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Horror für Halloween (XXVII): Graf Zaroff – Genie des Bösen: Das gefährlichste Spiel mit dem gefährlichsten Wild

24 Okt

The Most Dangerous Game

Von Volker Schönenberger

Horror-Abenteuer // 1987 war Arnold Schwarzenegger der „Running Man“. In dem dystopischen Actionfilm nach einem Roman von Stephen King rannte das österreichische Kraftpaket auf der Flucht vor gnadenlosen Killern um sein Leben. Schon 1970 hatte Tom Toelle fürs bundesdeutsche Fernsehen „Das Millionenspiel“ nach einem Drehbuch von Wolfgang Menge inszeniert, in dem sich Freiwillige für die Aussicht auf eine Million Mark von einer Bande von Killern (u. a. Dieter Hallervorden) jagen lassen. Von 1965 stammt der italienisch-französische Science-Fiction-Film „Das zehnte Opfer“, in dem es ebenfalls um eine Spielshow geht, in der Jäger auf menschliche Opfer gehetzt werden. 1993 inszenierte John Woo mit seinem Hollywood-Debüt „Harte Ziele“ mit Jean-Claude Van Damme eine Menschenjagd, die 2016 mit „Hard Target 2“ ein Sequel mit Scott Adkins erhielt.

Ein Schiff gerät auf die Klippen

Der womöglich früheste Vertreter dieser besonderen Spezies des Menschenjagd-Films ist „Graf Zaroff – Genie des Bösen“, der im September 1932 in die US-Kinos kam. Für Hinweise auf noch ältere Filme bin ich dankbar. Die beiden Regisseure Irving Pichel und Ernest B. Schoedsack drehten das Horror-Abenteuer parallel zu „King Kong und die weiße Frau“, bei dem Schoedsack ebenfalls Regie führte. Einige Dschungelkulissen in den RKO-Studios hielten für beide Filme her. Mit Robert Armstrong und Fay Wray spielten zwei namhafte Stars in beiden mit.

Aristokrat mit finsteren Absichten

Vor einer einsamen Insel läuft eine Passagieryacht auf Klippen und sinkt. Der Großwildjäger Robert Rainsford (Joel McCrea) rettet sich ans Ufer und gelangt zur Burg des Grafen Zaroff (Leslie Banks), der dort mit seiner Schar von Kosakendienern residiert. Mit Eve Trowbridge (Wray) und ihrem Bruder Martin (Armstrong) trifft Rainsford auf zwei weitere Überlebende des Schiffbruchs. Bald bestätigt sich der Verdacht, dass Graf Zaroff finstere Absichten hegt: Der gelangweilte Aristokrat lockt Schiffe auf Grund, um die Überlebenden anschließend auf seiner Insel zu jagen.

Graf Zaroff (l.) nimmt den Überlebenden Robert Rainsford auf

„The Most Dangerous Game“ lautet der Originaltitel von „Graf Zaroff – Genie des Bösen“, wobei „Game“ eine schöne Doppelbedeutung hat: Für die Schiffbrüchigen handelt es sich bei der Jagd mit ihnen als Beute in der Tat um das gefährlichste aller Spiele, da es um ihr Leben geht. „Game“ bedeutet aber auch „Wild“, und in dem Sinne gibt Graf Zaroff zu Beginn der Jagd zu, dass er es bevorzugt, das gefährlichste Wild zu jagen: den Menschen.

Haiangriff und Deutsche Doggen

Die Qualität dieses herrlichen alten Grusel-Abenteuers zeigt sich bereits beim Schiffsuntergang, der trotz Miniaturmodell in der Totale intensiv und beklemmend inszeniert worden ist – inklusive Haiangriff. Spannend wird es auch später, wenn Eve und Robert durch den Dschungel hetzen, den Jäger und seine großen dunklen Hunde stets auf den Fersen – Deutsche Doggen, die man geschwärzt hatte. Seine deutsche Synchronisation erhielt „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ erst 1976 anlässlich der TV-Premiere im ZDF. In die deutschen Kinos hatte es der Film nie geschafft. In den Trivia der IMDb ist obendrein zu erfahren, dass eine 78-minütige Fassung existierte, die in den Preview-Vorführungen allerdings dazu führte, dass Zuschauer den Saal verließen. Einige Ausstellungsstücke in Graf Zaroffs Trophäenraum waren offenbar zu drastisch ausgefallen, diese Szenen wurden somit entfernt. Auch so ist bei „The Most Dangerous Game“ klar zu erkennen, dass es sich um einen Pre-Code-Film handelt, der einige Elemente zwei Jahre vor der verbindlichen Einführung des Hays Codes noch deutlicher zeigen konnte, als es bald darauf möglich sein würde. Der sinistre Graf und seine ebenso bösartigen Helfershelfer kennen kein Pardon, ihre Hetzjagd durch den Dschungel, an steilen Küsten und am Wasserfall fesselt auch nach all den Jahren.

