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USS Indianapolis – Men of Courage: Erst Atombombe, dann Untergang

22 Okt

USS Indianapolis – Men of Courage

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Unvergesslich: Quints Monolog in „Der weiße Hai“: In unnachahmlicher Weise trägt der von Robert Shaw verkörperte Fischer den ihm mit offenem Mund lauschenden Chief Brody (Roy Scheider) und Martin Hooper (Richard Dreyfuss) die Geschichte seines Überlebens beim Untergang der „USS Indianapolis“ vor: So, eleven hundred men went into the water, three hundred sixteen men come out, and the sharks took the rest, June the 29th, 1945. Elfhundert Mann seien beim Untergang ins Wasser gegangen, nur 316 seien wieder herausgekommen – den Rest hätten die Haie gefressen.

Auf Captain McVay (M.) lastet große Verantwortung

Der Schwere Kreuzer hatte im Juli 1945 Teile der Atombombe „Little Boy“ von San Francisco auf die in den Nördlichen Marianen gelegene Pazifikinsel Tinian transportiert, darunter angereichertes Uran. Die Bombe legte am 6. August 1945 Hiroshima in Schutt und Asche. Auf dem Rückweg versenkte ein japanisches U-Boot das Schiff mit Torpedos, es sank am 30. Juli innerhalb von zwölf Minuten, von der 1.196-köpfigen Besatzung überlebten in der Tat nur 316. Viele Männer starben bereits vor dem Untergang bei der Explosion einer Munitionskammer, von den im Wasser treibenden Überlebenden dann die meisten wohl durch Erschöpfung, Sonnenstich oder Dehydrierung, andere durch Haiattacken. Die Tiere hatten aufgrund der vielen Leichen ringsum ohnehin ausreichend leichtere Beute. Die Überlebenden wurden nach fünf Tagen gerettet. Der Schiffskommandant Captain Charles McVay wurde in der Folge vors Kriegsgericht gestellt und für den Untergang verantwortlich gemacht, weil er entgegen der Routine keinen Zickzackkurs gefahren habe. 1968 beging er Selbstmord.

Verhängnisvolle Entscheidung

Aus dem Stoff hat der als Schauspieler wie Regisseur reüssierende Mario Van Peebles („New Jack City“) ein 130-minütiges Kriegsdrama gemacht, das allerdings mitnichten ausschließlich als Survival-Thriller im Ozean treibender Schiffbrüchiger angelegt ist. Gleich die erste Szene wirft das Publikum mitten ins Geschehen: Japanische Kampfflugzeuge greifen die „Indianapolis“ an, Captain McVay (Nicolas Cage) hat alle Hände voll zu tun, die Verteidigung seines Kommandos zu befehligen. Ebenso schnell endet die Actionsequenz. Einige Männer diskutieren in einem schummrigen Raum mit rauchgeschwängerter Luft den Abwurf einer Atombombe auf eine japanische Stadt – Hiroshima.

Die „Indianapolis“ wird zur Todesfalle

Kurz darauf lernen wir ein paar niedere Dienstgrade der Besatzung kennen, die kurz vor dem Auslaufen des Schiffs in San Francisco die Nacht zum Tage machen. Eine Schlägerei artet aus, die Militärpolizei greift ein und verfrachtet einige der Soldaten in die Zelle. Schon auf dem Hinweg fürchtet Captain McVay japanische Kaitens, bemannte Torpedos, die von ihren Piloten in Selbstmord-Missionen ins Ziel gebracht werden. Der leitende Ingenieur McWhorter (Tom Sizemore) macht den Männern im Maschinenraum für den Fall des Untergangs schon mal Angst vor den Haifischen. Ihr Ziel erreicht die aufgrund höchster Geheimhaltungsstufe ohne Eskorte fahrende „Indianapolis“ unbeschadet.

