RSS

71 – Into the Fire: Wenn Studenten in den Krieg ziehen

28 Dez

Pohwasogeuro

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Dieser Film basiert auf historischen Tatsachen. Korea wurde am 15. August 1945 befreit. Der Süden geriet unter amerikanischen, der Norden unter sowjetischen Einfluss. Am 25. Juni 1950 startete die nordkoreanische Volksarmee einen Überraschungsangriff gegen den Süden. Innerhalb von drei Tagen gelang es ihnen, Seoul zu besetzen. Und nach 40 Tagen fast das ganze Land, außer der Gegend um den Nakdong-Fluss. Um Südkorea zu helfen, traten viele Studenten freiwillig der Armee bei. Im Anschluss an diese Texttafel-Einblendungen werden die Zuschauer sogleich ins Schlachtengetümmel eines Häuserkampfs geworfen. Explosionen erschüttern die Gebäude, die Situation ist unübersichtlich, es wird geschossen und gestorben.

Blutiger Häuserkampf

„71 – Into the Fire“ basiert dem Vernehmen nach auf wahren Begebenheiten, die sich zu Beginn des Koreakriegs während der Schlacht von P’ohang-dong ereignet haben sollen. Eine Gruppe von 71 unerfahrenen Freiwilligen, größenteils Studenten, wird berufen, einen vermeintlich unbedeutenden Außenposten zu bewachen, wo kein Angriff der Nordkoreaner erwartet wird. Die bislang dort stationierte südkoreanische Einheit zieht ab. Weil er als einer der wenigen Rekruten ein Minimum an Kampferfahrung hat, wird der zurückhaltende Oh Jung-bum (Seung-hyun Choi, bekannt als Rap-Star T.O.P.) mit der Führung des zusammengewürfelten Haufens betraut.

In den Hinterhalt geraten

Schon bei der Beerdigung gefallener Soldaten stellen sich die Studenten wenig geschickt an. Auch das Hantieren mit Handgranaten erweist sich als nicht ungefährlich, und beim Schießtraining seiner Männer ist Oh Jung-bum geneigt, sich die Haare zu raufen. In dieser frühen Phase des Films zeigt „71 – Into the Fire“ einige befremdlich anmutende Momente, die geradezu Slapstick-Charakter haben. Das endet glücklicherweise ebenso schnell, wie es begonnen hat. In der Folge muss sich Oh Jung-bum mit missmutigen Untergebenen herumplagen, die seine Autorität in Frage stellen. Dann beginnt das große Sterben. Bald steht Oh Jung-bum dem nordkoreanischen Truppenführer Park Mu-Rang (Seung-won Cha) gegenüber.

Der nordkoreanische Kommandant Park Mu-Rang stellt ein Ultimatum

Das südkoreanische Kino strotzt vor Filmen, die den Koreakrieg und die schmerzliche Teilung des Landes thematisieren. An der Spitze stehen „JSA – Joint Security Area“ (2000) von Park Chan-wook, „Brotherhood“ (2004) und „Prisoners of War“ (2010). „71 – Into the Fire“ reiht sich etwas dahinter etwa auf dem Level von „The Coast Guard“ (2002) von Kim Ki-duk und „The Front Line – Der Krieg ist nie zu Ende“ (2011) ein. Die Kampfszenen beeindrucken, sind ebenso blutig wie realistisch und mit hohem Body Count inszeniert, allerdings auch mit einer gehörigen Portion Pathos versehen, wie es fürs Fernost-Kino typisch ist. Da wird dann eben gern mal zu getragenem Streicher-Score und in Zeitlupe gestorben. Darauf muss man sich einlassen können, dann allerdings entfaltet das Geschehen nachhaltig Wirkung.

Die Ruhe vor dem Sturm

Die deutsche Synchronisation ist wie gewohnt suboptimal geraten und lässt die Schauspielkunst der Darsteller wie Overacting wirken, ein häufig auftretendes Manko fernöstlicher Filme auf dem deutschen Markt. Eine Antikriegsbotschaft geht in all dem gezeigten Heldentum unter, wenn sie denn je in der Absicht von Regisseur John H. Lee gelegen hat. Mit „Operation Chromite“ bereitete er 2016 ein weiteres Kapitel des Koreakriegs auf. „71 – Into the Fire“ hat mir insgesamt etwas besser gefallen. Keine neuen Facetten für den Kriegsfilm, aber das ist heutzutage vielleicht auch nicht mehr zu erwarten. Wer das Genre im Allgemeinen und koreanische Beiträge im Besonderen mag, kann zugreifen.

Kurze Kampfpause

Veröffentlichung: 15. März 2011 als Blu-ray und DVD

Länge: 120 Min. (Blu-ray), 116 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: Pohwasogeuro
KOR 2010
Regie: John H. Lee
Drehbuch: Man-Hee Lee
Besetzung: Seung-won Cha, Sang-Woo Kwon, Seung-hyun Choi, Seung-woo Kim, Hye-seong Kim, Seong-hwan Koo, Hyun-tak Shin, Jae-won Moon, Dong-beom Kim
Zusatzmaterial: Character Featurette, On Set, Original Trailer, Trailershow, Wendecover, Vertikalschuber
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Ascot Elite Home Entertainment

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: