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Die Horror Farm von Hoboken Hollow – Geschnitten ist das Elend wenigstens eher vorbei

27 Nov

Hoboken Hollow

Von Volker Schönenberger

Horror // Ein Anhalter steht an einem einsamen Highway. Als er den Daumen hebt, sieht man, dass er an der Hand einen auffälligen Ring trägt. Ein Auto hält, er steigt ein. Szenenwechsel: Der Anhalter steht mit einem Strick um den Hals gefesselt auf einem Baumstumpf. Jemand tritt dagen – der Unglückliche baumelt. Szenenwechsel: Jemand schneidet an einem Stück Fleisch herum – ein menschlicher Arm, wie sich zeigt. An einem Finger der dazugehörigen Hand: besagter Ring. Szenenwechsel, nun läuft der Vorspann: Ein paar Typen fliehen vor unbekannten Verfolgern – vergeblich.

Sheriff Greer (Dennis Hopper) nimmt einen anderen Tramper auf, warnt ihn vor einigen bedrohlichen Ereignissen in der Gegend und bietet an, ihn zur Staatsgrenze zu bringen. Nachdem er ihn abgesetzt hat, versucht der Mann, erneut per Anhalter weiterzukommen – und wird von einem Auto auf die Hörner genommen.

Inspiriert von der Texas Slave Ranch

Inspired by actual events. Bei besagten wahren Begebenheiten handelt es sich um die Ereignisse auf der Texas Slave Ranch. Dort wurden bis 1984 gekidnappte Anhalter zu Frondiensten gezwungen. Vermutete Morde konnten allerdings nicht nachgewiesen werden, da keine Leichen gefunden wurden.

Auch den Sklaven auf der „Hoboken Hollow“-Farm ergeht es übel. Wer Widerworte leistet, bekommt Elektroschocks zu spüren. Fluchtversuche werden weitaus grausamer bestraft. Mit ihren Opfern und deren menschlichen Überresten treiben die Kidnapper (u. a. Mark Holton, C. Thomas Howell) allerlei grausamen Schabernack.

Dennis Hopper darf durchs Bild laufen

Leider mangelt es Drehbuchautor und Regisseur Glen Stephens völlig an Gefühl für Dramaturgie und Spannungsaufbau. Lieblos schneidet er Szenen aneinander, sodass „Die Horror Farm von Hoboken Hollow“ Stückwerk bleibt. Dazu passen auch die Auftritte namhafter Stars, deren Szenen zusammenhanglos im Sande verlaufen. Der von Dennis Hopper verkörperte Sheriff hat keine erkennbare Funktion, die die Handlung vorantreibt. Das tut Trevor (Jason Connery), ein im Irakkrieg traumatisierter Army-Veteran, den es ebenfalls auf die Farm verschlägt. Bis dahin sieht man ihn aber auch erst mal nur eine Weile als Tramper.

Auch Michael Madsen hat ein paar Szenen

Michael Madsen („The Hateful Eight“) spielt J. T. Goldman, der scharf auf die Ranch ist. Seine Rolle wäre ebenso wie die von Hopper ohne große Mühe aus dem Plot herauszuschreiben. Madsens Rollenwahl lässt ja seit jeher zu wünschen übrig. Als coole Sau kann ihn anscheinend nur Quentin Tarantino inszenieren. Mit Robert Carradine („Django Unchained“) ist auch ein Mitglied der Carradines an Bord, wenn auch nicht das berühmteste. Ein paar Szenen hat auch Lin Shaye, die schon lange im Geschäft ist und gern für billige Horrorfilme gebucht wird. Unter anderem mit ihrer Beteiligung an der „Insidious“-Reihe hat sie sich aber auch im Hochglanz-Horror etabliert.

In Deutschland nur geschnitten

Mit etwas Gefühl fürs Genre hätte man aus „Die Horror Farm von Hoboken Hollow“ einen netten kleinen Backwoods-Bastard machen können. Glen Stephens war dafür aber offenbar der falsche Mann. Kein Verlust, dass er bis heute keine weitere Regiearbeit verzapft hat. Der Streifen ist in Deutschland nur übel verstümmelt veröffentlicht worden – siehe dazu den Schnittbericht. Vorteil: Das Elend ist schneller vorbei. Gorehounds kommen mit der ungeschnittenen Fassung auf ihre Kosten, die auf dem Index gelandet ist – das Zensurgehabe der Bundesprüfstelle ist ermüdend. Wer keinerlei Wert auf ein Minimum an Niveau legt, mag sogar Gefallen an dem blutigen Treiben finden, sofern er bei der Uncut-Suche im Ausland fündig wird. Es gibt ja kein mieses Horror-Machwerk, das nicht irgendwelche Fans findet. Die User-Wertung der Internet Movie Database gibt für „Die Horror Farm von Hoboken Hollow“ sogar 68 Mal die Höchstwertung von zehn Punkten aus. Wenn sich darunter nicht mal irgendwelche Spaßvögel befinden – oder Mitglieder der Familie Stephens oder der Filmcrew. Mit der Durchschnittswertung von 3,8 (Stand November 2017) ist der Film mehr als gut bedient.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Dennis Hopper und/oder Michael Madsen sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 14. Oktober 2010 als Blu-ray (Teil der „Horror Box“ mit 22 Filmen), 27. Juni 2011 als DVD

Länge: 94 Min. (Uncut-DVD), 84 Min. (zensierte Blu-ray & DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Hoboken Hollow
USA 2006
Regie: Glen Stephens
Drehbuch: Glen Stephens
Besetzung: Jason Connery, C. Thomas Howell, Mark Holton, Lin Shaye, Randy Spelling, Dennis Hopper, Michael Madsen, Robert Carradine, Greg Evigan
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb Blu-ray: Great Movies GmbH
Vertrieb DVD: Delta Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 

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