Das Warten auf Rettung …

Die Auswirkungen der Torpedo-Einschläge auf der „USS Indianapolis“ inszeniert Mario Van Peebles packend und intensiv. Allerorten brechen Feuer aus, Explosionen erschüttern das Schiff, das schnell in Schlagseite gerät. Brennende Männer stürzen in die See. McVay gibt zügig den Befehl, den Kreuzer aufzugeben. Das Schiff stellt sich schnell steil auf und bricht in zwei Teile. Als schließlich McVay ins Wasser springt, schwimmt unmittelbar darauf schon ein erster Hai an ihm vorbei. Der Captain kann nur noch die letzten Sekunden seines Kreuzers mit ansehen und rettet sich kurz darauf auf ein leer dahintreibendes Floß. Viele andere Männer haben weniger Glück.

Filmisches Denkmal für Überlebende und Tote

„USS Indianapolis – Men of Courage“ gehört zu den Filmen, denen es nicht in erster Linie darum geht, die Schrecken des Krieges darzustellen oder historische Ereignisse in pazifistischer Haltung abzubilden, sondern die einen Überlebenskampf zeigen und Männern ein Denkmal setzen wollen. Wer nun befürchtet, der in der jüngsten Vergangenheit nicht immer souverän aufspielende Nicolas Cage füge seiner Filmografie einen neuen Dackelblick-Tiefpunkt hinzu, sei beruhigt: Der Oscar-Preisträger („Leaving Las Vegas“) gibt seiner Rolle mit angenehm zurückhaltendem Spiel Tiefe. Das Figuren-Ensemble fügt sich allgemein gut zusammen, einige Stereotype fallen nicht groß ins Gewicht.

… zermürbt die Überlebenden

Nach der Actionsequenz des Untergangs wechseln sich beim Überlebenskampf der Schiffbrüchigen ruhige Momente mit punktuellen Spannungsspitzen durch die Haiattacken ab. Diese sind beklemmend inszeniert, das hat man in manchen Haifisch-Horrorfilmen schon schlechter hinbekommen. Einigen Totalen mit militärischem Gerät in Form von Schiff und Flugzeugen in der ersten Hälfte sieht man die Herkunft Computer zu sehr an. Dafür gibt’s an der Ausstattung nichts zu meckern. Im letzten Abschnitt steht Captain McVay dann vor Gericht, da ist dann übliches Pathos zu bemerken, erst recht, nachdem mit Mochitsura Hashimoto (Yutaka Takeuchi) der Kommandant desjenigen japanischen U-Boots in den Zeugenstand gerufen wird, das die Torpedos auf die „USS Indianapolis“ abgefeuert hatte.

Die Haie halten ein Festmahl ab

Die Ereignisse sind bereits 1991 in „Operation Haifisch – Lautlos kommt der Tod“ fürs Fernsehen filmisch aufbereitet worden. Stacy Keach („Doc“) übernahm die Rolle des Captains. 2015 entstand die Dokumentation „USS Indianapolis – The Legacy“. „USS Indianapolis – Men of Courage“ endet mit Erinnerungen einiger echter Überlebender des Untergangs und der Nachricht von Charles McVays Rehabilitation durch US-Präsident Bill Clinton. Solche Denkmal-Kriegsdramen bringen dem Genre keine neuen Impulse. Aber da Mario Van Peebles letztlich viele Elemente gut umgesetzt hat, bleibt unter dem Strich eine anständige Verfilmung realer Ereignisse mit einem Nicolas Cage, der gern mal wieder große Rollen übernehmen darf.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nicolas Cage sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Nach seiner Rückkehr wird McVay angefeindet und vor Gericht gestellt

Veröffentlichung: 23. Oktober 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 130 Min. (Blu-ray), 125 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: USS Indianapolis – Men of Courage
USA 2016
Regie: Mario Van Peebles
Drehbuch: Cam Cannon, Richard Rionda Del Castro
Besetzung: Nicolas Cage, Tom Sizemore, Thomas Jane, Matt Lanter, James Remar, Yutaka Takeuchi, Johnny Wactor, Adam Scott Miller, Cody Walker, Craig Tate
Zusatzmaterial: Making-of, Trailer, Bildergalerie, Wendecover
Vertrieb: KSM GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 KSM GmbH

 

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