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Horror für Halloween (XXXV): Dämonisch – Axtmorde von der Hand Gottes

30 Okt

Frailty

Von Volker Schönenberger

Zur Erinnerung an Bill Paxton und Powers Boothe.

Horrorthriller // Sonderbar – bis heute ist Bill Paxtons 2001er-Kino-Regiedebüt „Dämonisch“ bei uns nicht auf Blu-ray erschienen. Und obwohl die 2003 erschienene Doppel-DVD im Handel vergriffen ist, ist sie auf dem Gebrauchtmarkt für vergleichsweise günstigen Kurs zu haben. Sollte der Schocker, der hierzulande beim Fantasy Filmfest 2002 umjubelte Premiere gefeiert hatte, etwa in Vergessenheit geraten sein? Höchste Zeit, das zu ändern! Verdient hat es der im Februar dieses Jahres mit nur 61 Jahren verstorbene Bill Paxton allemal. Vier Jahre nach „Dämonisch“ drehte er mit dem Golf-Biopic „Das größte Spiel seines Lebens“ seinen zweiten und letzten Kinofilm als Regisseur.

„God’s Hand“ („Hand Gottes“) nennt sich der Serienmörder, der Texas seit zwei Jahrzehnten heimsucht. Eines Abends sitzt ein Mann (Matthew McConaughey), der sich als Fenton Meiks vorstellt, beim mit dem Fall betrauten FBI-Agenten Wesley Doyle (Powers Boothe) im Büro und behauptet, den Täter zu kennen: Es sei sein Bruder Adam. Doyle reagiert erwartungsgemäß skeptisch, hört sich aber nichtsdestoweniger Meiks’ Geschichte an, die im Sommer 1979 ihren Anfang nahm:

Vision vom Engel

Die beiden Brüder Fenton (Matt O’Leary) und Adam Meiks (Jeremy Sumpter) leben mit ihrem Vater (Bill Paxton), einem Kfz-Mechaniker, in der Kleinstadt Thurman. Ihre Mutter starb bei Adams Geburt. Die drei haben es sich in ihrem Männerhaushalt gut eingerichtet – bis eine Nacht alles verändert: Ihr Vater weckt seine Söhne und berichtet ihnen von einer Vision, die er gerade hatte: Ein Engel sei ihm erschienen und habe ihnen eine Aufgabe übertragen: die Welt von Dämonen zu befreien, die die Erde bevölkern. Während Adam seinem Vater bereitwillig Glauben schenkt, will sein älterer Bruder damit nichts zu tun haben. Doch bald darauf hat Vater Meiks durch Visionen die Instrumente zum Kampf gegen die Dämonen erhalten – darunter eine Axt; und noch ein wenig später hat er eine Liste mit den Namen der ersten Dämonen in Menschengestalt, die es von der Erde zu tilgen gilt. Damit er nicht versehentlich Unschuldige tötet, hat er die Fähigkeit erhalten, die Missetaten der Dämonen zu erkennen, wenn er sie berührt.

Ein Vater und seine Söhne gegen die Dämonen

Über weite Strecken speist sich das Grauen in „Dämonisch“ daraus, dass der Vater seinen Söhnen seine Vision aufnötigt und sie zwingt, an seinem grausigen Tun teilzuhaben. Das steht und fällt mit den schauspielerischen Leistungen des Trios – es steht, die drei harmonieren vorzüglich miteinander. Die Szenen, in denen Papa Meiks – sein Vorname wird nicht genannt – vor den Augen seiner Söhne die Axt gegen seine gefesselten Opfer hebt, prägen sich nachhaltig ein. Wenn sich der junge Fenton mehr und mehr verstört zeigt und überlegt, wie er seinem Vater Einhalt gebieten kann, überträgt sich seine Verängstigung auf die Zuschauer.

Die 18er-Freigabe erfolgt vermutlich eher aufgrund der eben dieser verstörenden Wirkung, die das Einbeziehen der beiden Kinder in das tödliche Treiben des Vaters ausübt, und weniger aufgrund der Gewaltdarstellung: Die Gewalt ist zwar jederzeit präsent, wird aber nicht drastisch gezeigt – sobald die Axt schwingt, folgt der Schnitt. Splatterfans mögen das missbilligen, es nimmt „Dämonisch“ aber nicht ein bisschen von der Intensität, die den Horrorthriller auszeichnet. „Frailty“ (englisch für Zerbrechlichkeit, Schwächlichkeit) lautet der Originaltitel, das war dem deutschen Verleih vielleicht fürs hiesige Publikum zu vage, weshalb man sich für das etwas deutlichere „Dämonisch“ entschied – kann man machen. Eine Wendung zum Finale setzt dem hoch spannenden Geschehen dann noch die Krone auf.

Bill Paxton und Powers Boothe

Aus dem Cast war in diesem Jahr nicht nur Bill Paxton zu betrauern: Auch Powers Boothe starb – im März mit 68 Jahren. Außer in „Dämonisch“ hatten die beiden auch in der Western-Miniserie „Hatfields & McCoys“ (2012) zusammen gespielt, 2011 hatte Boothe eine Rolle in Paxtons Kurzfilm „Tattoo“ übernommen. Ihr erster gemeinsamer Kinoauftritt im Wyatt-Earp-Western „Tombstone“ datiert von 1993. Der großartige „Dämonisch“ zeigt eindrucksvoll, was Paxton mit einem ausgeklügelten Horrorthriller-Plot und passender Besetzung anstellen konnte. Er und Boothe mögen in Frieden ruhen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Matthew McConaughey und/oder Bill Paxton sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 28. Oktober 2003 als Doppel-DVD

Länge: 95 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Frailty
USA/D 2001
Regie: Bill Paxton
Drehbuch: Brent Hanley
Besetzung: Bill Paxton, Matthew McConaughey, Powers Boothe, Matt O’Leary, Jeremy Sumpter, Luke Askew, Levi Kreis, Derk Cheetwoo, Missy Crider
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Bill Paxton, Drehbuchautor Brent Hanley, Cutter Arnold Glassman, Komponist Brian Tyler und Produzent David Kirschner, Interviews mit Bill Paxton, Matt O’Leary und Matthew McConaughey, geschnittene Szenen (mit optionalem Audiokommentar von Bill Paxton), „Anatomy of a Scene“ (Dokumentation der Entstehung einer Szene, „Behind the Scenes“-Footage, Making-of, TV-Spots
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Filmplakat: Fair Use

 

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