Von YouTube bis Criterion

Da „The Most Dangerous Game“ 1960 gemeinfrei bzw. Bestandteil der Public Domain geworden ist, besteht an mehr oder minder gelungenen Veröffentlichungen kein Mangel. Auch bei YouTube ist er in voller Länge zu finden. In Deutschland hat Anolis den Film als DVD veröffentlicht, in den USA findet sich eine empfehlenswerte DVD von The Criterion Collection. Einige Editionen enthalten auch die Anfang der 90er-Jahre entstandene nachkolorierte Fassung des Schwarz-Weiß-Films. Für Freunde klassischer Abenteuer aus der Frühphase des Tonfilms stellt „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ Pflichtprogramm dar.

Robert und Eve hetzen durch den Dschungel

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Joel McCrea sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Graf Zaroff nimmt seine Beute ins Visier

Veröffentlichung: 10. Januar 2014 und 2. August 2011 als „75th Anniversary Edition“ Doppel DVD Deluxe Editon, 17. Februar 2011 und 2. Januar 2010 als DVD inklusive Farbversion, 7. März 2006 als DVD

Länge: 63 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Most Dangerous Game
USA 1932
Regie: Irving Pichel, Ernest B. Schoedsack
Drehbuch: James Ashmore Creelman, nach einer Kurzgeschichte von Richard Connell
Besetzung: Joel McCrea, Fay Wray, Robert Armstrong, Leslie Banks, Noble Johnson, Steve Clemente, William B. Davidson, Oscar „Dutch“ Hendrian,
Zusatzmaterial: Interviews mit Ray Harryhausen, John Morgan und James D’Arc, Bildergalerie, Trailershow, neu restaurierte Schwarz-Weiß-Version
Vertrieb: diverse

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Filmplakat: Fair Use

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6 Antworten zu “Horror für Halloween (XXVII): Graf Zaroff – Genie des Bösen: Das gefährlichste Spiel mit dem gefährlichsten Wild

  1. Filmschrott

    2017/10/24 at 09:38

    Toller Film, der zudem wirklich gut gealtert ist. Auch wenn man natürlich teils schon erkennt, dass die da nur in billigen Kulissen rumrennen. Aber man merkt auch, dass der Film die absoute Blaupause für jeden „Manhunt“ Film ist. Fast in jeder Einstellung erkennt man etwas, das später in einem anderen Film des Subgenres wiederverwertet wurde. Sollte man gesehen haben.

     
    • V. Beautifulmountain

      2017/10/28 at 12:32

      So ist es. Mich stören billige Kulissen nicht, wenn die Filmcrew ansonsten mit Hingabe gearbeitet hat.

       
      • Filmschrott

        2017/10/28 at 16:08

        Genau das. Lieber etwas günstiger, dafür aber leidenschaftlich, als dieses lieblos hingeschluderte, was man heute einfach viel zu oft vorgesetzt kriegt.

         
  2. Kay Sokolowsky

    2017/10/24 at 09:24

    Merci für diese schöne Erinnerung an ein Meisterwerk des sadistischen Kinos! Muß ich mir unbedingt mal wieder anschauen. – Zur Tradition der Menschenjagdfilme gehört natürlich auch die „Hunger Games“-Serie. Zumindest die Bücher scheinen mir zu Teilen inspiriert von dem uralten Hollywood-Stück. Oder? Was meinst Du, Volker?

     
    • V. Beautifulmountain

      2017/10/28 at 12:31

      Vielen Dank, lieber Kay. Der Weg von Graf Zaroff zu den Hunger Games erscheint in der Tat nicht allzu weit. Ob er der Autorin Suzanne Collins als direkte Inspiration zu ihrer Romanreihe diente oder indirekt über spätere, seinerseits von Graf Zaroff inspirierte Werke, wissen wir natürlich nicht. Wäre interessant, mal von ihr dazu etwas zu lesen. Hast du die Bücher alle gelesen? Was hältst du als bekennender Science-Fiction-Fan von ihnen? Ich habe gerade mit den Filmen begonnen. Der erste hat mir schon mal ganz gut gefallen.

       
      • Kay Sokolowsky

        2017/10/28 at 12:59

        Ich kenne die Buchtrilogie, die Filme aber nicht. – Suzanne Collins hat hier fabelhafte SF-Literatur vorgelegt, mit sehr vielen klugen Anspielungen auf Unrechtsregimes der Vergangenheit und Gegenwart. Die Romane sind zu Recht so erfolgreich: Collins ist eine brillante Erzählerin, auch eine große Menschenkennerin, und sie denkt gar nicht daran, den Leser zu schonen.
        Ich würde – wegen der vielen Cliffhanger – dazu raten, erst die Bücher, dann die Filme zu studieren. Aber ich glaube, daß die „Tribute“ auch für Leute lesbar sind, die die Pointen schon aus dem Kino kennen. Es ist einfach exzellente Unterhaltungsliteratur und ganz bestimmt kein öliger Teenie-Kitsch wie die „Twilight“-Serie.

         

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