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S.U.M.1 – Deutsche Science-Fiction hat’s drauf!

06 Dez

S.U.M.1

Kinostart: 7. Dezember 2017

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Hand aufs Herz: Wer hat Ramsay Bolton in „Game of Thrones“ einen scheußlichen Tod gewünscht? Iwan Rheon hat den Schurken aber auch mit einer abgrundtiefen Bösartigkeit verkörpert. Dem walisischen Schauspieler bleibt zu wünschen, dass ihn diese Rolle nicht auf Finsterlinge abonniert, denn er hat zweifellos mehr drauf. Seine ersten Sporen verdiente er sich im englischen Fernsehen, darunter in der hochgelobten Serie „Misfits“ (2009–2013).

Die Reste der Menschheit suchen Zuflucht

Nun hat es Rheon in eine deutsche Genreproduktion verschlagen. Science-Fiction – nicht gerade die Paradedisziplin des modernen deutschen Films. Umso löblicher, wenn sich mal wieder ein Regisseur heranwagt. „S.U.M.1“ markiert das Regiedebüt von Christian Pasquariello, Absolvent der Filmakademie Ludwigsburg, der zuvor das Drehbuch des TV-Thrillers „Kill Your Darling“ (2009) abgeliefert hatte.

Nur das Militär wagt sich heraus …

Mit weißen Haaren und gefärbten Kontaktlinsen zum Albino mutiert, verkörpert Iwan Rheon den titelgebenden Soldaten „S.U.M.1“. 57 Jahre zuvor haben außerirdische Invasoren – die „Nonsuchs“ – 95 Prozent der Menschheit ausgelöscht. Wer kann, sucht Zuflucht im unterirdischen „Exilium“. Immerhin scheinen sich die Völker angesichts des gemeinsamen Feindes zur „Vereinten Nationalen Union“ zusammengefunden zu haben. Nur Soldaten gelangen vom „Exilium“ zurück an die Erdoberfläche, um dort in 100-tägigen Missionen Wache zu schieben. S.U.M.1 wird auf einen abgelegenen Außenposten abkommandiert, wo ihm nur eine weiße Ratte Gesellschaft leistet. Sein Einsatzgebiet zu verlassen, ist ausgeschlossen – elektronische Sensoren und eine Vorrichtung in seinem Körper verhindern, dass er den Verteidigungsring durchquert. Die Einsamkeit zehrt an ihm.

… an die Erdoberfläche

Grau und Blau dominieren und bestimmen die kühle Atmosphäre von „S.U.M.1“. Das reduzierte Setting ist nicht untypisch für eine Produktion, die ihr Budget sparsam einsetzen muss. Daran ist gar nichts auszusetzen, wenn es ein episches Szenario so gelungen auf eine Figur herunterbricht wie in diesem Fall. Christian Pasquariello hat seine Science-Fiction-Hausaufgaben gemacht, die Einflüsse einiger dystopischer Klassiker sieht man dem Film an. Gedreht in Leipzig (Innenaufnahmen) und in der Nähe von Berlin (Außenaufnahmen), schwankt „S.U.M.1“ zwischen Kammerspiel und Abenteuer inklusive eruptivem Finale. Der Score hält sich zurück und bewegt sich ansonsten auf typischen Pfaden des Genres, aber das passt und man muss auch nicht immer das Rad neu erfinden.

Auf einsamen Wachtürmen kontrollieren Soldaten die Gegend

Was ist das für eine Welt, in der sich S.U.M.1 bewegt? Der Soldat versucht es zu ergründen – und mit ihm die Zuschauer. Für den vollen Filmgenuss erscheint es hilfreich, nicht weiter auszuführen, was auf den Protagonisten noch zukommt. Jedenfalls hat André Hennicke („Victoria“) einen kurzen, aber prägnanten Gastauftritt – den Guten würden wir gern häufiger sehen. Der Abspann offenbart noch die kleine Überraschung, dass Norman Reedus („The Walking Dead“) eine kleine Sprechrolle als Stimme aus dem Lautsprecher übernommen hat.

S.U.M.1 tritt seinen Dienst an …

„S.U.M.1“ hat internationales Niveau und hält spielend die Qualität vieler Hollywood-Genrebeiträge. Mit dem Look aktueller Großproduktionen wie „Alien – Covenant“ und „Blade Runner 2049“ kann Pasquariellos Regiedebüt naturgemäß nicht mithalten, das ist aber auch nicht der Anspruch. Als dystopischer Science-Fiction-Film aus Deutschland erinnert „S.U.M.1“ ein wenig an „Hell“ von 2011, auch wenn der farblich eine komplett andere Richtung einschlug und mehr Horroraspekte enthält. Bleibt zu hoffen, dass sich Christian Pasquariello nachhaltiger als Regisseur etabliert, als das bei „Hell“-Regisseur Tim Fehlbaum der Fall war, der danach gerade mal einen Kurzfilm inszeniert hat.

… und patrouilliert gelegentlich in seinem Revier

Ich hätte der deutschen Filmförderung gar nicht zugetraut, dass sie sich an der Finanzierung eines solchen Projekts wie „S.U.M.1“ beteiligt. Respekt vor solch überraschender Aufgeschlossenheit! Wenn sich der deutsche Genrefilm so regt, kann man nur konstatieren: Weiter so! Und Iwan Rheon behalten wir ebenfalls im Auge.

Eines Tages erhält er Gesellschaft

Länge: 92 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: S.U.M.1
D 2017
Regie: Christian Pasquariello
Drehbuch: Christian Pasquariello
Besetzung: Iwan Rheon, André Hennicke, Rainer Werner, Zoe Grisedale, Niels-Bruno Schmidt, Tim Williams, Norman Reedus (nur Stimme)
Verleih: Universum Film

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Universum Film

 

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