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Der Adler der Neunten Legion – Einsamer Römer auf Pirsch hinterm Hadrianswall

16 Dez

The Eagle

Von Volker Schönenberger

Historien-Abenteuer // Im Jahre 120 nach Christus marschierte die Neunte Legion der Römischen Armee in die noch nicht eroberten Gebiete Nordbritanniens ein. Sie kehrte nie zurück. Die 5.000 Mann starke Legion verschwand, gemeinsam mit ihrer geliebten Standarte. Beschämt durch diesen Verlust befahl Kaiser Hadrian den Bau einer riesigen Mauer, um Nordbritannien für immer abzutrennen. Der Hadrianswall markierte das Ende der bekannten Welt.

Zenturio Aquila (r.) trifft in Britannien ein …

Nach dieser per Texttafel eingeblendeten Einleitung beginnt die Handlung von „Der Adler der Neunten Legion“ – 20 Jahre später in Südbritannien. Der junge Zenturio Marcus Flavius Aquila (Channing Tatum) beginnt sein Mandat als Garnisonskommandant. Sein Vater war seinerzeit offenbar als Teil der Neunten Legion ebenfalls in Britannien stationiert. Marcus liegt daran, die Familienehre wiederherzustellen. Bei einem nächtlichen Angriff der Kelten bekommt er Gelegenheit, seine Übersicht zu beweisen, was dem unerfahrenen Centurio die Achtung seiner Männer einbringt. Tags drauf gelingt es ihm sogar, mit einem Ausfall ein paar seiner Soldaten zu befreien, die er auf Patrouille ausgesandt hatte. Dabei verletzt er sich jedoch schwer und wird zu seinem Onkel Aquila (Donald Sutherland) gebracht, der 200 Wegstunden entfernt ein Anwesen bewohnt. Sein Tun bringt Marcus und seiner Garnison zwar Auszeichnungen für Tapferkeit ein, aufgrund seiner Wunden wird er allerdings aus der Armee entlassen, wenn auch ehrenvoll.

Nur ein Sklave als Begleiter

Die legendäre Standarte der Neunten Legion gilt als verloren, doch als Marcus erfährt, sie sei weit nördlich des Hadrianswalls gesehen worden, beschließt er, sie zurückzuholen. Sein Onkel rät zwar dringend davon ab, weil kein Römer allein dort überleben könne, doch Marcus bricht in Begleitung seines Sklaven Esca (Jamie Bell) auf, der seit kurzer Zeit in seinen Diensten steht. Zwar hasst Esca die Römer, aber seinem neuen Herrn fühlt er sich verpflichtet, weil Marcus ihm das Leben gerettet hat.

… und tritt sein Kommando an

Die englische Schriftstellerin Rosemary Sutcliff (1920–1992) verarbeitete die heute nicht mehr vertretene These des Verschwindens der Neunten Römischen Legion zu ihrem bekanntesten Jugendbuch „Der Adler der Neunten Legion“, das 1954 veröffentlicht und 1977 zu einer britischen Fernsehserie umgesetzt wurde – es ist auch in deutscher Sprache erschienen. Kevin Macdonald („Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht“) hat daraus ein an Action orientiertes Historien-Abenteuer mit ein paar Roadmovie-Elementen gemacht.

Esca (r.) wird Marcus’ Sklave

Channing Tatum („White House Down“) und Jamie Bell („Snowpiercer“) harmonieren prima als ungleiches und doch nicht so ungleiches Duo im britischen Hinterland der Antike. Obwohl anhand dieser beiden moralische Fragen über die Unterwerfung anderer Völker aufgeworfen werden, funktioniert „Der Adler der Neunten Legion“ doch in erster Linie als schmutziges, obgleich etwas glattes Action-Abenteuer. Gedreht wurde tatsächlich in Schottland, und Macdonalds Kameramann Anthony Dod Mantle (Oscar für „Slumdog Millionär“) fängt die raue Naturkulisse in famosen Bildern ein. In einer Nebenrolle als einer von wenigen Überlebenden der Neunten Legion tritt der immer gern gesehene Mark Strong („Kingsman – The Secret Service“) in Erscheinung.

In der Tradition von „Braveheart“ und „Gladiator“

Mel Gibsons „Braveheart“ (1995) und Ridley Scotts „Gladiator“ (2000) standen Pate. An beide kommt „Der Adler der Neunten Legion“ nicht ganz heran, muss er aber auch nicht. Das Historien-Abenteuer hat wuchtige Kämpfe mit Schwertern und Äxten zu bieten, kommt zwar etwas schablonenhafter daher als Neil Marshalls „Centurion“, der ein Jahr zuvor bereits Motive aus Rosemary Sutcliffs Roman aufgegriffen hatte; dennoch wird das nur selten etwas ins Pathetische abgleitende Epos um Ehre, Treue und Vertrauen all jene begeistern, die sich an vormodernen Schlachtenszenen erfreuen können.

Jenseits des Hadrianswalls muss Marcus ums Überleben kämpfen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Mark Strong, Donald Sutherland und Channing Tatum sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Esca (M.) bewahrt ihn davor, getötet zu werden

Veröffentlichung: 15. September 2011 als Blu-ray, 4. August 2011 als Blu-ray im limitierten Steelbook und DVD

Länge:114 Min. (Blu-ray), 111 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Eagle
GB/USA 2011
Regie: Kevin Macdonald
Drehbuch: Jeremy Brock, nach einem Roman von Rosemary Sutcliff
Besetzung: Jamie Bell, Channing Tatum, Donald Sutherland, Mark Strong, Tahar Rahim, Denis O’Hare, Paul Ritter, Julian Lewis Jones, Douglas Henshall, Ned Dennehy
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Kevin Macdonald, Making-of, alternatives Ende, zwei entfallene Szenen, Featurette „Die Entstehung einer epischen Geschichte“, deutscher Kinotrailer, Originaltrailer, Trailershow
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos: © 2011 Concorde Home Entertainment

 

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