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Horror für Halloween (XXV): Das Belko Experiment – „Battle Royale“ im Büro

23 Okt

The Belko Experiment

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // Bevor James Gunn mit dem Marvel-Hit „Guardians of the Galaxy“ zum gefeierten Blockbuster-Regisseur aufstieg, lernte er sein Handwerk in der berüchtigten Trashfilm-Schmiede Troma Entertainment, was wohl seinen Hang zu übertriebenen, meist ironisch gefärbten Gewaltdarstellungen erklärt. Gleichzeitig war Gunn von 2000 bis 2008 mit der Schauspielerin Jenna Fischer verheiratet, die einigen Serienguckern als Pam Beesly aus der US-Version der Workplace-Comedy „The Office“ bekannt sein dürfte. Vielleicht waren diese beiden Einflüsse für den Traum verantwortlich, der Gunn inspirierte, das Drehbuch zu „Das Belko Experiment“ zu schreiben. Den Regiestuhl überließ er dabei dem Australier Greg McLean, der mit seiner „Wolf Creek“-Reihe bereits gezeigt hatte, dass er der härteren Gangart ebenfalls nicht abgeneigt ist.

Kein normaler Arbeitstag

In der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá befindet sich das mehrstöckige Bürogebäude des Non-Profit-Unternehmens Belko Industries, welches US-Firmen dabei behilflich ist, für deren südamerikanische Niederlassungen geeignete Mitarbeiter zu finden. Schon an den Eingangstoren bemerkt Mike (John Gallagher Jr.), dass an diesem Arbeitstag irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Vor dem Belko-Gelände hat sich eine lange Autoschlange gebildet. Das bewaffnete Wachpersonal kontrolliert strenger als üblich und schickt sogar einige Angestellte wieder nach Hause. Als kurze Zeit später eine Stimme durch die Lautsprecher des Gebäudes tönt, bestätigt sich Mikes Bauchgefühl. Der Unbekannte verkündet, dass die 80 anwesenden Angestellten innerhalb der nächsten 30 Minuten zwei Kollegen umbringen sollen, sonst seien vier Personen dem Tode geweiht. Nicht nur Chef Barry (Tony Goldwyn) glaubt an einen schlechten Scherz. Doch als die Frist verstrichen ist, geschieht tatsächlich das Undenkbare: Die Köpfe von vier Angestellten explodieren. Flucht ist unmöglich, das Gebäude erweist sich als hermetisch abgeriegelt. Panik macht sich breit. Die Stimme meldet sich erneut, diesmal genießt sie die komplette Aufmerksamkeit aller Angestellten. Das Belko-Experiment hat begonnen …

Jeder gegen jeden

In bester „Battle Royale“-Manier hetzen Gunn und McLean die Angestellten aufeinander und machen bei dem blutigen Gemetzel keine Gefangenen. Wie schon bei Gunns Superhelden-Parodie „Super – Shut up, Crime!“ (2010) gehen Witz und Brutalität eine schmerzhafte Melange ein. Bald kämpft jeder gegen jeden, egal mit welchen Mitteln. Beim Überlebenskampf entpuppt sich selbst die nette Kollegin von nebenan als echte Killer-Queen. McLean zelebriert diese blutigen Szenen, lässt zahlreiche Opfer auch mal in Zeitlupe in Verbindung mit klassischer Musik sterben. Überhaupt konterkariert häufig Musik die Situation. Besonders die spanischen Versionen von „I Will Survive“ und „California Dreamin‘“ bleiben im Ohr. Etwas mehr Kreativität bei den Morden hätte dem Horrorthriller dennoch gutgetan. Statt Schusswaffen und Axt hätte der Einsatz von eher gewöhnlichen Büroutensilien als Tötungsinstrumente sicherlich den Spaß noch gesteigert.

Dr. Cox killt mit

Eine tiefgreifende Auseinandersetzung über menschliche Verhaltensweisen, Gehorsam und Untertänigkeit wie es etwa in „Das Experiment“ (2001) der Fall war, darf man bei „Das Belko Experiment“ nicht erwarten. Das unterhaltsame Blutbad nimmt sich selbst nicht ernst, was man auch dem gut aufgelegten Darsteller-Ensemble anmerkt. Dieses besteht zum Großteil aus alten Bekannten, die schon mit Gunn gedreht haben, und einigen Seriendarstellern. Sein Bruder Sean Gunn („Gilmore Girls“) als kiffender Putzmann sowie John C. McGinley (Dr. Cox aus „Scrubs – Die Anfänger“) als schmieriger Sexist bleiben dabei am stärksten im Gedächtnis – und Michael Rooker („The Walking Dead“) darf natürlich auch nicht fehlen.

Bis zum Finale bleibt die Spannung erhalten, wer den Überlebenskampf für sich entscheidet. Da stört es auch nicht, dass die Erklärung für das Belko-Experiment am Ende etwas beliebig ausfällt.

Veröffentlichung: 19. Oktober 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch u.a.
Originaltitel: The Belko Experiment
USA 2016
Regie: Greg McLean
Drehbuch: James Gunn
Besetzung: John Gallagher Jr., Tony Goldwyn, Adria Arjona, John C. McGinley, Melonie Diaz, Sean Gunn, Brent Sexton, Michael Rooker
Zusatzmaterial: Regeln des Spiels: Das Geheimnis hinter „Das Belko Experiment“, Lee Hardcastles Überlebenstipps, zusätzliche Szenen, Kinotrailer, Galerie
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Packshot: © 2017 Twentieth Century Fox Entertainment

 

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