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Horror für Halloween (XXIII): Raining Blood – Run for Your Life! Bizarrer Wettlauf im Land der aufgehenden Sonne

21 Okt

Raivu

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // „The Machine Girl“ zeigte 2008 eine junge Japanerin auf Rachefeldzug, die den Verlust ihres Unterarms gewinnbringend mit tödlichen Prothesen kompensierte. In „Mutant Girls Squad“ (2010) bildeten sich aus den Körpern anderer junger Frauen ebenso tödliche Waffen. „Zombie Ass – Toilet of the Dead“ (Anwärter auf den Filmtitel des Jahrzehnts!) von 2011 setzte dem Ganzen die anale Krone auf: Aus den Hintern zombifizierter Menschen heraus suchten sich bizarre Parasiten neue Opfer. Nur eine Auswahl der Regiearbeiten des japanischen Regisseurs Noboru Iguchi, die in Deutschland mit Zensurschnitten zu kämpfen hatten, wobei „Mutant Girls Squad“ 2015 schließlich eine Uncut-Veröffentlichung mit FSK-Segen zuteil wurde. Umso überraschender, dass Iguchis „Raining Blood – Run for Your Life!“ von der FSK 2015 ungeschnitten sogar mit einer Freigabe ab 16 Jahren durchgewinkt wurde.

Eine Armbrust-Lady tritt auf den Plan

Die Schule geschmissen, dem Boss im neuen Job nach vier Tagen eine Holzlatte zwischen die Beine getreten, die Mutter gedemütigt und von ihr rausgeschmissen worden – Naoto (Yûki Yamada) ist das, was man mit dem Wort Nichtsnutz noch wohlwollend bezeichnet. Von jetzt auf gleich muss er tödliche Verantwortung übernehmen: Von einer seltsamen Stimme am Telefon erfährt er, dass seine Mutter entführt wurde. Um sie zu retten, muss er an einem ominösen Triathlon teilnehmen. Ein kleines gelbes Büchlein weist ihm den Weg.

Hühnerhaufen auf der Flucht

So weit, so gut, Absurditäten sind wir aus dem japanischen Kino gewohnt, also zurücklehnen und schauen, was da noch kommen mag: Plötzlich sieht sich Naoto von Leidensgenossen umringt, die allesamt das gelbe Büchlein zu Rate ziehen, um sich ihre nächsten Schritte zu überlegen. Bald haben sich alle gelbe Sportklamotten übergestreift und laufen wie aufgescheuchte Hühner hin und her, ohne recht zu wissen, was zu tun ist. Von einem Triathlon kann keine Rede sein. Ein wie auch immer strukturierter Wettkampf mit drei Disziplinen ist nicht zu bemerken. Erste Todesopfer lassen nicht lange auf sich warten.

Mit Kettensägen …

Die deutsche Synchronisation ist gewöhnungsbedürftig, um es milde auszudrücken. Aber die grimassierenden Darsteller lassen vermuten, dass auch die Originaltonspur einen hohen Trashfaktor hat. Overacting ist Trumpf bei „Raining Blood“. Da hampeln die bedauernswerten Teilnehmer dieses – was ist das überhaupt? – Wettkampfs auf Leben und Tod herum, dass es die reine Freude ist. Klar, dass die leichte Kleidung besonders bei den jungen Frauen gut zur Geltung kommt. Und wenn die Armbrust-Ladys in ihren Bikini-Oberteilen loslegen, gibt es noch etwas mehr Fleischbeschau zu bewundern. Komplett blankgezogen wird natürlich nicht, wir befinden uns ja in Japan, wo zwar allerlei Perversionen aufs Deutliche gezeigt werden dürfen, aber wehe, es schimmert mal irgendwo eine weibliche Brustwarze hervor! Na ja, Regisseur Noboru Iguchi mag ohnehin leicht bekleidete weibliche Hinterteile viel lieber.

Und die Moral von der Geschichte

Der Soundtrack jazzt völlig verquer vor sich hin, und die nicht immer elegant getricksten CGI-Splattereinlagen werden eher punktuell eingesetzt, fallen aber immerhin deftig aus – im letzten Drittel geht es noch etwas mehr zur Sache. Am Ende enthüllt der Drahtzieher des Geschehens natürlich seine Beweggründe, die in einer verkorksten Moral zu suchen sind. Das lässt schmunzeln, wenn man denn dann noch für Erklärungen zugänglich ist.

… ist nicht gut Kirschen essen

Über eine Freigabe ab 18 Jahren hätte sich Mad Dimension nicht beschweren dürfen. Das wäre dem Label aber wohl auch egal gewesen, weil es einige FSK-18-Trailer ins Bonusmaterial gepackt hat, die die Veröffentlichung sowieso nur für Erwachsene zugänglich machte. Wer auf bizarre Filmkost aus dem Land der aufgehenden Sonne steht, wird bei „Raining Blood – Run for Your Life!“ fündig. Alle anderen werden sich mit gekräuselter Stirn rätselnd am Kopf kratzen, und das völlig zu Recht.

Veröffentlichung: 24. April 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 105 Min. (Blu-ray), 101 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Raivu
Internationaler Titel: Live
JAP 2014
Regie: Noboru Iguchi
Drehbuch: Noboru Iguchi, nach einem Roman von Yûsuke Yamada
Besetzung: Yûki Yamada, Asami, Yûka Eda, Akiko Ikuina, Mari Iriki, Shinji, Kasahara, Ryûnosuke Kawai, Mickey Koga, Rima Matsuda
Zusatzmaterial: Kinotrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2015 Al!ve AG / Mad Dimension

 

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