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Horror für Halloween (XVIII): Der Kuss des Vampirs – Im Bann der Blutsauger

18 Okt

Kiss of the Vampire

Von Volker Schönenberger

Horror // In einem bayerischen Dorf nähert sich ein Beerdigungszug auf dem Friedhof der Grabstätte. Ein Mann beobachtet die Trauergesellschaft aus der Ferne, schreitet dann hinzu. Er nimmt dem Totengräber dessen Spaten ab, und ehe jemand einschreiten kann, rammt er ihn mit aller Macht durchs Holz des Sarges. Ein grausamer Todesschrei ertönt, Blut quillt aus der Öffnung.

Professor Zimmer beobachtet die Bestattung seiner Tochter

Wir befinden uns irgendwann kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts – das Booklet der Mediabook-Veröffentlichung ordnet „Der Kuss des Vampirs“ im Jahr 1910 an. Nach diesem unheilsschwangeren Prolog und dem folgenden Vorspann lernen wir Marianne und Gerald Harcourt (Jennifer Daniel, Edward de Souza) kennen, die mit ihrem Automobil unterwegs sind und merken müssen, dass ihnen der Kraftstoff ausgegangen ist. Die Frischvermählten landen in einem Hotel, das schon bessere Tage gesehen hat und in dem sich mit dem merkwürdigen Professor Zimmer (Clifford Evans) lediglich ein weiterer Gast befindet – er ist derjenige, der zu Beginn die Bestattungszeremonie auf so drastische Weise gestört hatte.

Auf dem Maskenball geht’s maskiert zu

Die Eheleute erhalten kurz darauf eine Einladung zum Dinner ins nahe gelegene Schloss. Der dort mit seiner Familie residierende Dr. Ravna (Noel Willman) begrüßt sie ausgesucht freundlich; Marianne und Gerald verbringen einen angenehmen Abend und kehren anschließend ins Hotel zurück. Professor Zimmer hatte derweil auf dem Friedhof eine unangenehme Begegnung mit der Vampirin Tanja (Isobel Black), die seine Tochter aus ihrem Grab befreien wollte. Die Harcourts ahnen nichts von Dr. Ravnas finsteren Plänen, der nicht gewillt ist, Marianne gehen zu lassen. Bald darauf kehrt das Ehepaar zu einem Maskenball aufs Schloss zurück …

Anolis und Wicked-Vision – die Hammer-Spezialisten

Ein Horrorfilm der britischen Produktionsfirma Hammer Films im Mediabook? Das kann doch nur von Anolis Entertainment stammen – in diesem Fall aber nicht: Bei „Der Kuss des Vampirs“ handelt es sich um eine Veröffentlichung von Wicked-Vision Media, deutlich jünger, aber mit ähnlichem Qualitätsanspruch wie Anolis. Da beide Label einander freundschaftlich verbunden sind, wird voraussichtlich kein Konkzurrenzdruck in puncto Hammer aufkommen, auch wenn „Der Kuss des Vampirs“ mit seinen Hammer-typischen schönen Kulissen, Kostümen und der Ausstattung jedem Publisher gut zu Gesicht stehen würde. Mit Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad hat Wicked-Vision Media erneut zwei versierte Autoren fürs Booklet gewonnen – die Lektüre ihrer Texte bringt interessanten Mehrwert. So nennt Giesen Edgar G. Ulmers „Die schwarze Katze“ („The Black Cat“, 1934) mit Boris Karloff und Bela Lugosi als Vorlage für „Der Kuss des Vampirs“, was mich auf die Idee bringt, ihn mir endlich mal anzuschauen.

Dr. Ravna hat Marianne in seinem Bann

Dem Vernehmen nach diente der Maskenball in „Der Kuss des Vampirs“ Roman Polanski als Inspiration für „Tanz der Vampire“ (1967). Dr.-Ravna-Darsteller Noel Willman ist gewiss kein Christopher Lee, seine Filmografie gibt sich weit weniger schillernd. Dennoch verleiht auch er seiner vampirischen Figur Würde. Ursprünglich sollte „Der Kuss des Vampirs“ als dritter Teil von Hammers Dracula-Reihe gelten, folgte dem ursprünglichen „Dracula“ (1958) mit Christopher Lee und dessen Fortsetzung „Dracula und seine Bräute“ („The Brides of Dracula“, 1960). Diesmal verzichtete man aber auf die Nennung des Namens Dracula – in „Dracula und seine Bräute“ tauchte er ebenfalls nicht auf, wurde lediglich erwähnt. Die dafür an sich geplante Schlussszene wurde erst für „Der Kuss des Vampirs“ realisiert: Das famose Fledermaus-Finale macht trotz antiquierter Tricktechnik viel Freude und bildet das Tüpfelchen auf dem i eines Vampir-Gruslers, der das hohe Niveau hält, das Hammer Films in jenen Jahren auszeichnete.

Tanja findet Gerald zum Anbeißen

Veröffentlichung: 7. Juli 2017 als 2-Disc Limited Collector’s Edition (Blu-ray & DVD) im Mediabook (Auflagen: Cover A 222 Exemplare, Cover B 555 Exemplare, Cover C 333 Exemplare), 22. Februar 2008 als DVD (Koch Media)

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Kiss of the Vampire
GB 1963
Regie: Don Sharp
Drehbuch: Anthony Hinds (als John Elder)
Besetzung: Clifford Evans, Edward de Souza, Noel Willman, Jennifer Daniel, Barry Warren, Brian Oulton, Isobel Black
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Edward De Souza und Jennifer Daniel, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Dr. Gerd Naumann, Featurette: „Flesh & Blood – The Hammer Heritage of Horror“, neuer deutscher Trailer, US-Trailer, Bildergalerien, internationale Werberatschläge und Filmprogramme, 24-seitiges Booklet von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
Label/Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © 2017 Wicked-Vision Media

 

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