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Horror für Halloween (XXXII): Lifeforce – Die tödliche Bedrohung: Vampire aus dem Weltraum greifen an

27 Okt

Lifeforce

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Ein britisch-amerikanisches Team erreicht mit dem Raumschiff „HMS Churchill“ den Halleyschen Kometen. Dort entdecken die Kosmonauten um Colonel Tom Carlsen (Steve Railsback) ein 150 Meilen langes Raumschiff außerirdischen Ursprungs. An Bord befinden sich drei Behälter mit Menschen – oder zumindest Wesen mit menschlichem Aussehen. Die Crew der „Churchill“ beschließt, die Behälter mitzunehmen.

Auf dem Rückflug zur Erde bricht der Kontakt zwischen der „Churchill“ und der Bodenstation ab, woraufhin die „Columbia“ entsandt wird. Die Rettungsmission entdeckt, dass die „Churchill“ anscheinend von einem Feuer verwüstet worden ist, bei dem die Besatzung starb. Die drei im anderen Raumschiff gefundenen Körper hingegen sind unversehrt und werden auf die Erde gebracht, was sich als keine gute Idee erweisen wird. Colonel Colin Caine (Peter Firth) übernimmt die Ermittlungen.

Tobe Hooper und Cannon Films

Für Tobe Hooper war es der erste von drei Filmen, die er für die berüchtigte Produktionsfirma Cannon Films drehte. Es folgten „Invasion vom Mars“ und „The Texas Chainsaw Massacre 2“ (beide 1986). Mit einem Budget von 25 Millionen Dollar gedreht, floppte „Lifeforce – Die tödliche Bedrohung“ an den Kinokassen. Der Film spielte weniger als die Hälfte seiner Produktionskosten ein. Ab Mitte der 80er häuften sich die Fehlgriffe der Produktionsfirma, bis sie schließlich Konkurs anmelden musste. Ihr Aufstieg und Fall sind in der unterhaltsamen Doku „Electric Boogaloo – Die unglaublich wilde Geschichte der verrücktesten Filmfirma der Welt!“ festgehalten.

Trotz des für Cannon-Verhältnisse großen Budgets kann „Lifeforce – Die tödliche Bedrohung“ natürlich zu keinem Zeitpunkt den Anspruch einlösen, ein großer Blockbuster zu sein. Auf einem etwas trashigen Level entfaltet der Genre-Hybrid mit Vampiren aus dem Weltraum aber seinen Charme. Wobei wir es bei diesen Vampiren nicht mit Blutsaugern im herkömmlichen Sinne zu tun haben; vielmehr entziehen die Aliens ihren Opfern mittels Umarmung oder Kuss die Lebensenergie – daher der Titel „Lifeforce“. Dies wird im Film effektvoll als elektrisch wirkendes Phänomen visualisiert, bei dem die Bedauernswerten nach und nach mumifizieren.

Patrick Stewart als Psychiater

Dirk Bogarde, Horst Buchholz, Brian Cox, John Gielgud und Anthony Hopkins sind nur einige der vielen Schauspieler, die im Vorfeld des Drehs im Gespräch oder kurz davor waren, zum Cast zu stoßen. Mehr von ihnen sind in den Trivia der IMDb genannt. Am Ende blieben aber kaum bekannte Namen übrig. Nach gut einer Stunde tritt immerhin Patrick Stewart („X-Men“) in Erscheinung. Er spielt Dr. Armstrong, den Leiter einer psychiatrischen Einrichtung in Yorkshire. Mathilda May brachte ihre als „Space Girl“ titulierte Rolle einer außerirdischen Vampirin kurzzeitig großen Bekanntheitsgrad, was womöglich nicht zuletzt daran lag, dass sie in vielen ihrer Szenen vollständig nackt auftrat.

Colin Wilson war dem Vernehmen nach entsetzt vom Ergebnis der filmischen Umsetzung seiner Romanvorlage „Vampire aus dem Weltraum“. Auch die zeitgenössische Filmkritik ließ kaum ein gutes Haar daran. Über die Jahre und Videotheken hat „Lifeforce“ aber eine durchaus ansehnliche Fangemeinde um sich geschart, was auch gar nicht unverdient erscheint: Die Tricks funktionieren und schauen anständig aus, die ideenreiche Handlung ist abwechslungsreich – Langeweile kommt jedenfalls nicht auf. Die paar kruden Einfälle stören nicht weiter und die überkandidelte Eskalation im letzten Viertel macht wirklich Spaß. Mit Henry Mancini als Komponist des Soundtracks ist sogar ein vierfacher Oscar-Preisträger an Bord.

Kinofassung und Director’s Cut

Für die Kinoauswertung kürzte der Verleih den Film seinerzeit stark zusammen – um fast eine Viertelstunde auf 101 Minuten. Der Schere fielen nahezu alle Verweise auf Vampire zum Opfer, warum auch immer. Zwecks ausführlicher Betrachtung der Unterschiede beider Versionen sei auf den Schnittbericht verwiesen. Die dieser Rezension zugrunde liegende 116-minütige Langfassung ist als „International Version“ und „Director’s Cut“ bekannt. NSM Records hat beide Versionen in einem Mediabook mit Blu-ray und DVD in Österreich und hierzulande auch im Futurepak als Blu-ray veröffentlicht. Im Vereinigten Königreich ist ein sehr schönes Steelbook mit beiden Fassungen in brillanter Qualität auf Blu-ray und ausführlichem Booklet von – na klar – Arrow Video erschienen, das aber mittlerweile vergriffen und gesucht ist (und meins gebe ich nicht her). Eine Edition im Amaray-Case ist aber lieferbar. Tobe Hoopers ursprüngliche Schnittfassung soll sogar 128 Minuten lang gewesen sein, ist aber nicht erhalten. So oder so: Der Director’s Cut von „Lifeforce – Die tödliche Bedrohung“ kann als energiegeladenes Spektakel jedem Freund überdrehten SF-Horrors nur ans Herz gelegt werden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Tobe Hooper sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Patrick Stewart in der Rubrik Schauspieler. Die Reihe „Horror Cult Uncut“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Veröffentlichung D: 24. Februar 2017 als Blu-ray im Futurepak mit 3D Lenticular Cover, 11. Januar 2013, 21. Juni 2007 und 7. September 2004 als DVD

Länge: 116 Min. (Director’s Cut, Blu-ray), 101 Min. (Kinofassung, Blu-ray), 97 Min. (Kinofassung, DVD)
Altersfreigabe: ungeprüft (Director’s Cut), FSK 16 (Kinofassung)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Lifeforce
GB/USA 1985
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Dan O’Bannon, Don Jakoby, Michael Armstrong, Olaf Pooley, nach dem Roman „Vampire aus dem Weltraum“ („The Space Vampires“) von Colin Wilson
Besetzung: Steve Railsback, Mathilda May, Peter Firth, Frank Finlay, Patrick Stewart, Michael Gothard, Aubrey Morris, John Hallam, Nicholas Ball, Nancy Paul, Jerome Willis, John Keegan, Chris Jagger, Bill Malin, Derek Benfield
Zusatzmaterial Blu-ray: Bildergalerie, Filmografien, deutscher Trailer, Alternativ-Trailer, Originaltrailer, nur Mediabook: 12-seitiges Booklet
Zusatzmaterial DVD: keins
Vertrieb Blu-ray: NSM Records
Vertrieb DVD: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Packshots DVD: © Twentieth Century Fox Home Entertainment, Packshot Futurepak: NSM Records

 

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