. Rebellen der Steppe (Calamity Jane and Sam Bass, USA 1949)
39. Der Vagabund von Texas (Along Came Jones, USA 1945)
40. Auf verlorenem Posten (The Lone Hand, USA 1953)
41. California (California, USA 1947)
42. Der blaue Mustang (Black Horse Canyon, USA 1954)
43. Die Meute lauert überall (Raw Edge, USA 1956)
44. Rächer der Enterbten (The True Story of Jesse James, USA 1957)
45. Schüsse peitschen durch die Nacht (Showdown at Abilene, USA 1956)
46. Flucht vor dem Tode (The Cimarron Kid, USA 1952)
47. Stunden des Terrors (A Day of Fury, USA 1956)
48. Der große Zug nach Santa Fé (Cattle Drive, USA 1951)
49. Der eiserne Kragen (Showdown, USA 1963)
50. Garten des Bösen (Garden of Evil, USA 1954)
51. Trommeln am Mohawk (Drums Along the Mohawk, USA 1939)
52. Duell in Diablo (Duel at Diablo, USA 1966)
53. Massai – Der große Apache (Apache, USA 1954)
54. Zwischen zwei Feuern (The Indian Fighter, USA 1955)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Henry Hathaway sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Susan Hayward, Gary Cooper und/oder Richard Widmark in der Rubrik Schauspielerinnen bzw. Schauspieler. Welche ihrer Filme sollen wir bei „Die Nacht der lebenden Texte“ noch vorstellen? Pro genannte Person mindestens je ein Vorschlag hätte Gesicht.

Blick zurück auf den Garten des Bösen

Veröffentlichung: 12. Oktober 2017 als Blu-ray und DVD, 10. November 2011 (EuroVideo), 24. Februar 2009 und 12. Oktober 2005 als DVD

Länge: 100 Min. (Blu-ray), 96 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: Garden of Evil
USA 1954
Regie: Henry Hathaway
Drehbuch: Frank Fenton
Besetzung: Gary Cooper, Susan Hayward, Richard Widmark, Hugh Marlowe, Cameron Mitchell, Rita Moreno, Victor Manuel Mendoza
Zusatzmaterial: Audiokommentar der Filmhistoriker John Morgan, Nick Redman, Steven C. Smith und William T. Stromberg, deutscher und englischer Kinotrailer, Featurette „Die Reisen eines Revolverhelden – Making of Garten des Bösen“, Featurette „Susan Hayward – Hollywoods ehrlichste Haut“, Featurette „Henry Hathaway – Harte Kerle in harten Zeiten“, isolierte Musikspur, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, 8-seitiges Booklet, nur Blu-ray: 2 verschiedene HD-Abtastungen (von 2007 und 2016)
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

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11 Antworten zu “Garten des Bösen – Glücksritter auf Himmelfahrtskommando

  1. Heidi Weber

    2017/12/15 at 18:40

    Hathaway: Der Todeskuss, Hayward: Der Eroberer, Cooper: Vera Cruz, Widmark: Nur noch 72 Stunden

     
  2. Ralf

    2017/12/10 at 14:18

    Hathaway: Da gibt es viele Möglichkeiten, allen voran die bereits genannten „Die vier Söhne der Katie Elder“ und „Der Todeskuß“. Von den unbekannteren wäre z.B. „Peter Ibbetson“ mit Gary Cooper interessant – falls der irgendwie erhältlich ist.

    Hayward: „Drei Fremdenlegionäre“ (mit Cooper)

    Cooper: Nunja, zwei habe ich ja schon genannt, dazu schlage ich noch „Ein Mann wie Sprengstoff“ vor, weil sehenswert und mit Cooper in einer für ihn sehr ungewöhnlichen Rolle.

    Widmark: „Der Haß ist blind“ (läuft zufällig kommenden Sonntag als OmU bei Arte!). Und ein Meisterwerk wie „Das Urteil von Nürnberg“ sollte natürlich auch nicht fehlen. 🙂

     
  3. Rico Lemberger

    2017/12/09 at 16:41

    Hathaway – Die vier Söhne der Katie Elder
    Hayward – Endstation Paris
    Cooper – Vera Cruz
    Widmark – Die Braut des Satans

     
  4. Matthias Kirsch

    2017/12/09 at 15:33

    Henry Hathaway: Der Todeskuß
    Richard Widmark: Herrin der toten Stadt

     
  5. Michael Behr

    2017/12/09 at 13:33

    Henry Hathaway: Rommel, der Wüstenfuchs
    Susan Hayward: Alarm im Pazifik
    Gary Cooper: Marokko
    Richard Widmark: Das Urteil von Nürnberg

     
  6. Andreas Hilt

    2017/12/08 at 17:44

    Ergänzung: Susan Hayward: Schnee am Kilimandscharo + Die Gladiatoren
    Richard Widmark: Das Urteil von Nürnberg,Coma ,Der Schatz der Gehenkten
    Gary Cooper: Vera Cruz, Lockende Versuchung,Sergeant York

     
  7. Andreas Hilt

    2017/12/08 at 17:36

    Von Henry Hathaway würde ich mir auf jedem Fall zu „Der Todeskuß“, „Rommel, der Wüstenfuchs“, „23 Schritte zum Abgrund“, „Die vier Söhne der Katie Elder“, „Der Marshal“ und „Niagara“ eine Review wünschen. Meiner Ansicht nach seine wichtigsten Filme.

     
  8. TomHorn

    2017/12/08 at 13:40

    Henry Hathaway auf jeden Fall „Die vier Söhne der Katie Elder“, aber auch „Das war der wilde Westen“ und „Der Marshal“ sehr empfehlenswert.
    Susan Hayward ist nicht so meins, aber ich mochte „Schnee am Kilimandscharo“ als Kind sehr gerne.
    Mit Gary Cooper tue ich mich auch eher schwer, „Verdammt zum Schweigen“ ist gut, oder „Gegenspionage“.
    Von Richard Widmark fehlen euch ja noch ein paar Classics wie „Achterbahn“ oder „Nur noch 72 Stunden“. Ihr könntet es auch mit Christopher Lee verbinden und Hammers letzten Kinofilm „Die Braut des Teufels“ besprechen. 😉

     
  9. Thomas

    2017/12/08 at 09:02

    Da würde mich interessieren:

    Henry Hathaway – Feind im Dunkel
    Susan Hayward – Briefe aus dem Jenseits
    Gary Cooper – Mr. Deeds geht in die Stadt
    Richard Widmark – Herrin der toten Stadt

     
  10. Sascha Nolte

    2017/12/08 at 08:36

    Bei Hathaway wäre Der Todeskuss eine Wiederentdeckung und ein Review wert.
    Bei Frau Hayward würde ich zu Der Eroberer tendieren (da lässt sich wohl auch Einiges drüber sagen), bei Herrn Cooper würde ich mich als Capra-Fan über Hier ist John Doe und bei Widmark über Die Ratte von Soho freuen.

     
  11. Jens Albers

    2017/12/08 at 07:16

    Wünschen würde ich mir jeweiils folgende Filme:

    Henry Hathaway – Nevada Smith
    Susan Hayward – Schnee am Kilimandscharo
    Gary Cooper – Die den Tod nicht fürchten
    Richard Widmark – Die gebrochene Lanze

     

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