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Frauengefängnis – Barbed Wire Dolls: Ratlosigkeit

28 Dez

Frauengefängnis

Von Volker Schönenberger

Frauenknast-Sexploitation // In einem auf einer einsamen Insel gelegenen Frauengefängnis werden die Insassinnen gedemütigt und gequält. Wie soll man einen solchen Film einordnen? Allein die Figur mit der größten Autorität ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten: eine gestrenge Gefängnisdirektorin (Monika Swinn), die Albert Speer liest, sich gern ein Monokel vors Auge klemmt und vor ihren Insassinnen vorzugweise in ultraknappen Shorts herumstolziert.

Neue Insassin plant die Flucht

Ein roter Faden ist nicht auszumachen; Regisseur Jesús Franco reicht es offenbar, Misshandlungsszenen aneinanderzureihen. Erst in der Mitte des Films kristallisiert sich unter den Häftlingen eine Hauptfigur heraus: Maria da Guerra (Francos Muse und spätere Ehefrau Lina Romay), eine neue Insassin. Sie ist die einzige, deren zur Inhaftierung führendes Vergehen wir detailliert erfahren: Maria soll ihren Vater ermordet haben. Sie ist es auch, die federführend mit einigen Leidensgenossinnen die Flucht plant.

Was es mit Marias Verbrechen auf sich hat, erfahren die Zuschauer per Rückblende: Ihr Vater (Regisseur Franco persönlich) wollte die junge Frau vergewaltigen, sie wehrte sich, er prallte gegen einen Sims und starb. Die Szene ist bis zur Unverständlichkeit skurril inszeniert: Es soll wohl Zeitlupe sein, in der wir den tödlichen Moment zu sehen bekommen, doch statt die Szene in Zeitlupe zu drehen, bewegen sich Romay und Franco einfach tatsächlich langsam. Erst die mehrfache Wiederholung der Sequenz ließ den Rezensenten begreifen, was er da sah. Ist das Filmkunst? Man kann es so sehen.

Die weibliche Scham

Gern präsentiert Franco uns die weibliche Scham in ihrer ganzen Pracht, gern auch, während sie gerade befingert wird, zum Beispiel zum Prüfen der Jungfräulichkeit. Einen filmischen Zweck erfüllen diese Nahaufnahmen nicht, eher einen fetischistischen. Gönnen wir es Franco und den Connaisseuren seiner Filme, auch wenn mir seine Fans diese Gönnerhaftigkeit womöglich als lustfeindliche Arroganz auslegen werden.

Muss man sich über solche Machwerke empören? Sicher nicht. Darf man sich über sie lustig machen? Sicher doch – wie es bei „Die Nacht der lebenden Texte“ mittels einiger anderer Jess-Franco-Rezensionen bereits geschehen ist. Der eine oder andere Franco-Fan mag sich zwar auf den Schlips getreten fühlen, aber nichts für ungut: Das muss man schon abkönnen, wenn man Filme mit hanebüchenen Geschichten schaut, in denen sich leidlich begabte Schauspieler nackig machen.

Wie soll man das bewerten?

„Frauengefängnis – Barbed Wire Dolls“ künstlerisch oder gar qualitativ einzuordnen, entspricht der Quadratur des Kreises. Klar, man kann es sich einfach machen und die Glaubwürdigkeit der Geschichte und ihrer Figuren bewerten – in dem Fall ist „unterirdisch“ das einzig mögliche Fazit. Aber es führt zu kurz, darum ging es Franco am Ende gar nicht. Auch Vergleiche helfen nicht weiter, weder mit Hardcore-Pornos noch mit Softcore-Filmen à la David Hamilton („Bilitis“). Es ist eben Frauenknast-Sexploitation – ein Genre, das mit ganz speziellen Versatzstücken ganz spezielle Filme hervorgebracht hat. Man muss kein Frauenhasser sein, um sich diese Streifen zu Gemüte zu führen (Jess Franco selbst war ganz sicher keiner). Ein Arthaus-Cineast sollte man aber nicht gerade sein. Unter welchen Umständen und mit welchen filmischen Vorlieben ausgestattet es denkbar ist, Francos Frauenknast-Filme wirklich zu genießen – keine Ahnung. Hilfestellung in Form – höflicher – Kommentare willkommen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jess Franco sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 25. Februar 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 81 Min. (Blu-ray), 78 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Englisch, Japanisch
Originaltitel: Frauengefängnis
CH 1976
Regie: Jesús Franco
Drehbuch: Jesús Franco
Besetzung: Lina Romay, Martine Stedil, Monica Swinn, Eric Falk
Zusatzmaterial: Interview mit Lina Romay, Erwin C. Dietrich und Jess Franco, Trailer, Fotogalerie, Audio-Interview mit Jess Franco, Falks Frauen – Featurette mit Darsteller Eric Falk und Produzent Erwin C. Dietrich, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2014 Ascot Elite Home Entertainment

 

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