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Horror für Halloween (XXIV) / Mario Bava (VII): Die drei Gesichter der Furcht – Die gesuchte Horror-Anthologie

22 Okt

I tre volti della paura

Von Volker Schönenberger

Episoden-Horror // Boris Karloff persönlich begrüßt uns zu Beginn von Mario Bavas „Die drei Gesichter der Furcht“ und warnt uns vor Vampiren und Gespenstern. Dann geht es auch schon los mit der ersten Episode: In „Il telefono“ kehrt die junge Rosy (Michèle Mercier) abends nach Hause zurück und bereitet sich auf die Nachtruhe vor. Dazu kommt es jedoch nicht: Ein unbekannter Anrufer terrorisiert sie am Telefon, droht sie zu ermorden. Ist es Frank, ihr ehemaliger Zuhälter, den sie einst mit ihrer Aussage ins Gefängnis brachte und der gerade ausgebrochen ist? Rosy bittet Maria (Lidia Alfonsi) um Hilfe, die auch zügig eintrifft. Sie ahnt nicht, dass ihre Besucherin selbst mit verstellter Stimme angerufen hatte …

„Il telefono“: Rosy wird am Telefon terrorisiert

„I Wurdalak“ – die zweite Episode trägt den Namen russischer Vampire im Titel. Sie spielt im Russland des 19. Jahrhunderts: Graf Vladimir Durfe (Mark Damon), zu Pferde unterwegs, findet am Ufer eines Gewässers einen Mann ohne Kopf mit einem langen Dolch im Rücken. Er findet Unterschlupf bei einer Bauernfamilie, wo er erfährt, dass der Tote ein gefürchteter Vampir war, auf den Gorca (Boris Karloff), der Herr des Hauses, Jagd gemacht hatte. Später kehrt kehrt Gorca zurück – eine Nacht des Grauens beginnt.

Der geklaute Ring, der Wassertropfen und die Fliege

„La goccia d’acqua“ bedeutet Wassertropfen. Um einige solche geht es in der dritten und letzten Episode. Die ehemalige Krankenschwester Nancy (Jacqueline Pierreux) wird im London des Jahrs 1910 spätabends zu einem hochherrschaftlichen Hause gerufen, um die Leiche einer Frau zur Totenfeier vorzubereiten. Die Verstorbene war als Medium bekannt, hatte spiritistische Sitzungen veranstaltet, um mit den Toten zu sprechen. Ein schwerer Ring am Finger der Leiche weckt Nancys Gier. Sie kann der Versuchung nicht widerstehen und nimmt ihn an sich. Dabei kippt sie ein Glas Wasser um, der Inhalt tropft langsam auf den Boden. Gleichzeitig macht sich eine Fliege bemerkbar. Das lästige Insekt und der Klang tropfenden Wassers suchen Nancy in der Folge auch zu Hause heim.

„I Wurdalak“: Der alte Gorca …

In der Einzelbetrachtung fällt die erste Episode mit konstruierten Wendungen etwas ab, überzeugt aber dennoch als Porträt einer Frau, die eine Nacht des Terrors erlebt. Die beiden anderen Erzählungen liegen qualitativ auf einem Level, wobei mich „I Wurdalak“ mit seiner kalten russischen Nacht noch etwas mehr gefesselt hat. Speziell Boris Karloff adelt die Geschichte um russische Vampirwesen doch sehr. Trotz der einen oder anderen Wendung sind die drei Episoden recht gradlinig im Thema – es geht in der Tat um Furcht, die die Protagonistinnen und Protagonisten erleiden, und das nicht zu knapp.

Ein Film als Namensgeber für Black Sabbath

Im englischsprachigen Raum kam der Film unter dem Titel „Black Sabbath“ in die Kinos. Er inspirierte einige Jungs aus Birmingham, den Namen ihrer Band von „Earth“ zu „Black Sabbath“ zu ändern und ihren Stil ebenfalls etwas gruseliger zu gestalten. Ozzy Osbourne, Tony Iommi & Co. hatten bemerkt, dass ein Kino gegenüber ihres Probenraums gut besucht war, wenn Horrorfilme liefen, und dachten sich, dies könne man auf die Musik übertragen – offenbar nicht zu Unrecht. Der Rest ist Musikgeschichte.

… versetzt seine Familie in Angst und Schrecken

Die 2002 erschienene DVD von „Die drei Gesichter der Furcht“ ist seit langer Zeit vergriffen und gehört auf dem Sammlermarkt zu den gesuchtesten und damit teuersten der Mario-Bava-Reihe, die das mittlerweile nicht mehr existente Label E-M-S veröffentlicht hat. Höchste Zeit also für eine adäquate Neuauflage. Zur Sichtung lagen mir nur die nackten Screener-Discs vor, aber angesichts der Qualität, die Koch Films zuverlässig vorlegt, ist anzunehmen, dass auch die „Mario Bava Collection #5“ in der Collector’s Edition als Digipack ihren Preis wert ist. Sie enthält auch die US-Fassung des Films, die sich durchaus signifikant von der europäischen unterscheidet: So ließ die US-Produktionsfirma American International Pictures Boris Karloffs Prolog in Los Angeles neu drehen, zudem wurde die Reihenfolge der Episoden geändert. Obendrein passte man die Handlung von „Il telefono“ etwas den etwas prüderen amerikanischen Moralvorstellungen an. Einige Szenen von „I Wurdalak“ wurden ebenfalls modifiziert. Insgesamt ging etwas an Atmosphäre verloren, sodass die vier Minuten kürzere europäische Fassung vorzuziehen ist. Mit der Collector’s Edition von Koch Films könnt Ihr euch aber selbst ein Bild davon machen, welche Version Ihr vorzieht. So oder so: Es lohnt sich. Mario Bava hat mit „Die drei Gesichter der Furcht“ eine famose Horror-Anthologie vorgelegt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Mario Bava sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Boris Karloff unter Schauspieler.

„La goccia d’acqua“: In diesem Haus ist ein Medium gestorben

Veröffentlichung: 26. Oktober 2017 als Mario Bava Collection #5 (Blu-ray & 2 DVDs), 18. Juli 2002 als DVD (E-M-S)

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: I tre volti della paura
Internationaler Titel: Black Sabbath
IT/F 1963
Regie: Mario Bava
Drehbuch: Marcello Fondato, nach Motiven aus Kurzgeschichten von Anton Chekhov, Aleksei Tolstoy, Guy de Maupassant, F. G. Snyder und Franco Lucentini
Besetzung: Michèle Mercier, Lidia Alfonsi, Boris Karloff, Mark Damon, Susy Andersen, Massimo Righi, Rika Dialyna, Glauco Onorato, Jacqueline Pierreux, Milly, Harriet Medin, Gustavo De Nardo
Zusatzmaterial: US-Schnittfassung (96 Min.), Audiokommentar von Tim Lucas, Interview mit Darsteller Mark Damon, Interview mit Lamberto Bava, Diverse Trailer und TV-Spots u. a.
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 

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